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Thomas Steinbauer (PwC): "Unternehmen müssen ESG-Kennzahlen und sozialen Mehrwert stärker herausarbeiten"

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ETFs mit ESG-Fokus haben bei Investoren den Vorzug.  Das ist eine große Chance für Unternehmen, die ihre  Geschäftsmodelle valide auf Nachhaltigkeit ausrichten,  meint Thomas Steinbauer, Leiter Asset & Wealth Management bei PwC Österreich.

Herr Steinbauer, Sie waren an einer  Studie beteiligt, die erhoben hat, dass  die Mehrheit der ETFs, die im nächsten Jahr in Europa aufgelegt werden, einen ESG-Ansatz haben. Seit der Erhebung Ende 2021 hat sich die Welt verändert. Wäre das Ergebnis heute anders?

Thomas Steinbauer: In unserer Studie gaben 80 Prozent der in Europa befragten ETF-Anbieter an, dass sie mehr  als die Hälfte ihrer Produkte mit einem ESG-Ansatz investieren werden. Ich gehe davon aus, dass die Studie heute zum selben Ergebnis kommen würde, da die Entwicklungen dieser Welt es einfach verlangen. Wir als Gesellschaft, die Gesetzgeber und Unternehmen müssen diesbezüglich Verantwortung übernehmen. Das ist auch das, was die Investoren antreibt. ETF- und  Fondsanbieter nehmen Unternehmen auf, die einen stärkeren Schwerpunkt  im ESG-Bereich setzen und tatsächlich auch ihre Hausaufgaben erledigen. Ich sehe durch die aktuellen geopolitischen Entwicklungen also keine Auswirkung auf die globale Marschrichtung. 

Welche Hausaufgaben sind das?

Einzelne Unternehmen müssen ihre ESG-Kennzahlen und ihren sozialen Mehrwert für die Gesellschaft stärker herausarbeiten. Das muss jedes Unternehmen selbst machen und nur jene werden dann in die ESG-ETFs aufgenommen, die den ESG-Nachweis eindeutig erbringen können. Es reicht heute nicht mehr aus, den Papierverbrauch oder Flugreisen einzuschränken. Unternehmen müssen ihr gesamtes Geschäftsmodell nachhaltig ausrichten. Das müssen Banken genauso wie Öl- und Gasunternehmen. Es wird sich eine Arithmetik herausbilden, bei der Indizes hohe ESG-Qualitätsstandards erfüllen werden. Dann kommen ausschließlich Unternehmen in die ETFs, die den validen Nachweis erbracht haben, dass ihr Geschäftsmodell einen positiven Beitrag für Gesellschaft und Umwelt liefert.

Unternehmen ab einer gewissen Größe müssen ab dem Geschäftsjahr 2023 verpflichtende CSR Berichte veröffentlichen. Was kommt auf Unternehmen hier konkret zu?

Die Einführung der Prüfpflicht der nichtfinanziellen CSR Berichte sehe ich als dieselbe Revolution an, die bereits die Einführung der Rechnungslegungsvorschriften IFRS vor ca. zwei Jahrzehnten mit sich gebracht hat. Unternehmen ab einer gewissen Größe werden im nichtfinanziellen Bereich prüfpflichtig. Das stellt sie aber vor gewaltige systemtechnische Herausforderungen im Reporting. Die EU arbeitet gerade mit Hochdruck daran, ein Regularium zu entwickeln, mit dem man ein Unternehmen auch nach nichtfinanziellen Kriterien beurteilen kann. Ich gehe davon aus, dass dieses Regularium Ende des Jahres ausgearbeitet sein wird. Die aktuell größte Herausforderung für alle Player, auch für uns Berater, ist, nach welchen Parametern man beurteilt. Das Fehlen eines vereinbarten, kohärenten und verbindlichen Rahmens für die Offenlegung, der mit den Rechnungslegungsstandards vergleichbar ist, ist im Moment noch ein gewisser Unsicherheitsfaktor bei der konkreten Planung dieser Prozesse.

Welche Rolle nehmen Beratungshäuser wie PwC in dem Prozess ein?

Wir als PwC beraten Unternehmen u.a. bei der Umsetzung der Taxonomie. Diese strategische Überlegung ist für manche Unternehmen vollkommen neu. Sie müssen in relativ kurzer Zeit ein Reporting für ESG auf die Beine stellen, das sämtliche  Stakeholder und die gesamte Lieferkette miteinbezieht. Emittenten stehen vor der Herausforderung, verlässliche und konsistente Daten zu beziehen, und treffen auf Unsicherheiten in Bezug auf ESG-Ratings und Scoring. Hier einen Due Diligence-Prozess und Parameter einzurichten, das ist die große Komplexität. Daher wird jede helfende Hand hinsichtlich System und Prozesse bzw. Benchmark benötigt. Grundsätzlich muss sich aber jedes Unternehmen auf allerhöchster Ebene zunächst die Frage stellen, wie relevant ist man für die Gesellschaft und für die Umwelt. Für viele Unternehmen ist das etwas gänzlich Neues, weil sie sich in der Vergangenheit in erster Linie strategisch mit finanziellem Wachstum beschäftigt haben, aber nicht mit ihrem Impact auf Umwelt und Gesellschaft. Das fundamentale Herzstück des ESG-Reportings ist demnach, eine nachhaltige Unternehmensstrategie festzulegen und diese gut zu kommunizieren. Es wird ein race to the top. Wer das glaubwürdig und nachhaltig schafft, der wird bessere Konditionen am Finanzierungsmarkt bekommen, mehr Aufmerksamkeit am Kapitalmarkt erhalten und auch die zufriedeneren MitarbeiterInnen haben. 

Text: Christine Petzwinkler  

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Aus dem Börse Social Magazine #66
(Juni 2022)





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