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ATX-Gründer Andreas Grünbichler besucht: Über die Hilfe der Österreichischen Lotterien, Basic und Spreadsheets

Eigentlich sollte es nur eine Übergabe für die Galerie werden. Der „Hall of Fame“-Einzug ( http://www.boerse-social.com/hall-of-fame  von Andreas Grünbichler brachte dann Facetten und G‘schichtln, die wir nicht vorenthalten wollen. „Bleibt auf einen Champagner auf den ATX“. 

Oh, das hatten wir noch nie, eine Hall of Fame-Urkunde für eine Person, die gleich von drei Personen entgegengenommen wird ... 

Andreas Grünbichler: Ja, es war mit ein Anliegen, dass Prof. Stefan Pichler, Vizerektor WU Wien und Prof. für Bankwesen sowie Prof. Wolfgang Aussenegg, TU Wien, Empirische Kapitalmarktforschung, das gemeinsam mit mir übernehmen. Die beiden waren Assistentenkollegen von mir in Graz und haben mit mir in der ATX Working Group gearbeitet. 

Wenn ich mich richtig erinnere, waren Sie damals nicht bei der Börsekammer oder der ÖTOB, sondern ein „Externer“. Wer hat Sie dazu bewegt, die ATX Working Group anzuführen? 

Der Auftrag kam von der ÖTOB, Vorgespräche gab es in Alpbach beim Bankenseminar, welches ich einige Jahre geleitet habe. Vor allem Johannes Attems (Anm.: OeKB) war an einer Professionalisierung der Governance sehr gelegen, aus der OeKB brachte auch Georg Zinner wichtige Inputs.

Eines der ersten Dinge, die mich Christoph Boschan nach seinem Amtsantritt 2016 gefragt hat, war, warum damals kein Performanceindex gemacht wurde. Warum eigentlich? 

Die Handelbarkeit ist bei einem Performance Index viel schwerer. Werte mit hohen Dividenden gewinnen an Gewicht, daher macht zB die Deutsche Börse eine zusätzliche DAX-Anspassung im Jahr, international sind Performance-Indices für Handelszwecke unüblich, anders sieht es für Performancevergleiche aus.

Bleiben wir noch kurz bei Dividenden. In Deutschland sind Dividendenstripping und Cum/Ex große Themen, wann ist das erstmals visibel geworden, dass es da um eine große Sache geht?

Bereits 1994 im Paper „The Review of Futures Markets“ habe ich - damals mit dem Kollegen Tyrone W. Callahan - im Kapitel „Stock Index Futures Arbitrage in Germany“ darauf hingeweisen, das Ausmaß späterer Jahre war damals noch nicht abschätzbar. 

Zurück zum ATX: Meines Wissens war neben der fließenden Berechnung die hohe Gewichtung der Liquidität einer Aktie das damals Neue für Österreich. Worauf musste man da in einem engen Markt aufpassen?  

Es gab eine große Anzahl wenig liquider Aktien, was zur Reduktion der Aktualität eines Index, Schwierigkeiten beim Hedging und auch Problemen bei der wichtigen Arbitrage zwischen Kassa- und Terminmarkt führte. Damals gab es den GZ-Index der Giro, der alle Aktien umfasste und den WBK-Index bzw. den CA Index, die ein Sample brachten. Bei der Gewichtung wurde entweder gleichmäßig oder nach dem Grundkapital vorgegangen. Für uns war der Streubesitz sehr wichtig, weil dieser eine wichtige Kennzahl für die Handelbarkeit einer Aktie darstellt.

Kommen wir zum IT-Setup: Wie kann ich mir den ATX anno dazumal vorstellen? Eine Verteilung an Reuters oder Bloomberg, das war ja alles bei WBK & Co., nicht so gegeben. 

Programmiert wurde in Basic und im Spreadsheet, eine Herausforderung war der Wunsch nach einem Real Time Kurschart in der Börse. 

Gibts irgendeine besondere Launch-Anekdote? 

Ja, im Zuge der Schnittstellenprogrammierung zwischen dem Kursfeed der Wiener Börsekammer und dem ÖTOB Handelssystem von OM aus Schweden, gab es Probleme. Ein Programmierer von den Österreichischen Lotterien hat das dann gelöst, dort gab es Erfahrungen mit Real Time Lotto Daten. 

Auch einem Nobelpreis(träger) waren Sie mal nahe ...

Ich ging 1991 in die USA und habe 1994 bei Salomon Bros. gearbeitet, mein Fokus waren Real-Time-Daten; Bob Engle hat damals an der Uni in San Diego ebenfalls für Salomon beraten, mit seinen Arch & Garch Modellen samt Ökonometrie Software eviews gearbeitet, wir saßen im selben Büro, Bob hat später den Wirtschaftsnobelpreis bekommen. 

Welche Persönlichkeiten in Börse und Banken kann man rückwirkend herausstreichen, was Support beim ATX-Start betrifft?

Attems, Hemetsberger, Schaller, Buhl, Obersteiner, dazu Imo und Oberrauch. 

Viele spätere Börsevorstände.

Ja, ich hab auch eine Zwischenfrage an Sie, Herr Drastil, Sie waren der einzige, der sich ATX-Umstellungen und -Komiteeentscheidungen angesehen hat.

… das war - hat man es einmals kapiert - ja nicht so schwer. War das plötzliche journalistische Interesse für Inner-Circle-Indexthemen manchmal auch ein Gegenwind-Faktor?

Manche haben immer schon gewartet, was kommt.

Schön! Der ATX geht jetzt ins 27. Jahr. Im Grunde hat er sich von seiner Ur-Methodik nicht weit entfernt, Stichworte 20 Titel und Liquiditätsfokus. Stolz? 

Ein kleiner Schritt Richtung Kapitalmarktkultur.

Die ÖTOB gibt es nicht mehr, man muss auf die Eurex blicken, findet dort noch Quartalsfutures mit wenig Handel. Inwieweit braucht ein Index liquide Futures? Hat man die ÖTOB zu leichtfertig aufgegeben? 

Das kann ich nur schwer beurteilen, aber auch eine Soffex ist einer DTB/Eurex aufgegangen. 

Sie sind Vorstand bei Wüstenrot: Gibt es eine Schnittmenge „Wüstenrot und ATX“?

Absolut. Wir sind ja Bausparkasse und Versicherung, wir veranlagen für unsere KundInnen rund 5 Mrd. über die Wüstenrot Versicherung und damit ist die Veranlagung/Absicherung bei österreichischen Aktien auch für uns ein Thema.  


Text: Christian Drastil  

Fotos: Josef Chladek spontan vor Ort

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(Dezember 2017)





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