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Interview: "More than AT&S", Herr Gerstenmayer?

Seit AT&S mitteilte, dass es viel besser als erwartet läuft und die Effizienzmaßnahmen greifen, kennt die Aktie nur eine Richtung. CEO Andreas Gerstenmayer zeigt im Interview das weitere Potenzial auf und spricht über die Aktie, Politik, Strategie ... 

Ich möchte gleich mit der Aktie beginnen. Die ist seit der Erhöhung ihres Ausblicks unglaublich gestiegen. Ist die Kapitalisierung ihrer Meinung nach schon dort, wo sie sein soll? 

Andreas Gerstenmayer: Ja, die Aktie hat einen deutlichen Sprung nach oben gemacht und in Wien für Bewegung gesorgt. Grundsätzlich sollte eine Technologie-Aktie, wie es die AT&S-Aktie ist, über dem Buchwert notieren. Ich bin aber kein Freund von Übertreibungen - eine nachhaltig konstante Entwicklung der Aktie entspricht mehr meinen Vorstellungen.

Ein Platz im ATX ist sich aufgrund der Bawag, die ja kürzlich an die Börse gegangen und schnell in den Index aufgenommen wurde, knapp nicht ausgegangen. Enttäuscht? 

Wir waren ja im vergangenen Jahr kurz im ATX und es erhöht natürlich die Visibilität, ändert aber grundsätzlich nicht viel in der Kommunikation mit den Investoren.  Aber natürlich: Bei einer höheren Marktkapitalisierung ist ein Platz im ATX durchaus wieder plausibel.

Ihr Aktionariat ist international breit gestreut. Sehen Sie die Wiener Börse langfristig als Ihre Heimatbörse?

Wir waren ja in Frankfurt an der Börse. Mit dem Zusammenbruch des TecDax haben wir uns für die Wiener Börse entschieden. Natürlich überlegt man in Hinblick auf die Bewertung, ob es Sinn machen würde, an bzw. auch an einer anderen Börse zu notieren, vor allem dort, wo auch die Peers notieren. Das wäre in unserem Fall Asien, das ist irgendwann vielleicht ein Thema, aber derzeit nicht.  

Sie haben zuletzt 0,10 Euro Dividende gezahlt. Dürfen die Aktionäre, nach ihrer positiven Gewinnwarnung, für das laufende Geschäftsjahr mehr erwarten? 

Unser Ziel ist es, langfristig profitabel zu wachsen und Shareholder Value zu schaffen. Wir haben für das abgelaufene Jahr, wo wir einen Verlust auswiesen, eine Dividende ausgeschüttet und wurden von vielen Seiten gefragt, warum wir das überhaupt machen. Es ist uns aber wichtig, speziell den vielen Privatanlegern eine Kontinuität und Verlässlichkeit zu signalisieren. Und wir wollen diesen Weg beibehalten. Bitte um Verständnis, dass es bezüglich Dividende für das Geschäftsjahr 2017/18 noch keine Aussage geben kann. 

Durch die hohen Investitionen und daraus entstehende Abschreibungen wird das Ergebnis aber wohl weiter belastet sein.

Hohe Abschreibungen sind typisch für unsere investitionsintensive Industrie – sozusagen „business as usual“. Unser Wettbewerbsumfeld ist extrem kompetitiv, daher müssen wir weiter investieren, um uns als führender High End-Verbindungslösungen-Anbieter mit höchster Qualität für die technologischen Zukunftsthemen zu positionieren.

Mit Hannes Androsch haben Sie einen sehr gut vernetzten Aktionär. Wie hilfreich sind seine Kontakte für die Company? 

Ein Aktionär wie Hannes Androsch ist natürlich ein großer Vorteil. Er ist lange an Bord, kennt das Geschäft, ist ein stabiler Aktionär und Partner und an dem nachhaltigen Wachstum des Unternehmens beteiligt und interessiert. 

In welchem Szenario würde Herr Androsch seine Anteile abgeben?

Das ist eine Frage, die Sie am besten ihn persönlich fragen. 

Sie haben mehr als eine halbe Milliarde Euro in China investiert und haben das Werk in Chongqing auf die grüne Wiese gestellt, mit all den Anlaufschwierigkeiten, Lernprozessen, Zusatzkosten etc.  Wäre eine Akquisition eines bestehenden Werkes nicht einfacher gewesen?

Wir evaluieren Investitionen immer sehr genau. Im Falle der jüngsten Investition des Werkes für IC Substrate haben wir uns das ebenfalls angesehen und uns für ein neu gebautes Werk entschieden. Da gibt es eine Menge Faktoren, die man berücksichtigen muss. Zunächst ist zu bedenken: Wenn man ein Unternehmen kauft, kauft man Goodwill, kauft man eine andere Firmen-Kultur,  muss in vielen Fällen noch massiv investieren, um die Technologie dort hinzubekommen, wo man sie haben will.  Wir haben in Chongqing mehr als eine halbe Milliarde  Euro investiert, haben jetzt aber ein Werk, das auf dem neuesten technologischen Stand ist und Mitarbeiter, die unsere Kultur leben. Und sind noch dazu das einzige Werk für High-End IC Substrate in ganz China.

Stichwort IC Substrate: Wie kann man Anlegern kurz das Potenzial dieser neuen Verbindungslösung erklären?

Früher wurden die Kontakte der Chips mittels feiner Drähte über ein gestanztes Blech mit den Leiterbahnen verbunden. Bei modernen Prozessoren übernimmt diese Aufgabe ein IC-Substrat, eine kleine, vielschichtige Spezial-Leiterplatte, die aus verschiedenen Materialien besteht, welche die Anschlüsse auf kleinstem Raum verbindet. Konkret sind es zwei mal zwei Zentimeter große Verbindungsebenen , also viel kleiner aber auch leistungsfähiger als die ursprünglichen Leiterplatten. All die Trends in Richtung Digitalisierung, Miniaturisierung, Modularisierung, Internet der Dinge, intelligente Fahrzeuge oder selbstfahrende Autos sind  Einsatzgebiete für Mikroprozessoren, die  IC Substrate benötigen. Wir haben also die ergänzenden Produkte für all diese High-End-Technologien. Und da ist noch viel an Potenzial vorhanden. 

Und nocheinmal zu den IC Substraten: Im Jahresfinanzbericht des abgelaufenen Geschäftsjahres ist zu lesen, dass das gesamte Geschäft im Segment IC Substrate auf einen Kunden konzentriert ist. Hat sich daran  etwas geändert?

Wie ursprünglich geplant, beliefern wir mit den zwei bestehenden Produktionslinien einen führenden Halbleiterhersteller. Sollten wir mit der gleichen Technologie das Werk erweitern, dann könnten wir auch andere Kunden adressieren. In diesem Geschäftsjahr steht eine Erweiterung dieses Werks aber nicht am Plan.

Bei ihrer Strategie „More than AT&S“ geht es mitunter darum, sich breiter in der Wertschöpfungskette aufzustellen. Sind in diesem Zusammenhang M&A-Transaktionen ein Thema? 

Es gibt bei vielen neuen Technologie-Entwicklungen immer wieder einen Punkt, an dem man entscheiden muss, es selber zu machen oder mit einem Partner. 

Laut jüngsten Aussendungen geht es nun in Chongqing besser voran, als zunächst geglaubt. Was sind die nächsten Schritte bei den einzelnen Standorten? 

Die Entwicklung in unserem IC-Substratewerk basiert darauf, dass wir unsere Hausaufgaben gemacht haben und die Lernkurve nun positiv umsetzen konnten. Die Preissituation für IC-Substrate hat sich leider noch nicht verbessert. An unseren anderen Standorten arbeiten wir kontinuierlich an Upgrades, wie zuletzt in Shanghai die teilweise Umrüstung auf die nächste Technologiegeneration. Auch in unserem Werk in Indien steht ein Upgrade am Plan, wo sich dank Premier Modis Initiative „Made in India“ endlich einiges bewegt. 

Welche neuen Technologien stehen am Speiseplan?

Wir sind – wie Sie schon erwähnten – dabei, AT&S neu und umfassender in der Wertschöpfungskette zu positionieren. Da geht es nicht nur darum, weitere Technologien hinzuzufügen, sondern, wir wollen bestehende und neue Technologien intelligent verknüpfen und unseren Kunden neue und integrierte Lösungen und nicht Einzeltechnologien bieten. Das ist für unseren langfristigen Erfolg entscheidend. Und wenn wir uns anschauen, welche Anwendungen in Zukunft unser Geschäft treiben werden, dann ist klar, dass es nicht „one big thing“ – wie es das Smartphone in den letzten Jahren war – sein wird, sondern „viele Dinge“ wie Data Analytics oder Artificial Intelligence.  Das heißt, es geht darum, nicht mehr vom Gleichen zu machen. 

In Österreich gibt es mit ams einen Anbieter im Halbleitersegment. Sie betonen auch oft, dass Ihre Produkte in der Halbleiterindustrie ergänzend sind. AT&S und ams werden auch gerne in einem Atemzug als Profiteure der Apple-Produkte genannt. Gibt es eigentlich Anknüpfungspunkte zwischen ams und AT&S? Konkret: Besteht eine Geschäftsbeziehung? 

AT&S und ams haben ja einen ähnlichen historischen Background. So gesehen gibt es Anknüpfungspunkte. Und ja, die technologischen Lösungen ergänzen sich und wir  stehen fallweise in geschäftlichen Beziehungen zueinander. 

Nun zu einem anderen Thema:  Welche politischen Veränderungen der künftigen neuen Regierung wären für Sie, als globales Unternehmen aber auch als börsenotierte Firma,  sinnvoll?

Da gibt es für die kommende neue Regierung eine Menge
zu tun, um den Reformstau aufzulösen. Die Wettbewerbsbedingungen für österreichische Unternehmen – Stichwort Lohnnebenkosten, Arbeitszeitflexibilität – müssen klar
verbessert werden und auch die Börseregularien sollten
vereinfacht werden – ein 1. Schritt ist ja schon mit dem
Wegfall der doppelten Administration (Anm: österr.
Emittenten Compliance Verordnung und europäische Marktmißbrauchsverordnung) für Kapitalmarkt
Compliance gesetzt worden. 

Sie planen derzeit die Emission einer Anleihe. Mit dem Kapital soll das strategische Investitionsprogramm unterstützt werden, heißt es.  Laut ihrem Q1-Bericht ist das für 2017/2018 geplante Investitionsvolumen von rund 160 bis 200 Mio. Euro gesichert. Eine Emission im hohen zweistelligen Bereich klingt nach weiterem großen Investitionsprogramm. Was genau soll passieren?

Das für 2017/18 geplante Investitionsprogramm können wir mit den bestehenden Finanzmitteln bestreiten. Aber wir möchten eine solide Bilanz mit einer entsprechenden Eigenkapitalquote von über 35 Prozent vorweisen und auch in Zukunft weiter wachsen. Die Überlegung einer Hybridanleihe hat den Charme, dass  wir beide Themen damit abdecken können, da IFRS es als Eigenkapital ausweist. 

Abschließend noch: Wo sehen Sie AT&S in fünf Jahren?

Wenn unsere Strategie und unsere Pläne aufgehen, dann sind wir nach wie vor ein führender Player an der Technologiespitze, einer der profitabelsten, mit einer breiteren Wertschöpfung und mit zusätzlichen Kunden und Anwendungen, die wir beliefern können. Und das Ganze vor dem Hintergrund eines deutlich konzentrierteren Wettbewerbsumfeldes/Wertschöpfungskette.  

Text: Christine Petzwinkler   Fotos: Josef Chladek 

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(Oktober 2017)





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