22.03.2026, 3261 Zeichen
Nach dem überraschenden Rauswurf von CEO Alex Chriss und einkassierten Wachstumszielen formiert sich juristischer Widerstand gegen PayPal. Gleich mehrere US-Kanzleien werfen dem Zahlungsdienstleister Wertpapierbetrug vor und rufen Aktionäre auf, sich einer Sammelklage anzuschließen. Bis Mitte April läuft nun eine Frist, die das Ausmaß des rechtlichen Nachspiels für den ohnehin angeschlagenen Konzern definieren wird.
Der Auslöser des Kurssturzes
Der Ursprung der rechtlichen Auseinandersetzung liegt am 3. Februar dieses Jahres. Damals verkündete das Unternehmen den sofortigen Abgang des Geschäftsführers Alex Chriss, da das Tempo der operativen Umsetzung nicht den Erwartungen des Vorstands entsprach. Zeitgleich räumte das Management ein, dass das wichtige Geschäft mit dem sogenannten "Branded Checkout" schwächelt, und zog die Finanzziele für 2027 komplett zurück. Das Wachstum in diesem Kernsegment war im vierten Quartal auf magere ein Prozent eingebrochen.
Der Markt reagierte damals drastisch und schickte die Papiere an einem einzigen Tag um über 20 Prozent in die Tiefe. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus mittlerweile auf gut 23 Prozent, womit der Titel aktuell bei 38,12 Euro notiert.
Schwere Vorwürfe der Kanzleien
Nun rüsten sich die Investoren für den Gerichtssaal. Mit Kessler Topaz Meltzer & Check hat sich am Wochenende bereits die dritte große US-Kanzlei gemeldet, um geschädigte Aktionäre zu vertreten. Zuvor hatten schon Hagens Berman und Bernstein Liebhard ähnliche Schritte eingeleitet. Die Kläger werfen der PayPal-Führung vor, über Monate hinweg ein falsches Bild der Umsatz- und Wachstumsaussichten gezeichnet zu haben. Die optimistischen Ziele für 2027 seien schlichtweg unrealistisch gewesen und hätten ein stabiles Konsumumfeld vorausgesetzt, das in der Realität nicht existierte.
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Aktionäre haben nun bis zum 20. April 2026 Zeit, sich als Hauptkläger für das Verfahren zu bewerben. Da sich die Vorwürfe aller drei Kanzleien auf denselben Zeitraum beziehen, ist eine Zusammenlegung zu einem großen Sammelverfahren sehr wahrscheinlich.
Herkulesaufgabe für den neuen Chef
Mitten in dieser unruhigen Phase hat Anfang März der ehemalige HP-Chef Enrique Lores das Ruder bei PayPal übernommen. Während die Finanzchefin jüngste Gerüchte über einen möglichen Verkauf des Unternehmens unkommentiert ließ, betonte sie den strikten Fokus auf organisches Wachstum. Das Marktumfeld bleibt allerdings schwierig. Neben dem drohenden Rechtsstreit belasten sinkende Gewinnerwartungen der Analysten sowie der kürzliche Abstieg aus dem S&P 100 Index die Perspektive. Der Stichtag am 20. April wird somit zum ersten wichtigen Barometer, das zeigt, wie viele institutionelle und private Investoren tatsächlich den Rechtsweg gegen den Zahlungsdienstleister bestreiten wollen.
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