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26.12.2012, 6116 Zeichen

Ein Blick hinter die Kulissen, ein Blick auf die Agenda: Heike Arbter und Philipp Arnold im Fachheft-Talk mit mir (Christian Drastil) über Ursprünge, Gegenwart und Zukunft des Zertifikategeschäfts beim Marktführer RCB (aus Fachheft 3, Bilderset zum Interview HIER),

Dass die RCB beim ‚Zertifikate Award Austria‘ Seriensieger ist, weiss man. Aber dass die RCB den Structured Products-Bereich in Österreich auch de facto mitgegründet hat, ist nicht so bekannt. Wie war das damals? Und wann? Seit wann widmet sich die Bank dem Thema ‚Zertifikate‘?

Heike Arbter: Ich bin 1997 zur Centrobank gekommen, Dinge wie Optionsscheine oder auch die ÖTOB gab es ja damals schon längst. Mit Zertifikaten haben wir im Jahr 2001 begonnen, als die Centro von Raiffeisen übernommen wurde. Also zu dem Zeitpunkt, als wir einen Zugang zum breiten Retailpublikum bekamen. Da haben wir gemeinsam mit der Wiener Börse Regelwerk und Usancen erarbeitet, das Segment quasi gemeinsam mit der Börse aus dem Boden gestampft.

Wer war da bei der Wiener Börse zuständig und mit welchen Produkten ist es losgegangen? 2002 startete ja die Jahrhundertrally des ATX. Waren die Hebelprodukte ein grosses Thema?

Arbter: Karl Brauneis war die treibende Kraft bei der Börse. Wir brachten zunächst Indexzertifikate, 1:1-Produkte, später Turbos. Und Hebelprodukte generell. Na ja: Man kannte Optionsscheine, die Turbos waren erklärungsbedürftig. Es ist vielmehr schön langsam mit den Garantiezertifikaten losgegangen. Wir brachten die ersten Editionen an Blue-Chip-Bonds, die ersten Winner …

Herr Arnold, bitte auch um eine kurze Vorstellung …

Philipp Arnold: Ich bin seit 2005 dabei. 
Ich war zunächst im Marketing zuständig für Produktblätter und Newsletter, dann für Deutschland und seit 2010 für den Raiffeisen-Sektor in Österreich und den Bereich Marketing.

Wie gross ist das Team insgesamt? Wird auch Osteuropa von Wien aus gemacht?

Arbter: Im Sales und Marketing gibt es neun Mitarbeiter, demnächst zehn, in der Strukturierung und Emission sind es mit mir fünf, dazu die Händler für die Flowzertifikate. Und ja, die Kollegen für Osteuropa sitzen hier, sind hier angestellt, man hat aber gesehen, dass es enorme Reisetätigkeit gibt. Das Reisen ist nicht ohne, es ist Aufbauarbeit, eine andere Sprache, man braucht Unterlagen. Aber der Markt ist sehr wichtig, da schauen wir uns das natürlich an. Die Vision ist, ein Zertifikategeschäft, wie wir es hier kennen, in Warschau zu etablieren. Die Chance ist gut. Wir sind eigentlich die einzigen Komplettanbieter in Warschau. Dazu gibt es natürlich ein Verkaufsthema, in dem viele drin sind. Es gibt Bankprodukte oder auch Structured Deposits, eine Art Sparbuch ohne Zinsen, dafür mit optionaler Auszahlung. Kapitalgarantiert mit kurzer Laufzeit. Das ist ein easy Produkt, das die Polen gern haben. Die Polen kaufen über die Bank als Structured Deposit, weiters als Versicherungsprodukt verpackt, Erträge sind da steuerfrei. Das Zertifikat als Bankschuldverschreibung ist das dritte und relativ neu, das braucht noch Erklärung.

Ausser Polen sind welche Länder wichtig? Wie sieht es mit der CEESEG aus?

Arbter: Russland/Moskau, Slowakei, Ungarn, Tschechien. Was die CEESEG betrifft, so könnte ein eigenes länderübergreifendes Zertifikatesegment eine Überlegung sein.

Auf der Homepage schreiben Sie von 3500 Produkten. Wie teilt sich das auf?

Arbter: Einen grossen Anteil haben Aktien- und Indexprodukte für Österreich, Deutschland und Osteuropa. Rohstoffe sind von der Anzahl her nicht so gross, aber vom Umsatz her interessant. Es ist einfach eine Möglichkeit, den Inflationsschutz zu spielen. Mit dem Zertifikat kann man ja alles machen, die Emanzipation der Geldanlage, wie Christian Röhl mal geschrieben hat.

Alle Produkte sind sowohl an Wiener Börse, Scoach und Euwax gelistet, einige zusätzlich an CEE-Börsen. Wie reiht sich die 
Wiener Börse ein?

Arbter: Das ist ein substanzieller Teil von unserem Börsegeschäft, weil die Anbindung sehr gut ist, z.B. wenn ich jetzt Raiffeisen 
Österreich heranziehe.

Der Prozentanteil Ihres Hauses am Gesamtumsatzkuchen des Zertifikatesegments der Wiener Börse ist bekannterweise sehr hoch. Wo liegt der Wert aktuell?

Arbter: Bei 86 Prozent.

Bei 86 Prozent kann ich das sagen. Warum tun die anderen nichts?

Arbter: Das ist ein bisschen ein Kostenthema, da es deutlich günstiger ist, an Scoach oder Euwax zu listen. Aber für uns macht Wien viel Sinn.

Die RCB macht alles selbst, lässt Produkte auch nicht fremdgestionieren. Was bedeutet eine Finanztransaktionssteuer für die RCB?

Arbter: Es ist jetzt zu früh, weil man die genaue Ausgestaltung noch nicht kennt. Klar ist, dass eine Finanztransaktionssteuer dem österreichischen Kapitalmarkt und somit auch den Anlegern enormen Schaden zufügen wird.

Wir haben uns auch auf der ‚Gewinn-Messe‘ getroffen, Herr Arnold. Wie ist diese für Sie gelaufen? Und was steht 2013 an?

Arnold: 2012 war ein gutes Jahr für die RCB, wir haben uns bei Bonuszertifikaten mit tiefen Barrieren positioniert, da sehen wir Zuwächse und das stand dann auch auf der Messe im Fokus. Wir sind mit dem Messe-Erfolg zufrieden. Das Konzept passt. Die Vorträge sind gut besucht.

Arbter: 2013 wird es stark um regulatorische Dinge gehen, es kommen enorme Vorschriften. Da ist wie bei der FTS vieles noch nicht klar, es passiert vieles mit wenig Sachkenntnis. Zertifikate sind nicht das grosse Thema in Brüssel, trotzdem kann vieles kaputt gemacht werden. Wichtig ist mir auch, dass Vorurteile ausgeräumt werden, z.B. 
jenes, dass die Banken gegen ihre Kunden spekulieren. Das Gegenteil ist der Fall, man will den Kunden binden und halten. Wir sichern ab, bauen eine transparente Auszahlung. Der Kunde soll eine gute Wahrscheinlichkeit haben, dass das alles aufgeht. Und an der Börse wird durch diese Produkte Umsatz 
generiert.

Und es löst ja auch Aktivitäten im Underlying aus …

Arnold: Genau, Zertifikate müssen zu einem fixeren Depotbestandteil werden, daran müssen wir noch arbeiten, dass das stärker gemacht wird.

Arbter: Die Zinsen sind tief und was tut der Österreicher? Er kauft Unternehmensan-
leihen.

Und man hat ja gesehen, dass da auch einiges daneben gehen kann ...


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Gegründet 1819 als die „Erste österreichische Spar-Casse“, ging die Erste Group 1997 mit der Strategie, ihr Retailgeschäft in die Wachstumsmärkte Zentral- und Osteuropas (CEE) auszuweiten, an die Wiener Börse. Durch zahlreiche Übernahmen und organisches Wachstum hat sich die Erste Group zu einem der größten Finanzdienstleister im östlichen Teil der EU entwickelt.

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    26.12.2012, 6116 Zeichen

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    Heike Arbter: Ich bin 1997 zur Centrobank gekommen, Dinge wie Optionsscheine oder auch die ÖTOB gab es ja damals schon längst. Mit Zertifikaten haben wir im Jahr 2001 begonnen, als die Centro von Raiffeisen übernommen wurde. Also zu dem Zeitpunkt, als wir einen Zugang zum breiten Retailpublikum bekamen. Da haben wir gemeinsam mit der Wiener Börse Regelwerk und Usancen erarbeitet, das Segment quasi gemeinsam mit der Börse aus dem Boden gestampft.

    Wer war da bei der Wiener Börse zuständig und mit welchen Produkten ist es losgegangen? 2002 startete ja die Jahrhundertrally des ATX. Waren die Hebelprodukte ein grosses Thema?

    Arbter: Karl Brauneis war die treibende Kraft bei der Börse. Wir brachten zunächst Indexzertifikate, 1:1-Produkte, später Turbos. Und Hebelprodukte generell. Na ja: Man kannte Optionsscheine, die Turbos waren erklärungsbedürftig. Es ist vielmehr schön langsam mit den Garantiezertifikaten losgegangen. Wir brachten die ersten Editionen an Blue-Chip-Bonds, die ersten Winner …

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    Arbter: Bei 86 Prozent.

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    Arbter: Es ist jetzt zu früh, weil man die genaue Ausgestaltung noch nicht kennt. Klar ist, dass eine Finanztransaktionssteuer dem österreichischen Kapitalmarkt und somit auch den Anlegern enormen Schaden zufügen wird.

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