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pAVK: Neue Leitlinie macht Bewegung zur Top-Therapie ( Finanztrends)

27.03.2026, 3692 Zeichen

Die Schaufensterkrankheit (pAVK) behandeln Ärzte jetzt mit einem klaren Favoriten: Bewegung. Die jüngst aktualisierte S3-Leitlinie stellt strukturiertes Gehtraining an die erste Stelle der Therapie. Damit rückt die konservative Behandlung vor invasive Eingriffe.

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Paradigmenwechsel: Erst laufen, dann operieren

Früher hieß es oft „endovaskulär first“ – also zuerst der Katheter. Die neue Leitlinie dreht diese Reihenfolge um. Bei Schmerzen in den Beinen beim Gehen (Stadium II) sollen Patienten nun mindestens drei bis sechs Monate ein konsequentes Bewegungstraining absolvieren. Erst wenn das nicht ausreichend hilft, kommen Operationen oder Katheter-Eingriffe in Betracht.

„Unser Ziel sollte sein, das Gefäßsystem so lange wie möglich in Ruhe zu lassen“, erklärt Privatdozent Dr. Ulrich Rother von der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie. Der Stellenwert des Gehtrainings sei aufgrund seiner nachgewiesenen Effektivität stark aufgewertet worden.

So wirkt das Gehtraining

Die Wissenschaft ist eindeutig: Gehtraining fördert die Bildung neuer, kleiner Umgehungsgefäße. Diese sogenannten Kollateralen versorgen die Muskulatur dann trotz Engstellen in den Arterien wieder besser mit Blut und Sauerstoff. Ein leichtes Schmerzempfinden während des Trainings gilt dabei sogar als wichtiger Reiz für den Körper.

Empfohlen wird ein strukturiertes Intervalltraining: Drei Mal pro Woche für 30 bis 60 Minuten, mit Wechseln aus Belastung und Pause. Das Ergebnis? Patienten können wieder längere Strecken schmerzfrei zurücklegen.

Große Lücke zwischen Wissen und Praxis

Trotz der klaren Empfehlung nutzen bisher weniger als 12 Prozent der pAVK-Patienten in Deutschland Gefäßsportgruppen. Ein Hauptproblem: mangelnde Information. Viele Betroffene und auch manche Ärzte wissen zu wenig über die Bedeutung des Trainings oder lokale Angebote.

„Hier wird eine große Chance in der Arzt-Patienten-Kommunikation verpasst“, sagt Dr. Christian-Alexander Behrendt, Gefäßchirurg aus Hamburg. Die Fachgesellschaft DGG appelliert daher an ihre Mitglieder, mehr Gefäßsportgruppen zu etablieren und plant ein bundesweites Register für solche Angebote.

Mehr als nur Bein-Beschwerden

Die pAVK ist eine Systemerkrankung, die den gesamten Körper betrifft. Oft geht sie mit Diabetes, Übergewicht und Bluthochdruck einher. Die neue Leitlinie betont deshalb einen ganzheitlichen Ansatz. Neben Bewegung sind die Kontrolle der Risikofaktoren und Medikamente entscheidend.

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Bewegung entlastet das Gesundheitssystem

Die strategische Neuausrichtung hat auch einen volkswirtschaftlichen Effekt. Durch Bewegung als erste Therapieoption können teurere und risikoreichere Operationen oft verzögert oder sogar ganz vermieden werden. Selbst der Erfolg einer bereits durchgeführten Gefäß-OP hängt maßgeblich vom anschließenden Training ab.

Die Botschaft der Experten ist klar: Ein aktiver Lebensstil ist der Schlüssel, um die Gefäße langfristig gesund zu halten und ein schmerzfreies Leben zu ermöglichen.


(27.03.2026)

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