26.04.2022, 3856 Zeichen
In ihrem aktuellen Goldreport kommen die Analysten von Raiffeisen Research zum Fazti: Die geldpolitischen Zügel werden allmählich straffer gezogen und die Zeit der ultra-expansiven Geldpolitik neigt sich dies- und jenseits des Atlantiks dem Ende zu. Vor dem Hintergrund der hohen Inflation kann diesbezüglich insbesondere seitens der US-Notenbank Fed mit einem rascheren Vorgehen gerechnet werden. In gemäßigterem Tempo folgt nun auch die EZB. Dem Goldpreis haben die Zinsfantasien bzw. falkenhaften Wortmeldungen der Währungshüter derweil nicht geschadet, zumal hohe Inflationsraten ein Vordringen der realen Renditen zumindest mittelfristig unwahrscheinlich machen. Von geldpolitischer Seite ist für Gold also mit keinen besorgniserregenden Störfeuern zu rechnen. Die anstehenden Zinserhöhungen bzw. den kommunizierten Zinspfad sehen wir im aktuellen Preisniveau für Gold weitestgehend eingepreist.
Der Veranlagungsdruck bleibt aufgrund niedriger bzw. negativer Realrenditen und der nach wie vor üppigen Liquidität hoch. Die zunehmenden Inflationsängste treiben Investoren vermehrt in Anlagen, welche einen Schutz vor Wertverfall bieten.
Wegen der geopolitischen Spannungen rund um den Krieg in der Ukraine ist aus unserer Sicht für "risky assets" für eine längere Zeit das Einpreisen einer erhöhten Risikoprämie notwendig. Gold profitiert hier von seiner traditionellen Eigenschaft als „sicherer Hafen“, was sich in verstärkten Portfolioumschichtungen niederschlug, die eine höhere Allokation auch von Gold zur Folge hatten. Mit Blick auf die Spannungen zwischen den Kriegsparteien und den sich abzeichnenden Auswirkungen der Kriegsfolgen durch Sanktionen auch auf die Volkswirtschaften der etablierten Märkte, sollte die Nachfrage nach Gold weiterhin stark bleiben.
Wir gehen daher davon aus, dass Gold in den kommenden Quartalen um die Marke von USD 2.000 pro Unze pendeln wird. Die geopolitische Risikokomponente bleibt unseres Erachtens Thema. Mit einem baldigen Friedensschluss rechnen wir nicht. Auch im Falle einer hoffentlich bald einkehrende Waffenruhe, dürften die Sanktionen noch lange Bestand haben und auf die Konjunktur in Form von höheren Material- und Energiepreisen sowie angespannten Lieferketten einwirken.
Der ab 2023 leicht schwächere Goldpreis soll die abnehmenden Inflationsängste im Lichte der sich wieder normalisierenden Teuerungsraten u.a. durch den Wegfall von weiteren Energiepreisanstiegen anzeigen. Mit einem stärkeren Rückgang des Goldpreises in Richtung USD 1.600 oder 1.700 je Unze rechnen wir basierend auf unseren Annahmen zur Entwicklung der Realzinsen jedoch nicht.
Das Abwärtsrisiko für den Goldpreis bzw. unsere Prognose besteht in einer raschen Befriedung im Russland-Ukraine-Konflikt samt zumindest teilweiser Rücknahme der Sanktionen gegen Russland - was wir aber für unwahrscheinlich halten - und/oder mehr bzw. größeren Zinsschritten (Fed) als vom Markt gepreist sowie einem noch zügigeren Bilanzabbau (Fed) oder eine Ankündigung desselben auch für die Eurozone seitens der EZB.
Die Prognosen basieren auf einer fundamentalen Bewertungsansatz und decken sich auch mit den Ergebnissen aus unserem quantitativen Modell. Bei Letzterem haben die geänderten Zinserwartungen sowie die gestiegene Volatilität im Zuge des Ukraine-Kriegs zuletzt die Prognosebandbreite signifikant erhöht.
Während wir für Gold auf US-Dollar-Basis weiter Aufwärtspotenzial sehen, sieht unser Prognosepfad in Euro eine flachere Entwicklung voraus. Dieser ergibt sich aus dem Umstand, dass unsere Ökonomen nach der starken US-Dollar-Aufwertung für die nächsten Quartale einen wieder festeren Euro prognostizieren. Ein gegenüber der EZB noch prononcierteres Vorgehen der Fed in puncto Straffung der Geldpolitik könnte dem jedoch entgegenwirken und würde die Attraktivität eines Goldinvestments auch für einen Euro-denominierten Investor erhöhen."
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