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Webdaten als Asset

Über Websitedaten lassen sich viele wichtige Erkenntnisse für Unternehmen gewinnen. Damit man die Daten aber nicht großen Techkonzernen überlassen muss, hat die Linzer Data Analytics-Schmiede 506, gegründet vom ehemaligen voestalpine Kommunikations-Chef Gerhard Kürner, Services und eine eigene Software entwickelt, welche mitunter auch für Finanzunternehmen Vorteile bringen kann.

Herr Kürner, sie haben vor kurzem für ihr auf Künstliche Intelligenz (KI) basiertes Analytics Tool 506 Saturn eine aws Förderung erhalten. Können Sie uns dieses Tool erklären?

Gerhard Kürner: Ja gerne. Es hat uns sehr gefreut diese sehr kompetitive Ausschreibung des aws zum Thema vertrauenswürdige KI zu gewinnen. Worum geht es beim Projekt Saturn? Wir glauben, dass Daten, die Besucher und Kunden auf Websites und Shops hinterlassen, eine viel größer Bedeutung haben als in der Vergangenheit. Daher ist davon auszugehen, dass in Zukunft Unternehmen diese Daten auch vermehrt selbst sammeln und analysieren wollen und diese nicht mehr frei Haus an einen Technologiekonzern liefern wollen. Wir kommen ins Spiel, wenn Unternehmen ihre Websitedaten selbst sammeln und analysieren. Mit unserer Künstlichen Intelligenz, durchsuchen wir diese große Anzahl an Daten nach Besonderheiten und Auffälligkeiten im Verhalten der Besucher. Saturn bildet, sobald er etwas gefunden hat, daraus eine Gruppe und kann diese auch wieder unterstützt mit KI und NLP (Anmerkung: Natural language processing) auch noch beschreiben. Diese Erkenntnisse können dann dazu verwendet werden, im Online Marketing oder per E-Mail bessere Angebote an die Besucher und Kunden zu stellen und damit mehr Geschäft zu generieren. Aktuell arbeiten wir an der ersten Beta Version und wollen im Q1 damit starten. Im Q2 und Q3 hoffen wir in einen Standardbetrieb übergehen und alle Interessenten bedienen zu können.

An wen richtet sich die Analytics Lösung?

Die ganz großen Unternehmen haben oft Ressourcen um dieses komplexe Thema manuell abzuwickeln. Wir richten uns mit unserem Angebot an den Mittelstand im DACH Raum. Ein großer Schwerpunkt sind hier der Medien, Finanz- und e-Commerce Markt. Da wir bei jedem Geschäftsmodell, das stark auf wiederkehrende Kunden oder Abonnenten setzt, einen wirklich großen Mehrwert schaffen können. Im Medienbereich zum Beispiel gibt es ja zwei Haupt-Erlösströme, das sind einerseits die Werbeeinnahmen und andererseits die zahlenden Abonnenten. Am Beispiel der Abonnentengewinnung zeigen sich schnell die Vorteile, wenn ich als Medium in der Lage bin, die Besucherströme selbst zu tracken und diese Daten dann für ein Lead Scoring Modell zu verwenden. Beim Lead Scoring werden unterschiedlichste Datenpunkte herangezogen um herauszufinden, ob der Besucher auch Interesse an einem Abonnement hat. Das führt zu höheren Abschlüssen aber auch zu einer besseren User Experience, weil nicht mehr jeder automatisch mit Standard-Werbung und E Mail zugemüllt wird. Im Finanzbereich hat man oft eine andere Datengrundlage, aber auch hier ist es relevant herauszufinden, wie hoch das tatsächliche Interesse an Finanzprodukten wirklich ist und was dann auch das beste Angebot ist.

Auf der Website betonen sie, dass 506 Saturn datenschutzkonform und ethisch agiert. Ein Vorteil in Zeiten von ESG?

Ja auf alle Fälle. Wir gehen ohnehin davon aus, dass nur mehr Daten nach transparenter Zustimmung gesammelt werden dürfen und halten das auch für völlig richtig. Die Problematik liegt in der geringen Erfahrung von Unternehmen in diesem Bereich. Da passiert es schon mal, dass zwar personenbezogene Daten natürlich mit Zustimmung bei der Anmeldung für ein Service gesammelt werden, wenn man aber im Website Tracking von Google Analytics auf ein eigenes Tracking setzt, kommt die Frage plötzlich „Ja darf man das überhaupt?“ Aber Datenschutz und Ethik gehen ja weiter. 

Man kennt sie ja noch aus ihren Zeiten als Kommunikationschef der voestalpine. Inwieweit verfolgen Sie noch das Geschehen bei voestalpine bzw. an der Wiener Börse?

Die voestalpine verfolge ich natürlich noch, da es ein großer und wichtiger Teil meines Berufsleben war, zudem hab ich bis heute keine einzige Aktie aus dem Mitarbeiterbeteiligungsprogramm verkauft. Die österreichische Börse habe ich eine Zeitlang intensiv beobachtet, vor allem was im Direct Markt Plus passiert, weil ich die Idee des einfachen Börselistings als sehr interessant halte. Außer ein paar Aktivitäten zum Start ist dann aber nicht mehr viel passiert, was ich sehr schade finde. Ich persönlich glaube, dass auch in einem kleinen Land wie Österreich ein Markt dafür da ist. Gerade bei Startups und KMU könnte dieses Einstiegssegment interessant sein, um u.a. Stock Option Programme zu realisieren und auch Business Angels einen einfachen Exit zu bieten. Ohne starke Kommunikationsmaßnahmen der Börse und vor allem der gelisteten Unternehmen wird es aus meiner Sicht aber nicht zu mehr Interesse und Volumen kommen. Durch meine Tätigkeit bei der voestalpine konnte ich den ATX und auch andere Börsenplätze im täglichen Berufsleben miterleben. Daher muss ich schon sagen, dass die geringen Auflagen und Regulierungen die meisten Unternehmen natürlich dankend annehmen. Aber: Ohne News kein Volumen, das gilt für jedes börsennotierte Unternehmen.

Seit dem Sie sich mit ihrer Firma selbständig gemacht haben ist viel in Richtung „Digitalisierung“ und „KI“ passiert. Wie geht man mit einem sich so schnell entwickelnden Markt in der Selbständigkeit um?

Wenn man den Beginn der Chip Entwicklung in den 1960er Jahre als Startpunkt ansieht haben wir bereits das 50 Jahr Jubiläum der Digitalisierung überschritten. In den 70er Jahren war die Automatisierung der Produktion das große Thema, in den 80ern und 90ern war mit dem Siegeszug des Homecomputers der nächste Punkt erreicht. Mit den 90ern kam das Internet mit der Dotcom Bubble in 2000. Danach wurde Digitalisierung oft mit den neuen Social Media Unternehmen gleichgesetzt und in den Roaring 20s stehen wir am wirklichen Beginn des Datenzeitalters, bei dem sich viele erstmals mit ihren eigenen Daten ernsthaft auseinandersetzen. Was sich verändert, ist die Know-How Tiefe und vor allem die Geschwindigkeit. Waren es oft Nischen und Spezialisten, haben alle angeführten Themen mittlerweile einen großen Teil der Wirtschaft erreicht. Trotzdem wird immer noch die digitale Welt und deren Besucher und Kunden als Add-on gesehen. 1000 Menschen auf einer Website sind nicht so viel wert wie 10 Besucher einer Firma. Die meisten wissen nicht einmal auswendig, was sich auf ihren Digitalen Touchpoints überhaupt tut. Wenn man die Frage stellt, was ist ihre beste Niederlassung, dann kommen die Zahlen wie aus der Pistole geschossen. Wenn ich die gleiche Frage über die besten Themen auf der Website stelle, kommt häufig nur „das reichen wir nach“. Die Herausforderung ist hier der klare Fokus, welche technologischen Themen bringen mir den möglichst größten Wettbewerbsvorteil, den besten Umsatzzuwachs und vor allem die größte Kundenzufriedenheit. Diese Herausforderung gelingt nur dann, wenn gezielt das ganze Team kontinuierlich in den Know-How-Aufbau investiert und schnell Prototypen und Testprojekte umsetzen kann.

Text: Christine Petzwinkler

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Aus dem Börse Social Magazine #58
(Oktober 2021)





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