21.03.2026, 3091 Zeichen
Rekordumsatz, ein Auftragsbestand von 63,8 Milliarden Euro und jetzt ein neuer Modernisierungsauftrag aus Italien — Rheinmetall liefert Schlagzeile um Schlagzeile. Und trotzdem steht die Aktie seit Jahresbeginn rund sechs Prozent im Minus.
Der Widerspruch erklärt sich durch die Umsatzprognose für 2026, die Anleger enttäuschte. Nach einem Rekordjahr 2025 — über 10 Milliarden Euro Umsatz, eine operative Marge von 18,5 Prozent — hatte der Markt offenbar noch mehr erwartet. Seither korrigiert der Titel, zuletzt mit einem Wochenverlust von über fünf Prozent.
Italiens Minen werden auf MK2-Standard gebracht
Dabei reißt die Auftragsnachricht nicht ab. Die italienische Tochter RWM Italia und die Agenzia Industrie Difesa (AID) des italienischen Verteidigungsministeriums haben eine Absichtserklärung zur Modernisierung hunderttausender Panzerabwehrminen des Typs MATS unterzeichnet. Ziel ist ein Upgrade auf den Standard MATS MK2 — mit höheren Sicherheitsanforderungen, längerer Lebensdauer und gesteigerter Kampfwirksamkeit. RWM Italia übernimmt dabei die technische Gesamtverantwortung als Design Authority. Die Modernisierung soll binnen zwölf Monaten anlaufen.
Der Deal steht nicht allein. Entlang der östlichen NATO-Flanke investieren Regierungen wieder in Sperranlagen und eigene Minenproduktion — Lettland kündigte im Februar eine neue Produktionsanlage an. Für Rheinmetall ist der Auftrag ein weiteres Zeichen, dass die Nachfrage weit über klassische Großprojekte hinausreicht.
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Zwischen Auftragsflut und Kapazitätsengpass
Das strukturelle Bild bleibt stark. Deutschlands Verteidigungsbudget klettert 2026 auf 108,2 Milliarden Euro, allein für Munitionsbeschaffung sind knapp 15 Milliarden Euro eingeplant — Rheinmetalls Kerngeschäft. Der Auftragsbestand wuchs 2025 um 36 Prozent auf 63,8 Milliarden Euro, und die Bilanz hat sich grundlegend verbessert: Aus 1,29 Milliarden Euro Nettoschulden Ende 2024 wurde eine Netto-Finanzposition von plus 369 Millionen Euro.
Entscheidend wird nun das Umsetzungstempo. Die neue Artilleriemunitionsfabrik in Unterlüß soll ab 2027 auf 350.000 Schuss jährlich skalieren, in Litauen läuft eine weitere Anlage 2026 an. Parallel wurde die Übernahme des Marinespezialisten NVL am 1. März abgeschlossen, während die Veräußerung des Automobilzuliefergeschäfts bis spätestens zum dritten Quartal 2026 mit einer bindenden Vereinbarung abgeschlossen sein soll. Wie schnell Rheinmetall seinen beispiellosen Auftragsbestand in tatsächlichen Umsatz verwandeln kann, dürfte die Aktie in den kommenden Quartalen stärker bewegen als jede einzelne Absichtserklärung.
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