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Es läuft am Bau - Interview mit Strabag-CEO Thomas Birtel

Weder die Pandemie und auch nicht die Aufwärts-Dynamik der Preise bei den Baumaterialien rütteln an der grundsoliden Aufstellung der Strabag, wie uns CEO Thomas Birtel ausführlich erzählt. Die Pipeline ist gut gefüllt, es gibt genug Liquidität.

Sie sind jetzt ziemlich genau acht Jahre in der Position des CEO, Herr Birtel, und die Aktie ist seither mehr als 100 Prozent gestiegen. Da kann man zufrieden sein. 

Thomas Birtel: Ich bin noch nicht ganz zufrieden, denn wie wir alle wissen lag der Emissionskurs im Jahr 2007 bei 47,0 Euro. Dieses Niveau ist schon ein Ziel und ich finde, eine faire Unternehmensbewertung würde das auch hergeben.

Die Aktie hat sich zuletzt nach der Ankündigung des Syndikat-Vorschlags bezüglich einer höheren Dividende dynamisch nach oben bewegt. Wie war ihre Reaktion auf den Beschlussvorschlag?

Unser Vorschlag, also jener von Vorstand und Aufsichtsrat, in Höhe von 1,9 Euro war schon fair und lag am oberen Ende der laut Dividendenpolitik definierten Bandbreite von 30 bis 50 Prozent des Konzernergebnisses. Das wäre in diesem Jahr eine Kompensation für das Vorjahr gewesen, wo wir aufgrund der Vorsichtsmaßnahmen in Folge der Pandemie deutlich darunter geblieben sind. Dass die Kern­aktionäre eine andere Dividende in Anspruch genommen haben, ist ihr gutes Recht. Ich kann nicht sagen, dass ich schockiert darüber war, denn den Jahresabschluss erstellt der Vorstand. Und wir haben einen Jahresabschluss erstellt, der diese Dividende ohne weiteres möglich gemacht hat. Ich bin ganz sicher, dass diese Sonderdividende, die ich für eine einmalige halte, unsere strategischen Handlungsmöglichkeiten in keiner Weise einschränkt. Weder realistische Firmenübernahmen noch Beteiligungen an großen PPP-Projekten, wo man Equity Stakes zeichnet, sind dadurch eingeschränkt. Die Strabag ist nach wie vor grundsolide aufgestellt, hat weiterhin eine sehr hohe Eigenkapitalquote und eine Liquiditätssituation, die mehr als auskömmlich ist, auch nach der Ausschüttung.

Sie haben vor kurzem auch die 7,4 Mio. eigenen Aktien eingezogen. Diese waren eigentlich als Akquisitionswährung gedacht. Warum ist nun dieser Schritt erfolgt?

Wir haben schon vor einigen Jahren Aktien eingezogen, weil wir bereits damals gesehen haben, dass es schwierig wird, die Aktie als Akquisitionswährung einzusetzen. Der Versuch wurde unternommen, aber  letztlich waren wir nicht erfolgreich damit. Es liegt einfach an der Bewertung der Aktie. Vor Bekanntgabe des Sonderdividenden-Wunsches der Kernaktionäre war die Aktie immer noch unter dem Buchwert bewertet. Und da ist es schwer, jemanden davon zu überzeugen, dass es für ihn ein gutes Geschäft ist, die Aktie mit dieser Bewertung als Kaufpreis anzunehmen. Wir haben dann also beschlossen, die Aktien einzuziehen. Das zieht ja keine sonstigen Konsequenzen nach sich. Nach IFRS waren die eigenen Aktien bereits vom Eigenkapital abgezogen gewesen. Das ist nur eine Bereinigung und gibt uns gegebenenfalls künftig wieder die Möglichkeit, in größerem Ausmaß eigene Aktien zu erwerben. 

Für das laufende Jahr haben Sie u.a. aufgrund der aktuell vorherrschenden starken Preissteigerungen eine Normalisierung der EBIT-Marge auf unter 4 Prozent angekündigt. Können Sie uns die Preissituation in der Bau-Industrie erläutern?

Es haben uns nicht nur die Preissteigerungen veranlasst, im laufenden Jahr wieder von einer Normalisierung der EBIT-Marge auszugehen. Es ist im abgelaufenen Jahr einfach viel gut gegangen. Das war nicht nur einem einzigen Faktor zuzuschreiben, sondern es ist in der Breite ganz ordentlich gelaufen. Das ist nicht normal, denn in einem typischen Jahr gibt es einen Mix aus positiven und negativen Faktoren und unterm Strich kommt  dann ein passables Ergebnis heraus. Seit März haben nun die Preise für wichtige Materialien rasant an Fahrt aufgenommen. Im Mai und Juni hat es dann nochmals eine Dynamik nach oben gegeben. Das betrifft vor allem Holz, Stahl - sowohl Betonstahl als auch Baustahl -, aber auch viele Baumaterialien, die petrochemische Grundstoffe beinhalten, wie beispielsweise Kunststoffrohre. Aber es ist für uns nach wie vor nicht so dramatisch, wie es sich anhört. Wir haben zwar auch Baustellen, die etwas eingeschränkt sind, weil beispielsweise Rohre im Erdbau nicht rechtzeitig geliefert werden können, aber wir sehen noch keine materielle Beeinträchtigung  unseres Geschäfts. Es gibt zwar vereinzelt Einschränkungen und auch der Kostendruck ist spürbar,  das hat aber bis dato keine substantiellen Auswirkung auf unser Kerngeschäft. 

Die Auftragslage ist auch aufgrund der Konjunkturprogramme derzeit sehr gut. Können Sie selektiv vorgehen?

Zum 31. März haben wir mit über 20 Mrd. Euro den höchsten Auftragsstand in der Konzerngeschichte erreicht. Aber man muss ein wenig die Struktur beachten: Wir sehen schon, dass es gerade im Straßenbau bei kleineren und mittleren Aufträgen, die oft von Gemeinden vergeben werden, einen intensiven Wettbewerb gibt. Gemeinden sind doch stark betroffen von der Krise, sowohl, was die Personalauslastung - Stichwort Homeoffice - als auch die finanzielle Situation anbelangt. Da hat es Dellen gegeben, nicht nur in Österreich und Deutschland, sondern auch in anderen Ländern. Die größeren und ganz großen Aufträge schauen wir uns aber sehr selektiv an. Von der Seite kommt auch per Saldo das Wachstum. Da gehen wir mit viel Sorgfalt und sehr selektiv voran, weil wir nicht jeden Auftrag brauchen. Wir haben im Prinzip selbst bereits Kapazitätsengpässe, wie man bei den offenen Stellen erkennen kann. 

Gibt es noch Potenzial bei den Aufträgen?

Die Pipeline, sowohl im Infrastrukturbau, aber auch im privaten Hochbau, ist nach wie vor stark. Der Wohnbau hat unter der Krise überhaupt nicht gelitten. Bürobauten sind auch wieder recht bald auf Normalmaß angezogen. Was natürlich zurückhaltend läuft im Moment sind Hotelbauten, Shoppingmalls und dergleichen. Aber ansonsten ist die Nachfrage nach Immobilien, auch von privater Seite, aufgrund der Niedrigzinsphase, die wir noch auf längere Sicht haben werden, hoch. Es ist ja eine der wenigen Anlageklassen, die noch in Frage kommen. Das merken wir deutlich.

Gab es auch Auftrags-Stornos?
Interessanterweise nicht. Wir haben weder Stornierungen von bereits erteilten Aufträgen, noch, was ja auch denkbar gewesen wäre, Baueinstellungen, da der Kunde nicht mehr weitermachen will oder aufgrund der finanziellen Situation nicht mehr kann. Das ist bei uns überhaupt nicht vorgekommen. Was ich mir jetzt im Moment aber vorstellen kann ist, dass manche Investoren ihre Entscheidung verschieben, weil im Moment eine starke Phase des Preisanstiegs ist und vielerorts mit den stark gestiegenen Kosten kalkuliert wird. Das führt dazu, dass sich Bauwerke verteuern. Und es mag sein, dass der eine oder andere Investor diese Entwicklung lieber abwarten möchte. Das ist dann aber keine Stornierung, sondern da handelt es sich  eher um verzögerte Ausschreibungen. Das hat aber nicht verhindert, dass unser Auftragsbestand weiter stark angestiegen ist.

Zum Schluss noch: Im nächsten Jahr läuft die jüngste Anleihe aus. Gibt es neue Bond-Pläne?

Pläne bezüglich einer neuen Anleihe gibt es aktuell nicht. Wir haben uns schon vor einigen Jahren entschlossen, die abreifenden Anleihen nicht mehr durch neue zu ersetzen. Das haben wir eine Zeit lang getan, auch um am Kapitalmarkt präsent zu bleiben. Das hat aber immer weniger Sinn gemacht. Wir stecken so in Liquidität, dass unser  Finanzchef das Anleihenkapital gleich wieder auf ein Konto legen müsste und dabei Gefahr läuft, Negativ-Zinsen zahlen zu müssen. Deswegen gibt es im Moment keine Anleihe. Wir schwimmen trotz der Auszahlung der Sonderdividende weiter in Liquidität. 

Interview: Christine Petzwinkler   

 

Strabag Aktie des Monats

5000 Tage an der Börse. Der Juni 2021 war ein ereignisreicher Monat für die Strabag. Warum die Aktie unserer Meinung nach die Aktie des Monats war, fasse ich hier zusammen. Ein Jubiläum gab es Mitte Juni ebenfalls: 5000 Tage an der Börse.

CEO-Ranking-Wanderpokal: Birtel 1st Holder. Wir haben (neben Aktienturnier, MA200 und Gewinntage in Serie) gemeinsam mit be.public einen 4. Wanderpokal gestiftet: Für das täglich aktualisierte CEO-Ranking. Bei dieser BSNgine-Auswertung geht es um die gerade heißeste Aktie in Wien. Stark fließt natürlich die aktuelle Formkurve nach Performance ein, aber auch das eine oder andere jüngere Historische, zudem die Newslage. Vor allem die aktuellen eigenen Handelsvolumina im Vergleich mit der eigenen Handelsvolumina-Vergangenheit haben Bedeutung. Diese Rezeptur hatte den Effekt, dass Strabag-Boss Thomas Birtel im Juni gleich 9 Tage in Folge Leader war. Er ist damit der erste „Holder“ des neuen Wanderpokals. 

Private Investor Return Kurs über IPO wie es Josef Chladek in seinem Editorial angekündigt hat: Da wir seit Jahresbeginn alles auf den ATX TR beziehen, ist es nur fair und gerecht, auch bei Aktien eine Total-Return-Variante einzuziehen, inspiriert wurden wir dazu von der Österreichischen Post, die zum 15er an der Börse den Total Return auf den Aktienkurs umgerechnet hat. Allerdings ohne Wiederveranlagung der Dividenden. Wir haben nun zwei Varianten mit Wiederveranlagung eingesetzt. Nach Variante TR (vgl. ATX TR) ist die Strabag-Aktie nicht bei 37 Euro zu finden, sondern bereits bei 60 Euro. Und wir wissen: Nicht nur Birtel (siehe Interview oben) vergleicht mit dem IPO-Kurs, der liegt bei Strabag bei 47.  Neben der TR-Variante haben wir auch eine PIR-Variante (in diesem Fall „Private Investor Return“) installiert. Diese berücksichtigt vor der Wiederveranlagung die jeweilige KESt. Der „Strabag PIR“-Kurs liegt bei ca. 55, man sieht also, dass der Finanzminister da im Vergleich zum TR bei den österreichischen Privatanlegern bereits jetzt ordentlich mitschneidet. Das gehört in die politische Diskussion als Argument für eine geringere (oder gar keine) KESt auf den Wertzuwachs bei langen Behaltefristen. Man zahlt eh schon viel.

WallStreetBets, ATX. Und: Strabag war im Juni die erste ATX-Prime-Aktie, die von der WallStreetBets-Community  erwähnt wurde. Zwar nicht reißerisch, aber immerhin. Abschließend gehört erwähnt, dass man mit Handelsvolumina wie zuletzt auf Sicht wieder ATX-Kandidat ist. 

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(Juni 2021)





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