24.03.2026, 3567 Zeichen
Europas wichtigstes Landstreitkräfte-Projekt hat die erste Halbzeit absolviert — und Rheinmetall steht mittendrin. Das MARTE-Programm, das einen gemeinsamen europäischen Kampfpanzer der nächsten Generation entwickeln soll, hat nach zwölf Monaten die erste Projektphase offiziell abgeschlossen. Gleichzeitig greift der Konzern nach einem weiteren Milliardenauftrag: dem Bau der Fregatte F126 für die Deutsche Marine.
MARTE: Halbzeit in der Panzerschmiede
Das Konsortium MARTE ARGE GbR — getragen von KNDS Deutschland und Rheinmetall Landsysteme — hat die erste Hälfte des 24-monatigen Entwicklungsprogramms abgeschlossen. Im Kern ging es dabei um die Harmonisierung militärischer Anforderungen von elf Nationen, darunter Deutschland, Italien, Spanien und Schweden. Kein einfaches Unterfangen: Jedes Land bringt eigene Vorstellungen mit, wie ein moderner Kampfpanzer auszusehen hat.
Unter Führung des schwedischen Rüstungskonzerns SAAB entstand ein einheitliches Einsatzkonzept, das explizit Erfahrungen aus aktuellen hochintensiven Konflikten berücksichtigt. Die Europäische Kommission hat diese Ergebnisse bereits formell abgesegnet. Jetzt übernehmen Rheinmetall, KNDS und der italienische Konzern Leonardo die Federführung für die Systemarchitektur — die eigentliche technische Schwerstarbeit beginnt damit erst.
Das Projektziel ist klar: Europa soll bei Kampfpanzern unabhängiger von außereuropäischen Anbietern werden. MARTE ist das Vehikel dafür — finanziert über den Europäischen Verteidigungsfonds.
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Marine-Ambitionen mit Milliardenvolumen
Parallel dazu drängt Rheinmetall in eine ganz neue Liga. Nach der Übernahme der Marinewerft-Sparte NVL inklusive Blohm+Voss in Hamburg für 1,5 Milliarden Euro peilt der Konzern den Generalunternehmervertrag für den Bau von sechs Fregatten des Typs F126 an — mit einem Gesamtvolumen von rund zehn Milliarden Euro, dem größten Neubauprogramm der Deutschen Marine.
Der bisherige Auftragnehmer, das niederländische Unternehmen Damen Naval, liegt etwa vier Jahre hinter dem Zeitplan. Rheinmetall sieht darin eine Chance und will die erste Fregatte bereits im zweiten Halbjahr 2031 abliefern. Ob das Bundesverteidigungsministerium mitspielt, ist noch offen — als Alternative prüft es den Kieler Marineschiffbauer TKMS für kleinere Fregatten vom Typ Meko A-200 DEU.
Kursreaktion: Gute Nachrichten, schlechter Tag
Trotz der positiven Projektnachrichten zeigte sich die Rheinmetall-Aktie auf XETRA unter Druck und verlor zeitweise rund 1,3 Prozent auf 1.464 Euro. Auch die übrigen Rüstungstitel gaben nach: HENSOLDT rutschte um über drei Prozent auf 71,65 Euro ab, RENK verlor 2,3 Prozent auf 50,49 Euro, und TKMS — als potenzieller Konkurrent beim F126-Auftrag — gab ebenfalls nach.
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Das Muster ist bekannt: Langfristige Strukturprojekte wie MARTE bewegen kurzfristig kaum Kurse. Was Anleger wirklich interessiert, ist die Frage, wann aus Absichtserklärungen handfeste Aufträge werden. Beim F126-Vertrag könnte es schon im Sommer so weit sein.
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