19.06.2013, 2318 Zeichen
Die letzte Strabag-Hauptversammlung war ein "Hochamt für Haselsteiner": Er, ausgestattet mit einer Sperrminorität seiner Privatstiftung, zieht sich als Vorstand aus dem Tagesgeschäft zurück, um weiter als Generalbevollmächtigter maßgeblichen Einfluss ausüben zu können. Mit seinem tiroler-kärntnerischen Charme, Charisma und Härte hat er in den letzten Jahrzehnten diesen Konzern mit europäischer Dimension geschaffen und geformt. Ohne viele Berater hat es Haselsteiner nach dem Leitmotiv "Tue Gutes und rede darüber" verstanden sich einen hervorragenden Ruf in der Öffentlichkeit aufzubauen – durch pointierte Aussagen, aber auch durch konkrete kulturelle und soziale Projekte. Das Ergebnis für die ihn begleitenden Streubesitzaktionäre war beim ersten Börsegang der Bauholding enttäuschend und beim zweiten Auftritt mit der Strabag ernüchternd. Innerhalb von etwas mehr als fünf Jahren verloren die Aktionäre bei einer mehr als mickrigen Dividendenrendite (bloss etwas über ein Prozent) vom damaligen Ausgabekurs (47 Euro) immerhin zwei Drittel ihres Kapitaleinsatzes. Mit Spannung wird verfolgt, welche Konsequenzen der Einstieg von Haselsteiner als bestimmender Großaktionär bei Conwert haben wird.
Erfreulich ist die Entwicklung bei dem bislang schwerfälligen Bauriesen Porr. Durch gezielte Maßnahmen wird die Attraktivität der Aktie erhöht: Vorzugsaktien werden zu Stammaktien, durch einen Aktiensplit wird die Aktie leichter, nicht betriebsnotwendiges Vernögen wird veräußert und damit die Eigenkapitalquote verbessert. Die derzeitige Kursentwicklung bei minimalen Umsätzen honoriert diese Bemühungen. Ob die Ergebnisse trotz schwieriger Wirtschaftslage nachhaltig besser warden, wird die Zukunft zeigen.
Die Alpine-Anleihebesitzer können derzeit nur weiter zittern. Die Zinsen wurden unlängst zwar bezahlt, aber die weitere wirtschaftliche Entwicklung hängt einerseits von der Baukonjunktur und andererseits von den spanischen Eigentümern und den finanzierenden Banken ab. Die letzten Nachrichten waren nicht sehr ermutigend. Derzeit hilft nur "Hoffen und Beten". Die Einschaltung von Rechtsanwälten wäre verfrüht und verursachte nur Kosten. Spätestens in drei Monaten kommt die Stunde der Wahrheit und damit wird es Klarheit über die Konsequenzen geben - für Anleihebesitzer, Mitarbeiter und die finanzierenden Banken.
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