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VIG: Die Sache mit dem Investieren in Austro-Aktien

Elisabeth Stadler ist Coverstar dieser Ausgabe, die Themenspange passt auch perfekt zur VIG-Chefin: 10.000 Tage ATX mit hohem Bezug zu mehreren Members, dazu starke Zukunftsansagen auf der Main Stage des 4gamechangers-Festival von Puls4.   

Liebe Frau Stadler; wir treffen uns hier am 4gamechangers Festival von Puls 4, einem unserer Partner des neuen Börse Social Network Club.

Danke fürs Vorbeikommen. Ich mag mit Ihnen über das Heftthema 10.000 Tage ATX reden, aber natürlich auch - passend zum Festival - über die Zukunftsthemen der VIG. Also, 10.000 Tage ATX, die jüngsten knapp 1000 Tage sind Sie CEO der VIG, die Performance der Aktie passt. Wie geht es Ihnen mit der Börse?

Elisabeth Stadler: Sie ist für uns als börsennotiertes Unternehmen essentiell. Das für mich sehr spannende Thema Börse begleitet mich auch schon sehr lange.

… ausser Ihnen ist ja von den aktuellen ATX-CEOs nur Daniel Riedl (Buwog / Immofinanz) auch bei einem anderen ATX-Unternehmen im Vorstand gewesen. Sie waren früher bei der Uniqa im Vorstand und auch für die vormalige Bundesländer-Versicherung tätig, die mit den Aktien in den early years ein heißer Player am Wiener Markt war.

Exakt, daher verfolge ich das Thema mit großem Interesse schon sehr lange und das hat sich in meiner aktuellen Funktion noch vertieft. Mit der VIG wollen wir als stabiler und verlässlicher Partner für unsere Stakeholder wahrgenommen werden. Wir denken langfristig. Das passt zu einem Versicherungskonzern und durchaus auch zum Kapitalmarkt. Das ist aus meiner Sicht genau das, was man von einem Versicherer erwartet. Um diesem Ziel gerecht zu werden, haben wir unter anderem auch ein Managementprogramm, die „Agenda 2020“ definiert, wo wir Maßnahmen setzen, die unsere Geschäftsprozesse optimieren und uns zukunftsfit – Stichwort Digitalisierung, Versicherung der Zukunft – halten. Auf dieser Basis haben wir den Analysten und Investoren auch unseren Ausblick für 2020 präsentiert.  

Heute 4gamechangers, morgen sind Sie in London auf Roadshow. Wie viele Roadshowtermine haben Sie und Ihr Team?

Wir absolvieren so einige im Jahr. Dazu kann ich auf ein sehr qualifiziertes und  motiviertes Team vertrauen, das quartalsmäßig Calls, Zahlen und Vorhaben mit Analysten und Investoren bespricht. Wir bestreiten ein knappes Dutzend Konferenzen im Jahr, die meisten finden mit Vorstandsbeteiligung statt, ich selbst habe 2017 an vier Konferenzen mit unterschiedlichen Setups teilgenommen.

Jetzt war vor kurzem eine Konferenz in Zürs. Waren Sie persönlich dabei? 

Ich war letztes Jahr in Zürs dabei. Heuer  hat  meine Vorstandskollegin Judit Havasi die Termine dort übernommen.  Ich habe morgen in London von 8:30 bis 17 Uhr mit nur einer halben Stunde Mittagspause durchgehend Meetings. Das ist zwar anstrengend, aber wir haben eine gute Story zu erzählen. Kurz gesagt, CEE ist zurück, wir waren im Jahr 1990 unter den „first movern“ und ernten jetzt die Früchte unserer langfristig angelegten Geschäftsstrategie. Wir sind in kritischen Zeiten geblieben und haben das auch künftig vor und ich sehe weiterhin enorm viel Potential für uns. In Summe gute Parameter für eine weiterführende Erfolgsstory. 

Anfang April hat es aber gerade wieder größere Verwerfungen gegeben, dabei ging es vor allem um Trump und Russland; ein Markt, in dem die VIG ja gar nicht tätig ist.

Wir waren in Russland eine kurze Zeit tätig und haben den Markt 2012 verlassen. Ob Russland,  Amerika oder Brexit - alle diese Themen schlagen sich nicht direkt auf unser Versicherungsgeschäft nieder, da wir in keinem der Länder Versicherungsgeschäfte betreiben. Indirekt kann es uns natürlich auch betreffen, wenn sich Entwicklungen dieser Themen auf den Kapitalmarkt auswirken. 

Wären Sie Sie bereit für einen Einstieg in Russland? Wird das evaluiert?

Nein, Russland ist für uns derzeit gar kein Thema. Wir sehen in unseren Märkten, in denen wir tätig sind, noch sehr viel Potential. Das wollen wir in den nächsten Jahren nutzen. Parallel beobachten wir immer neue Optionen, aber Russland sehe ich im Moment als zu kritisch. 

Nochmal kurz zum Kapitalmarkt. Einige Unternehmen sagten zuletzt, dass MiFID gar nicht so schlimme Auswirkungen habe.

Bis dato haben wir auch noch nicht so viel gesehen, aber man kann sagen: Die Unsicherheit ist groß, egal, ob bei Konferenzen, bei Research. Es wird noch einige Zeit dauern, bis man die Konsequenzen wirklich abschätzen kann.

Die Wiener Städtische war ja in den 80ern und 90ern einer der größten Investoren in österreichischen Aktien. Jetzt ist das nur noch ein untergeordnetes Thema …

.. aber es ist nach wie vor ein Thema. Einzig die Regulatorik - Solvency II verlangt viel Eigenkapitalunterlegung für Aktien – das ist der Hintergrund.

Also ein Comeback als größerer Österreich-Investor bei Erleichterung der Rahmenbedingungen?

Natürlich, wir sehen ja Potenzial in österreichischen Aktien und würden gerne wieder als größerer Investor auftreten.

Na dann hoffen wir das Beste im Sinne des Marktes, ich komme nun zu den gamechangers-Themen, hänge das an der Agenda 2020. Die VIG kommunizierte die Agenda in 2017, jetzt sind wir in der Zeitschiene ca. bei der Hälfte. Wie läuft es? 

Ja, 2017 sind wir mit der Agenda 2020 gestartet, Ende 2018 kann man in etwa von Halbzeit sprechen. Zwei große Teilbereiche sind hier zu nennen. In einem Teil geht es wie bereits vorher erwähnt um die Absicherung des bestehenden Geschäftes, Optimierung von Prozessen, Ertragssteigerung in der Kfz-Versicherung, Nutzung gemeinsamer Back Office Einheiten, Zusammenlegung von Geschäftseinheiten und Gesellschaften. Im zweiten Teil beschäftigen wir uns mit der Absicherung unserer Zukunftsfähigkeit. Darunter verstehen wir Maßnahmen zur Digitalisierung und den Ausbau von Assistanceleistungen, Robotertechnologie mittels künstlicher Intelligenz und die Nutzung von advanced Analytics, Internet der Dinge und daraus resultierende veränderte Absicherungsbedürfnisse. Aber auch die Intensivierung von Geschäftsfeldern wie die Krankenversicherung, KMU-Ideen, um neues Geschäft zu gewinnen. 

Gibt es bereits konkrete Maßnahmen aus den genannten Bereichen?

Ja eine ganze Menge. Wir konnten unsere Pläne für 2019 auf 2018 vorziehen, weil das Jahr 2017 so gut gelaufen ist. Wir sehen bereits erste Fortschritte bei der Schadensoptimierung, wo wir zum Beispiel ein Einsparpotential bei den sehr kostenintensiven Kfz-Auslandsschäden von rund 10 Mio. Euro pro Jahr identifizieren konnten. 2017 haben unsere Konzerngesellschaften im Bereich der Assistance über 200.000 Fälle abgewickelt. Die Erweiterung der Costumer Journey ist für uns sehr wichtig, sprich nicht nur Versicherungsleistung gegen Prämie anzubieten, sondern mit Assistance auch zusätzlichen Service. 

Ein Vergleich mit etwa der Uniqa ist das eine, aber es gibt ja auch Dinge, die von außen kommen können. Disruptives von Insurtechs oder auch von Apple ...

Wir schauen uns das sehr intensiv an, sind mit Startups und Insurtechs in Kontakt. Ich glaube, für das Grundprinzip des Versicherungsgeschäfts selbst, also der Risikoberechnung und –übernahme hat das weniger Bedeutung. Die Übernahme von Risiko ist schon eine andere Liga, so schnell will man nicht Risikoträger sein. Aber zwischen Kunde und Versicherer, Angebot und Servicierung, da hat sich schon einiges getan und wird sich weiter einiges tun. 

Sie haben unlängst VIG Xelerate gelauncht, klingt dem WeXelerate-Startup-Hub im Turm vis a vis auf der anderen Seite des Donaukanals sehr ähnlich. Gab es Feedback von drüben?

Keinerlei Feedback, VIG steckt in unserem Namen drinnen. Bei VIG Xelerate geht es um eine Ausschreibung innerhalb unserer Gruppe, wo wir als VIG Digitalisierungsprojekte, die von Konzerngesellschaften eingereicht werden können, bewerten und finanziell unterstützen. Die Konzerngesellschaften haben den Freiraum und die Eigenständigkeit, Digitalisierungsprojekte zu starten und Ideen Realität werden zu lassen. Da setzen wir auch auf unsere CEE-Stärke, es gibt dort eine hohe Affinität für diese Themen. Wir schauen nach Best Practice Beispielen; Dinge, die wir auch von einem Land in andere Länder tragen können. 

Derzeit also intern, aber ist es denkbar, dass ein Manager beispielsweise aus Polen mit dem Konzern gemeinsam ein Startup macht?

Das könnte ich mir schon vorstellen, wir haben auch Kooperationen speziell in Polen mit Startups. Polen ist unser digitaler Hub, wir haben dort das Projekt Genesis, da geht es um alle möglichen modernen Technologien, Advanced Analytics, Robotertechnologie, Blockchain, AI und so weiter. Das funktioniert sehr gut, natürlich geben wir auch die Freiheiten, um Neues zu generieren. Die Polen arbeiten übrigens gern mit Start­ups in Österreich und Deutschland zusammen, da schließt sich der Kreis wieder. Wir haben auch eine Partnerschaft mit dem Insurance Innovation Lab Leipzig. Da können wir know how gemeinsam nutzen und haben Zugang zu einem umfangreichen Netzwerk an Startups. 

Also: Beteiligt sich die VIG auch mal an einem Startup?

Bis dato nicht, aber wir sehen uns laufend auch im Rahmen unserer Partnerschaft mit dem Lab in Leipzig Startups an. 

Wie ist 2018 angelaufen?

Wir haben das erste Quartal hinter uns und die Entwicklungen laufen entsprechend der bereits zum Jahresende präsentierten Trends und unseren Erwartungen sehr gut. Es gibt vielversprechende Länder, wie Tschechien oder Polen, wo die Prämien- und Ertragsentwicklung sehr positiv verläuft. Wir sind zuversichtlich den Erfolgskurs der letzten zwei Jahre weiter verfolgen zu können. 

Was sind die Milestones der VIG für 2018?

Die 2017 beschlossenen Fusionen unserer Bankversicherungsgesellschaften mit den lokalen Kompositgesellschaften werden heuer Schritt für Schritt vollzogen. In der Slowakei, Ungarn und in Kroatien sind wir nahezu fertig, dort sind die Fusionen bereits wirksam. In Österreich wollen wir im 3. Quartal finalisieren, in Tschechien gegen Jahresende.  Das sind große Herausforderungen, intern, aber auch mit den Aufsichten.

Der Bankenvertrieb steht hoch auf der Agenda. 

Wir haben eine wirklich sehr gute Bankenkooperation mit der Erste Group in zehn Ländern. Das bringt gute Ergebnisse für beide Seiten. Forcieren wollen wir die Sachversicherung und auch die Krankenversicherung, traditionell werden ja Leben und Unfall über die Banken vertrieben. Wir schaffen einfache Produkte, schulen die Bankmitarbeiter. Wir wollen auch den George-Weg digital mitgehen, das sind Aktivitäten, die wir derzeit mit der Bank ausarbeiten.  

2004/2005 ist die Städtische an der Börse neu erfunden worden, davor war man börsemäßig  von der Größe her nicht wirklich entsprechend unterwegs. Die Umstellung lief damals vorbildlich. Wann kommt die nächste größere Börsentransaktion? Etwa eine Kapitalerhöhung? 

Als VIG sind wir derzeit mit einer Solvenzquote von 220%, durchgerechnet auf den börsennotierten Konzern, hervorragend kapitalisiert. Im Moment ist das daher kein Thema. 


Text: Christian Drastil   Fotos: Michaela Mejta

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(April 2018)





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