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KBV-Chef fordert radikalen Kahlschlag bei Zusatzleistungen ( Finanztrends)

03.03.2026, 4853 Zeichen

KBV-Chef Andreas Gassen will alle freiwilligen Kassenleistungen streichen. Dazu gehören auch beliebte Präventionskurse wie Yoga. Sein Ziel: eine Milliarde Euro pro Jahr sparen. Doch der Vorstoß stößt auf massiven Widerstand.

Der Dachverband der gesetzlichen Kassen und die Politik lehnen die Pläne entschieden ab. Sie warnen vor einem Qualitätsverlust und einer Schwächung des Wettbewerbs. Die Debatte entzündet sich an der Frage: Was ist im angespannten Gesundheitssystem noch bezahlbar?

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Kassenärzte-Chef: „Nice-to-have“-Angebote streichen

Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), hält die freiwilligen Zusatzleistungen für nicht mehr vertretbar. In Zeiten knapper Kassen müsse der Fokus auf der medizinischen Kernversorgung liegen. Es sei widersprüchlich, wenn über Honorarkürzungen verhandelt werde, gleichzeitig aber Millionen für Marketing-Angebote flössen.

Sein radikaler Vorschlag: Satzungsleistungen wie professionelle Zahnreinigungen, Homöopathie oder Yoga-Kurse ersatzlos streichen. Laut Gassen ließen sich so knapp eine Milliarde Euro pro Jahr mobilisieren.

GKV-Spitzenverband und Politik schlagen zurück

Der Vorstoß rief sofort heftigen Widerstand hervor. Der GKV-Spitzenverband positionierte sich klar gegen die Pläne. Eine pauschale Streichung würde den Wettbewerb behindern und die Versorgungsqualität verschlechtern, so die Argumentation. Viele dieser Angebote seien wichtige Instrumente der Gesundheitsförderung.

Auch aus der Regierungskoalition kam deutlicher Widerspruch. Vertreter bezeichneten die Diskussion als „Symboldebatte“. Statt einzelner Leistungen zu streichen, brauche es tiefgreifende strukturelle Reformen. Kurzfristige Sparmaßnahmen belasteten nur die Versicherten.

Eine Milliarde Euro – viel oder wenig?

Experten relativieren die von Gassen genannte Einsparsumme. Zwar klingt eine Milliarde Euro gewaltig. Im Gesamtkontext der GKV-Ausgaben von rund 347 Milliarden Euro im Jahr 2025 falle sie aber kaum ins Gewicht.

Die Gesamtkosten aller freiwilligen Leistungen schätzt der GKV-Schätzerkreis auf etwa 1,9 Milliarden Euro. Kritiker wie Thomas Adolph vom Vergleichsportal gesetzlichekrankenkassen.de halten die Forderung für „absurd“. Eine komplette Streichung würde den durchschnittlichen Krankenkassenbeitrag lediglich um 0,11 Prozentpunkte senken. Der finanzielle Effekt für den Einzelnen wäre minimal, der Verlust an etablierten Angeboten hingegen enorm.

Yoga & Co.: Prävention im Visier des Rotstifts

Besonders im Fokus stehen Präventionskurse. Sie sind ein zentraler Bestandteil der freiwilligen Leistungen und werden nach festen Kriterien bezuschusst. Für die Kassen sind sie ein Wettbewerbsinstrument, um neue Mitglieder zu gewinnen.

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Für Versicherte bedeuten sie einen geförderten Zugang zu Gesundheitsvorsorge. Würden die Zuschüsse gestrichen, müssten Teilnehmer die vollen Kosten selbst tragen. Kritiker befürchten, dass dies vor allem Menschen mit geringerem Einkommen von Prävention ausschließen würde.

System unter Druck: Symptom einer Dauerkrise

Die hitzige Debatte ist kein Einzelfall. Sie ist Symptom der chronischen Finanzprobleme im Gesundheitssystem. Steigende Kosten für Personal, Medikamente und Krankenhausbehandlungen bei begrenzten Einnahmen führen regelmäßig zu Milliardenlöchern.

Die jetzige Konfrontation zwischen KBV und GKV-Spitzenverband markiert eine neue Eskalationsstufe. Es geht um die grundsätzliche Prioritätensetzung: Soll jeder Euro in die Akutversorgung fließen oder weiter in präventive Maßnahmen investiert werden, deren langfristiger Nutzen unbestritten ist?

Was kommt auf die Versicherten zu?

Eine von der Regierung eingesetzte Expertenkommission arbeitet derzeit an Vorschlägen für eine umfassende Finanzreform. Erste Ergebnisse werden für Ende März erwartet. Die aktuelle Debatte erhöht den Druck auf die Kommission.

Nach dem breiten Widerstand erscheint eine komplette Streichung aller Zusatzleistungen unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher sind schärfere Kriterien oder Budgetdeckelungen. Für die rund 75 Millionen gesetzlich Versicherten bleibt die Unsicherheit vorerst bestehen. Die Entscheidung wird zeigen, ob das System künftig stärker auf Prävention setzt – oder sich auf seine Kernaufgaben zurückzieht.


(03.03.2026)

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