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Mit Kapital Gutes tun

Susanne Lederer-Pabst, Alexandra Bolena und Martina Nemeth-Beran von dragonfly.finance wollen „Social Impact“ als gleichberechtigten Parameter neben Rendite und Risiko etablieren. Denn: Das wäre ein Mehrwert für uns alle.

Leser unseres Magazines kennen eure Kolumne zum Thema „Impact Investing“. Ihr zählt hierzulande zu den Pionieren auf dem Gebiet. Was motiviert Euch, sich speziell für diese Thematik einzusetzen? 

Susanne Lederer-Pabst: Die Welt steht aktuell vor sehr vielen und großen Herausforderungen, Stichwort Klima, Bildung, Überalterung der Gesellschaft uvm. Wir sind der Meinung, dass man mit privatem Kapital sehr viel Gutes tun kann, denn es braucht für all diese Herausforderungen ausreichend Finanzierung. Und da müssen alle zusammenarbeiten. Wir müssen die übergeordnete Sicht in den Fokus rücken und erkennen, dass auch Sozial-Rendite eine Rendite ist. Es gibt so viele Themen, die der Staat jetzt finanziert. Das sollten private Finanzinstitute übernehmen. Wir müssen weg vom „Bösen-Spekulanten-Denken“ und erkennen, dass das Finanzwesen ein Bestandteil unser aller Leben ist. Die Gesellschaft hat einen großen Mehrwert davon, wenn ihre Gelder, die ja von Pensionskassen oder Mitarbeitervorsorgekassen treuhändisch verwaltet werden, in gesellschaftlich wichtige Themen investiert werden, die ohnehin letztendlich von uns allen, also der Gesellschaft, getragen und finanziert werden müssen. Unser persönliches Anliegen ist es daher, Institutionelle wie Pensionskassen, Versicherungen und Banken genau dafür zu begeistern. 

Alexandra Bolena: Wir wollen dazu beitragen, dass es zu einem Paradigmenwechsel im Finanzbereich kommt. Social Impact sollte gleichermaßen wie Rendite und Risiko berücksichtigt werden. Es ist jedenfalls absehbar, dass das, was vor zehn Jahren mit Green Bonds begonnen hat, mit Social Bonds oder Impact Bonds fortgesetzt wird. Also nicht nur der Klimawandel steht im Fokus, sondern zunehmend soziale Themen, wie beispielsweise Schulbau, Studienkredite, Alten- und Krankenpflege, Integration uvm. 

Es ist wohl schwierig, in diesen Bereichen Rendite-Prognosen abzugeben.

Bolena: Die Quantifizierung ist eine Herausforderung. Aber nehmen wird das Beispiel Versicherungen her: Diese investieren zunehmend in Investments, die mit dem Klimawandel zu tun haben. Warum? Weil sie von den Schäden, die durch den Klimawandel hervorgerufen werden, direkt betroffen sind. Es gibt Hagel, Stürme, Unwetter, Frost. Hier sind die Auswirkungen eindeutig quantifizierbar. In anderen Bereichen muss man erst neue Quantifizierungsmodelle finden und die positiven Auswirkungen beobachten und beziffern – zB welche langfristigen positiven und quantifizierbaren  Effekte hat es, wenn in Ländern Stabilität hergestellt wird und Flüchtlingsströme damit abgestellt werden. Oder welche hat es, wenn Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integriert oder Mütter, die lange bei den Kindern waren wieder zurück in die berufliche Arbeitswelt begleitet werden. Das hat mit Gewissheit positive Effekte auf die Gesellschaft.

ESG-Kriterien rücken bei Unternehmen zunehmend ins Bewusstsein. Aktive Investoren nehmen hier wohl eine wesentliche Rolle ein.

Bolena: Heutzutage kann es sich kein Unternehmen leisten, ESG-Kriterien unberücksichtigt zu lassen. Stichwort Reputationsrisiko. Investoren können hierbei eine starke Rolle einnehmen und genügend Druck auf Unternehmen aufbauen. Aktives Management wird somit zunehmend um diese ESG-Komponente erweitert. Viele Fondsgesellschaften etwa sehen sich heute ganz genau die Unternehmen an, in die sie investieren. Es werden die Liefer- und Produktionsketten, die Arbeits-Bedingungen uvm. genau nach Nachhaltigkeits- und Impact-Kriterien betrachtet. Oftmals werden dabei auch Rating-Agenturen und Berater eingeschaltet, die gemeinsam mit den Unternehmen Verbesserungen in Bezug auf Nachhaltigkeit ausarbeiten. Ein plakatives Beispiel ist etwa die britische Retail-Kette Marks & Spencer, die vorwiegend Convenient-Food verkauft und vor Jahren viele ihrer Produkte in Kunststoff verpackt hatte. Gemeinsam mit einer Rating­agentur und dem „Engagement Aktivisten“ GES Global Engagement Services wurden nach einer Kundenbefragung die vielen Plastikverpackungen einfach weggelassen. Mit dieser Aktion wurden nicht nur die Kundenwünsche zufriedengestellt, sondern auch die Umwelt geschont und darüberhinaus Geld gespart, was sich insgesamt positiv – auf das Nachhaltigkeits-Rating – ausgewirkt hat. Marks & Spencer ist damit auch zunehmend in den Fokus für Nachhaltigkeit gerückt. Unsere Meinung ist, dass sich Engagement für Unternehmen immer auszahlt.

Es gibt kaum mehr Veranlagungs-Produkte, die nicht nachhaltig ausgerichtet sind.  Kommen auch zunehmend Social Impact-Produkte?

Lederer-Pabst: Die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten ist im internationalen, institutionellen Bereich sehr groß. Nachhaltige Produkte wie Green Bonds sind meistens sofort überzeichnet. Im Bereich Impact Investing müsste die Regulatorik nachziehen. Institutionelle tun sich hierzulande noch schwer, darin zu investieren. Die Politik müsste die Rahmenbedingungen schaffen, damit Investoren investieren können. Zunächst muss eine Anlage in beispielsweise sozialen Infrastruktur-, oder erneuerbaren Energieprojekten oder was auch immer, strukturiert werden. Wenn dann der Staat auch noch mit einer Garantie einspringt, dann wäre das ein enormer Fortschritt. Leider sind wir im Bereich Impact Investing hierzulande noch nicht dort, wo einige nordische Länder bereits sind. Das Bewusstsein bei heimischen Investoren ist aber vorhanden. Wenn sinnvolle Investments mit überschaubarem Aufwand und Risiko möglich sind, würden sie in diese auch investieren.

Bolena: Aber wir sind mit unseren Lobbying-Aktivitäten bestrebt, dass die Rahmenbedingungen besser werden. Aufgrund unserer Erfahrung sind wir teilweise in die politischen Prozesse eingebunden. Aktuell wird beispielsweise die UZ 49, also die Umweltzeichenrichtlinie für nachhaltige Finanzprodukte, überarbeitet. Aus unserer Sicht wäre es wichtig, dass einige Industrien, wie beispielsweise fossile Rohstoffe, Waffen oder Uran fördernde Unternehmen, nicht von heute auf morgen vollständig ausgeschlossen werden, denn so könnten erst recht soziale Risiken entstehen, wenn diese Unternehmen in Schieflage geraten. Wesentlicher ist es, diese Industrien beim Changeprozess zu begleiten. 

Welche Impact-Produkte gefallen Euch derzeit am besten?

Wir denken, dass jenen Fondsgesellschaften, die ESG Kriterien in ihrer Unternehmens DNA haben und sich nicht erst seit das Thema ‚in‘ geworden ist, damit befassen, der Vorzug zu geben ist. Wir arbeiten zB seit vielen Jahren mit Global Evolution, einem Emerging Market Sovereigns Manager  und Pionier im Bereich Emerging Markets und ESG zusammen. Global Evolution hat schon vor über 10 Jahren gemeinsam mit der Weltbank ESG Kriterien entwickelt, die beim Auswahlprozess der Länder berücksichtigt werden. Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass auch im Fixed Income-Bereich ESG Kriterien relevant und Impact – Global Evolution verwalten über 10 Milliarden EUR und sind als Käufer von EM Staatanleihen kein kleiner Player – möglich ist.  Daneben gibt es natürlich auch eine Reihe attraktiver Aktienmanager, wie zB La Financière de l‘Echiquier – kurz LFDE – die für einige ihrer Fonds das staatliche französische Nachhaltigkeitssiegel haben und für die wir gerade den österreichischen Markt erschließen. Aber auch im illiquiden Bereich gibt es spannende Infrastrukturprojekte, zB im Bereich Energieefizienz oder ein gerade in Planung befindlicher AIF, der in soziale Projekte investiert und über den wir noch ausführlich berichten werden.

Ihr habt zu dem Thema auch einen Lehrauftrag an der FH St.Pölten.

Bolena: Es freut uns sehr, dass wir eine neue Generation von Menschen, die in der Finanzbranche tätig sein wird, für das Thema Impact Investing sensibilisieren können.

Lederer-Pabst: Ich finde es grundsätzlich enorm wichtig, mehr Finanzwissen zu vermitteln. Das Thema Finan­cial Literacy ist in Österreich leider viel zu schwach ausgeprägt. Dabei gibt es genügend Studien, die aussagen, dass Gesellschaften, die über ein ausgeprägtes, finanzielles Grundwissen verfügen, auch mehr Wohlstand haben, und zwar jedes einzelne Glied dieser Gesellschaft. Das Finanzwesen ist extrem wichtig und kann so viel Positives bewirken, wenn man die Gelder richtig einsetzt und in die richtige Richtung lenkt. Dazu beizutragen, ist unser großes Anliegen. 

Text: Christine Petzwinkler

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Aus dem Börse Social Magazine #32
(August 2019)





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