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Verbund setzt Benchmark im Bereich green finance

Mit der im März begebenen Anleihe hat Verbund am grünen Finanzierungsmarkt Neuland betreten. Laut CFO Kollmann war es ein Risiko, aber die Reaktion der Investoren spricht eine deutliche Sprache.

Verbund setzt bereits seit 2014 auf nachhaltige Finanzierung. Mit den zwei jüngsten Instrumenten, dem ESG-linked Syndizierten Kredit  und dem Green and Sustainability-linked Bond, war Verbund Vorreiter an den internationalen Märkten. Andere heimische Börsenotierte haben nun ebenso auf Green Finance umgeschwenkt. Die Investoren wollen es offenbar „grün“.

Peter F. Kollmann: Ja, absolut.  Green Finance  hat sich von einem sehr interessanten Thema hin zu einem globalen Trend entwickelt, der nicht mehr wegzudenken ist. Das bleibt definitiv eine Säule der globalen Kapitalmärkte. Wir haben 2014 die Entscheidung getroffen, grüne und nachhaltige Finanzierung zu einem integralen Bestandteil unserer Gesamtstrategie zu machen. Als österreichisches Unternehmen waren wir damit Vorreiter und haben die vergangenen drei Jahre gleich zwei globale Innovationen auf den  Markt gebracht.

Unterstützung kommt von den ambitionierten Plänen vieler Regierungen hinsichtlich Erreichen von Klimazielen. 

Jede Maßnahme, ob das jetzt Ankündigungen von Joe Biden oder der Europäischen Kommission sind, führen dazu, dass permanent Wind in die Segeln von Green Finance geblasen wird. Und der Wind wird eher stärker als schwächer und verteilt sich in alle Bereiche der Volkswirtschaft.

Der jüngste Bond war mit einer vierfachen Zeichnung offenbar besonders interessant.

Der Bond war für viele sehr große und namhafte ESG-Investoren ein hochinteressantes neues Produkt, weil erstmals soviele verschiedene Elemente in einem Bond abgebildet wurden. Es war zwar ein wenig riskant, als erster mit so einem Produkt in den Markt zu gehen, aber in den Gesprächen mit den Investoren haben wir gemerkt, dass es ein hohes Interesse gibt. Auch die verhältnismäßig lange Laufzeit von zwanzig Jahren hat der Nachfrage keinen Abbruch getan. Es sind sehr große Orders, teils im dreistelligen Millionen-Bereich, hereingekommen. Wir mussten in der Zuteilung stark kürzen. Bemerkenswert ist, dass es bei den großen Fonds mittlerweile eigene ESG-Spezialisten gibt, die sehr ins Detail gehen und ihre Empfehlungen abgeben. Es ist jetzt nicht mehr nur der Fondsmanager, der entscheidet.

Sie haben die Elemente des Bond erwähnt. Können Sie diese erläutern?

Zunächst ist die Mittelverwendung an grüne und nachhaltige Projekte geknüpft, das ist transparent und sozusagen das traditionelle Element eines Green Bond. Dazu haben wir uns noch spezifische Nachhaltigkeitsziele gesetzt, das ist das Sustainability linked-Element. Hier wurden zwei nachhaltige Konzernziele festgelegt, die wir bis 2032 erreichen müssen. Zum einen die Schaffung neu installierter Kapazitäten für erneuerbare Energien von 2.000 MW und zum anderen eine zusätzliche Transformatorleistung von 12.000 Megavoltampere. Sollten wir diese Ziele nicht erreichen, müssen wir einen höheren Zinssatz bis zum Ende der Laufzeit zahlen. Das dritte Element ist, dass der Bond der Taxonomie-Klassifikation der EU entspricht. Und als viertes Element wurde festgelegt, ESG-Investoren in der Zuteilung zu priorisieren.

Verbund hat vor kurzem eine Kooperation mit Visiolar bekanntgegeben, bei der es um die Errichtung von PV-Anlagen mit bis zu 2000 MW geht. Sind damit die für den Bond festgelegten Kapazitäten bereits abgedeckt? 

Bei der Transaktion stehen wir am Anfang. Die Kapazitäten werden erst entwickelt und in den nächsten Jahren aufgebaut. Es wird noch weitere Projekte geben.

Und die anvisierten 12.000 MVA betreffen den Ausbau der Netze.

Das ist ganz wesentlich für die Energietransformation. Der Energiewandel funktioniert nicht nur mit dem Ausbau der Erneuerbaren, sondern wir müssen sie auch in die Netze integrieren. 12.000 MVA ist ein sehr hoch angesetztes Ziel, aber ein wichtiger Beitrag für die Integration und die Stabilität.

Verbund wird 3 Mrd. Euro in die Netze investieren. Das ist ein enormer Kapitalbedarf. Ist ein Börsengang der Austrian Power Grid (APG) eine Überlegung wert?

Nein. APG ist ein strategisches Asset and dem wir langfristig 100  Prozent der Anteile halten werden.

Inwieweit sind  die Wasserstoff-Projekte von Verbund bereits Thema bei Investoren? 

Das wird selbstverständlich in Investoren-Gesprächen thematisiert. Wasserstoff wird in der Energietransformation mit Sicherheit eine wichtige Rolle spielen. Aber es benötigt noch klar nachvollziehbare und transparente Rahmenbedingungen auf internationaler Ebene. Geklärt werden muss die Förderung, die Regulierung und die Implementierungsziele. Wir brauchen ein klares Systemverständnis und klare Rahmenbedingungen und dann wird sich der Wasserstoffmarkt gut entwickeln.

Welche Rolle spielt die Gas Connect im Zusammenhang mit Wasserstoff? 

Die Gasnetze können in Richtung Wasserstofftransportnetze ertüchtigt werden. Wir haben eine zentrale Position in Europa, mit einer logistischen Schlüsselfunktion. Aber wie gesagt, das ist noch eine Zukunftsprojektion. 

Abschließend: Was schätzen Investoren an Verbund am meisten und was wird öfter diskutiert? 

Die grüne und kontinuierliche Erzeugung aus Wasserkraft ist etwas, das Investoren als Asset sehr schätzen. Wir produzieren das ganze Jahr, und sind nicht von Sonne und Wind abhängig. Auch das stark ausgebaute Netz ist eine wichtige strategische Säule. 

Auf der anderen Seite gibt es den einen oder anderen Kommentar betreffend Liquidität der Aktie. Große Investoren, die mit hohen Volumina einsteigen wollen, brauchen genug Liquidität in der Aktie, um nicht gleich den Kurs zu bewegen. Und auch das Faktum, dass für einen erneuerbaren Erzeuger, der vom Strompreis abhängig ist, die Entwicklung des CO2-Preises fundamental ist, wird oft besprochen. Wenn der CO2-Preis stark fällt, gehen auch  die Strompreise zurück, das bedeutet weniger Konzernergebnis. Aber das ist ein inhärenter Teil des Geschäftsmodells. 

 

Bond Facts

  • Volumen von 500 Mio. Euro
  • ca. 40 Prozent der Investoren kommen aus Deutschland
  • ca. 15 Prozent aus Benelux
  • je ca. 10 Prozent aus Frankreich und UK
  • der Rest aus der Schweiz, Südeuropa, Österreich 
  • die Laufzeit beträgt 20 Jahre
  • der Zinssatz liegt bei 0,9 Prozent
  • für die nachhaltige Strukturierung wurde ein Preisvorteil von ca. 10 bis 15 Basispunkten erzielt

Text: Christine Petzwinkler

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Aus dem Börse Social Magazine #52
(April 2021)





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