Ich stimme der Verwendung von Cookies zu. Auch wenn ich diese Website weiter nutze, gilt dies als Zustimmung.

Bitte lesen und akzeptieren Sie die Datenschutzinformation und Cookie-Informationen, damit Sie unser Angebot weiter nutzen können. Natürlich können Sie diese Einwilligung jederzeit widerrufen.






Interview mit Andreas Gerstenmayer, CEO der AT&S AG (Transkript boersenradio)

 

boersenradio.at: Wir treffen uns telefonisch und akustisch in Indien. Also wundern Sie sich nicht, wenn vielleicht die Leitung mal kurz ein bisschen schwächer wird, da sind Sie gerade in einem Ihrer Werke. Zu besprechen gibt’s die Q3-Zahlen. Ende des Q3 – bei Ihnen ist ja das 31 Dezember 2017, der erste Blick in Ihre Umsatz- und Gewinntabelle – entspricht dem Kursverlauf Ihrer Aktie der letzten drei Monate: Umsatz plus 25 Prozent. Konzernergebnis von minus 20 Millionen Euro auf fast 50 Millionen Euro, in den Vergleichsmonaten und das ganze großzügig gerundet. Da ist noch `ne andere Zahl gewinnt die Aktie von minus fünfzig Cent auf plus einen Euro zwanzig – und Cash sprudelt. Endlich am Ziel angekommen mit Ihrem Technik-Update in den Werken in China?

Gerstenmayer: Ja, ich denke wir sehen jetzt zum ersten Mal nach drei Quartalen wirklich auch die Erfolge, die wir uns hart erarbeitet haben. Wir haben in Chongqing etwas länger gebraucht, das haben wir auch im letzten Geschäftsjahr offen kommuniziert. Aber dennoch, denke ich, können wir zeigen, dass diese Entscheidung für die großen Investitionen eine richtige war und dass der Beitrag zur Unternehmenswertsteigerung jetzt auch zutage tritt.

Was haben Sie für eine Auslastung in Ihren Werken?

Wir sind generell in allen Werken nach wie vor sehr gut ausgelastet. Ohne diese hohe Auslastung wäre auch ein derart positives Ergebnis kaum zu schaffen. Man muss ja immer berücksichtigen, dass in unserer Industrie einerseits der Investitionsbedarf und natürlich dann in Folge der Abschreibungshöhen einen doch nennenswerten Beitrag zur Kostenstruktur bilden, und damit eine hohe Auslastung dann einfach vorgebeben sein muss um auch rentabel mit guter Marge produzieren zu können.

Nach einer neuen Technik-Einführung ist ja irgendwie wie vor dem nächsten Update. Wie lange können Sie so `ne Investition nutzen?

Naja, wie es auch in der Vergangenheit war. Wir haben von 15 Jahren begonnen zum Beispiel die HDI-Technologie einzuführen. Ich würde die Einführung der ??Technologie Min 2:16 ungefähr auf das gleiche Niveau setzen, das heißt wir sehen 15 Jahre, in denen wir natürlich immer wieder Technologie-Updates gemacht haben aber auch diese Technologie in anderen Marktsegmenten, wie zum Beispiel in Automotive oder in industriellen Anwendungen untergebracht haben. Es ist ganz klar, wir haben das Ziel auch das bei amsup Min 2:36 zu tun und parallel natürlich die Technologie kontinuierlich weiter zu entwickeln, um technologisch immer ganz vorne zu sein.

Was müssen Sie da immer so investieren? Cash-Flow halten für neue Investitionen?

Naja, das ist aus heutiger Sicht noch etwas schwer zu sagen. Sie sehen ja, wir haben doch nennenswert in zwei Werke in China investiert, wobei man hier sehr deutlich auseinanderhalten muss: Das eine Werk, das erste Chongqing 1 ist ja auch der Einstieg unsererseits in ein komplett neues Geschäft gewesen, in das Geschäft mit den IC Substraten. Das Werk 2 ist quasi die Weiterentwicklung der HDI-Technologie hin zu IMS Min 3:18 einfach gewesen. Wenn man sich diese beiden Investitionsprojekte ansieht, kann man sehen, dass wir in das Emsap-Werk Min 3:37 zirka 230 Millionen bisher investiert haben; Größenordnung 30 Prozent davon geht immer in Gebäude und Infrastruktur und der Rest ist Produktionsequipment. Und in beiden Werken in Chongqing haben wir noch die Möglichkeit eine zweite Ausbaustufe zu investieren, das heißt Infrastruktur und Gebäude würden dann in dem Umfang nicht mehr anfallen.

Wo könnten Sie noch effizienter werden bei den jetzigen Werken?

Effizienter werden kann man immer. Gerade wenn man mit einer neuen Technologie begonnen hat, sind natürlich die Potenziale viel größer, kann man die Qualität verbessern, den Yield beim Output deutlich verbessern, man kann auch kontinuierlich die Durchlaufzeiten optimieren, bei den Materialkosten - die ja einen wesentlichen Teil unserer Kostenstruktur ausmachen - optimieren. Also es gibt vielfältige Variationsmöglichkeiten, um hier auf einer neuen Plattform sozusagen aufzusetzen und Optimierungsschritte durchzuführen.

Diese Leiterplatten, die Sie produzieren, die sind ja nicht nur in Smartphones, sondern ja letztendlich in vielen mobilen Endgeräten: Navigationssysteme, Automotive kann es eingesetzt werden, Medizintechnik, im Herzschrittmacher, also IC Substrate, das klingt etwas komplizierter, was ist das eigentlich? Das werden jetzt nicht alle kennen. Hätten Sie ein paar Beispiele, was Sie da produzieren und was der Kunde damit macht?

Ja IC Substrate wie gesagt, ist es ein neuer Markt für uns und neue Technologie. Der Markt ist im Wesentlichen die Halbleiterindustrie, nicht mehr so sehr die OEMs, die Geräte oder Baugruppen herstellen und im Halbleiterbereich ist unser Spezialgebiet das Geschäft mit den Mikroprozessoren. Also CPUs aber auch Grafikprozessoren, GPOs Min 5:08. Alles das, was letztendlich das Gehirn von Computern aber auch künftig von selbstfahrenden Autos darstellen wird.

Die Uhrzeit an der Wiener Börse und der Frankfurter Börse ist jetzt 10 Uhr 41. Wie spät ist es jetzt bei Ihnen in Indien?

Bei uns ist es jetzt 15 Uhr 15.

Okay, also schon am mittleren Nachmittag. Was haben Sie denn dort für ein Werk und was produzieren Sie dort?

Unser indisches Werk konzentriert sich im Wesentlichen auf den Markt für Automobilelektronik und für Industrieelektronik. Wir haben in diesem Werk schwerpunktmäßig mittlere Serien, mittelgroße Serien und dementsprechend durchaus auch einen - im Vergleich zu China - erhöhten Produkt-Mix und die Anwendungen sind vielfältig. Was wir derzeit gerade tun ist auch hier ein Technologie-Upgrade zu etablieren, das ist mit ein Grund, warum ich hier bin. Weil wir auch hier zunehmend für Hochfrequenz-Anwendungen - die dann für Sensoren im Automobil eingesetzt werden - die notwendigen Ressourcen und Technologien etablieren.

Warum haben Sie eigentlich ein Werk in Indien? Was waren die Entscheidungskriterien, dort ein Werk zu bauen damals? Ich würde sowas eher bisschen weiter Richtung Asien vermuten.

Naja, wir haben das indische Werk damals nicht gebaut, sonders es war eine Akquisition von der indischen Aliminium-Firma Indal. Wir haben das Werk 1999 erworben, wenn Sie diese fast 20 Jahre zurückgehen, waren technologisch und wirtschaftlich zum damaligen Zeitpunkt Indien und China quasi gleich auf. An dem kann man alleine erkennen, was in den letzten 20 Jahren in China passiert ist … inzwischen je nachdem, die zweit- oder drittgrößte Holzwirtschaft der Welt, Indien irgendwo auf fünf bis sechs. Es war zum damaligen Zeitpunkt einfach auch nicht klar, wer das Rennen machen wird. Ist Indien oder ist China schneller in der Öffnung und Entwicklung von entsprechenden Produktionsstätten und einer entsprechenden Wirtschaftsstruktur. Heute ist das Thema entschieden. Ganz klar China ist der Gewinner. Aber interessanterweise - und ich war die letzten Tage auch in Delhi und in Bangalore – habe dort auch mit einigen Industrie- und Wirtschaftsvertretern gesprochen und man sieht, seit die Reformen und Programme der Regierung Modi Platz greifen, dass doch sehr viel an Entwicklung in Bewegung ist und die Erwartung ist, dass schon auch in Indien jetzt nennenswerte technologische und wirtschaftliche Entwicklungen stattfinden werden. Und nicht zuletzt: Gerade diese Woche kamen ja die Wirtschaftszahlen heraus und da konnte Indien ja auch wieder mit sieben Prozent Wachstum, China ein Stück überflügeln und das zeigt auch dass Indien auch einen Aufholpfad eingeschwenkt ist.

Schauen wir noch ein bisschen in die Zahlen: Cash, Schulden, Hybrid-Anleihe. Wie sehr haben Sie jetzt die Schulden senken können und warum haben Sie das Modell einer Hybrid-Anleihe entschieden? Also 175 Millionen Euro eingesammelt?

Ja, wenn man sich die Zeiträume anschaut, vom 31. März 2017 ist im Vergleich zum 31. Dezember sehen wir, dass wir unsere Verschuldung um 43 Prozent senken konnten von 380 Millionen auf 217 Millionen net VAT. Warum haben wir das mit dem Hybrid-Bond gemacht? Erstens sind wir immer dabei unser Finanzierungsportfolio zu verbreitern. Wir haben in der Vergangenheit Retail-Anleihen gegeben, wir haben in der Vergangenheit Schuldschein-Darlehen aufgenommen, wir haben 2013 eine Kapitalerhöhung gemacht und wir waren der Meinung, zum jetzigen Zeitpunkt aus zweierlei Gründen wäre ein Hybrid eine gute Wahl. Zum einen wollten wir den Markt für Hybride betreten, das heißt, auch in Zukunft wird der Hybrid für uns eine Alternative sein. Was das Thema der Finanzierungskosten betrifft sind wir auch aufgrund des Zinsumfeldes derzeit in einem durchaus attraktiven Umfeld. Sie wissen ja, der Coupon ist mit sehr attraktiven Werten dann auch zustande gekommen.

Also 4,75, um das an dieser Stelle nochmal zu erwähnen.

Genau, 4,75 und die 175 Millionen. Ich denke, das waren für eine erstmalige Transaktion, für ein Erst-Placement sehr respektable Zahlen. Und es gibt uns einfach Flexibilität am Kapitalmarkt uns aus verschiedenen Instrumenten zu bedienen und uns weiter zu finanzieren.

Vielleicht für die Nicht-Ganz-Kapitalmarkt-Geübten: Wie funktioniert Ihre Hybrid-Anleihe, wie ist da das Modell?

Naja, der Hybrid ist natürlich ein tief nachrangiges Instrument Min 10:01, was die Gläubigerstrukturen betrifft, deswegen und letztendlich auch nicht kündbar. Vordergründig natürlich gibt es dann Regularien, daneben, dass zum Beispiel nach fünf Jahren es einen nennenswerten Step-Up im Coupon geben kann und das natürlich würde uns wiederum motivieren dann den Hybrid nach zirka fünf Jahren zu refinanzieren, weil das Step-Up fünf Prozent betragen würde. Aufgrund der tiefen Nachrangigkeit wird es eben aufgrund der IFS- Min 10:31 Regeln als Eigenkapital gewertet.

Also auch sehr vorteilhaft für die Bilanz. Sie hatten jetzt im ATX Prime eine Out-Performance Ihrer Aktie von über 115 Prozent 2017. Vermutlich wird jetzt alles, was zukunftsgerichtete Aussagen sind von Ihren Aktionären ziemlich genau hingehört. Ist das Q3 das stärkste Jahr in Ihrem Jahresverlauf? Und wie 2017/18 abschießen?

Es kommt jetzt darauf an, auf welche Zahl Sie schauen. Sie sehen ja beim Umsatz sind ja Q3 und Q2 auf gleicher Höhe. Dort sieht man mehrere Dinge: Zum Einen waren wir im Herbst, wie gesagt, extrem gut ausgelastet, ist ja auch immer die High-Season in unserer Industrie. Das Q3 im Q3 ??? Min 11:16. Von der Profitabilität sind wir auf einem sehr hohen Niveau. Ich denke, da haben viele Dinge zusammengespielt, neben der Auslastung auch ein sehr guter Produktmix, der es uns eben ermöglicht ein Optimum an Nutzen unseres Equipments zu erreichen. Eines ist klar, und das haben mir auch gestern Analysten und Investoren-Calls so schon bereits kommuniziert und auch in den Presseaussendungen dokumentiert. Wir müssen rechnen, dass wie jedes Jahr im Q4 und dann im kommenden Q1 eine Saisonalität gibt, das ist traditionell gerade im Kommunikationsbereich ein Delow-Season Min 11:58, bevor dann die neuen Produkte wieder zu uns in die Produktion kommen, da sind die Volumina niedriger und wir haben in China in den beiden großen Werken auch das Thema des Chinese New Year, wo die Werke eine Woche geschlossen sind. Sie haben ein Wrap-Down, ein Wrap-Up hinterher. Also muss man schon davon ausgehen, von der Größenordnung, dass man zwei Wochen nicht wirklich voll produzieren kann. Es ist der Zyklus, den wir jedes Jahr berücksichtigen müssen und logischerweise aus dem abgeleitet sind traditionell die Quartale zwei und drei die stärksten in unserem Geschäft.

Schöne Begriffe: Low-Season, Ramp -Up und Wramp-Down Min 12:34, klar, was Sie damit meinen. Gehen wir doch mal einen Schritt weiter: Wie geht’s denn weiter mit Ihren Jahresplänen, die nächsten Schritte. Wie weit planen Sie schon in die nächsten Jahre hinein?

Ja wird sind jetzt momentan gerade wieder mal in unserer Budgetierungs-Phase und darum tue ich mich ein bisschen schwer bereits jetzt den Outlook und die Prognose abzugeben. Was man kommunizieren kann ist, dass wir intensiv dabei sind zu untersuchen, wann ein Ausbau in den beiden Werken in Chongqing sinnvoll und geeignet ist und für das Werk Chongqing 1 können wir sagen, dass wir einiges an Technologieentwicklungs-Projekten gestartet haben. Wann dann wirklich ein Investment getätigt wird, müssen wir noch sehen, das ist zum derzeitigen Zeitpunkt nicht vollständig absehbar. Wohingegen wir für das Werk Chongqing 2 bei der Technologie schon ein bisschen klarer sehen. Auch dort laufen Entwicklungsprojekte, die aber weiter fortgeschritten sind und wir gehen davon aus vermutlich, das wir in den nächsten zwei, drei Monaten vermutlich Entscheidungen treffen wie und ob es mit möglichen Kapazitäten und Technologieerweiterungen vorangeht.

Ja, Herr Gerstenmayer, vielen Dank, schöne Grüße nach Indien. Das würde ich mir gerne mal anschauen, also, wenn Sie irgendwann man ´ne Pressereise planen nach China oder Indien, ich meld‘ mich schon mal an.

 (lacht) Ich meld‘ mich, mich, alles klar, super.

Vielen Dank für Ihre Zeit und weiterhin viel Erfolg. Danke.

Danke für das Gespräch. Schönen Tag.

Hinweis: Audio unter http://www.wienerborse.at (barrierefrei, Österreich) bzw. http://www.boersenradio.at (Login, Komplett-Feed).


Random Partner

BayWa
Das Geschäftsmodell der BayWa verbindet Handel, Vertrieb, Logistik und Service in den drei Hauptgeschäftsfeldern Agrar, Energie und Bau. Hauptsitz der 1923 gegründeten Muttergesellschaft BayWa AG ist München. Einschließlich Franchise- und Partnerfirmen verfügt der Konzern über knapp 3.000 Vertriebsstandorte in 40 Ländern.


>> Besuchen Sie 62 weitere Partner auf boerse-social.com/partner







Beitrag von boersenradio.at



Prime Content Magazine

1 Jahr, 12 Augaben, 77 Euro.
Ca. 100 Seiten im Monat, ca. 1200 Seiten Print A4 gesamt. Das Abo endet nach Ablauf automatisch.
by the way: Die Heftrücken aneinandergereiht werden im Bücherregal den ATX-Chart ergeben, der rote Balken ist stets der Stand vom Monatsultimo.
>> Abo bestellen