21.03.2026, 3996 Zeichen
In Südafrika zählen die Tage. Bis zum 31. März muss Glencore entscheiden, ob die staatlich ausgehandelten Stromkonditionen für seine Ferrochrom-Schmelzen tragbar sind — oder ob Tausende Arbeitsplätze wegfallen.
Das Strompreis-Ultimatum
Der Konflikt dreht sich um einen massiven Rabatt, den der Staatsversorger Eskom den beiden größten südafrikanischen Ferrochrom-Produzenten angeboten hat. Konkret: eine Senkung des Stromtarifs von 1,36 Rand auf 0,62 Rand pro Kilowattstunde. Klingt nach einem guten Deal — doch Glencore-Ferroalloys-Chef Japie Fullard erklärte, bestimmte Bedingungen des Angebots seien für das Unternehmen nicht akzeptabel.
Das Problem ist hausgemacht. Glencores Lion-Schmelze braucht einen Tarif von 87 Cent, um die Gewinnschwelle zu erreichen. Die Anlagen in Boshoek und Wonderkop benötigen sogar die vollen 62 Cent, um überhaupt wirtschaftlich zu operieren. Eskom hatte den Tarif bereits im Januar auf 87,74 Cent gesenkt — eine Zwischenstufe, die für einen Teil der Kapazitäten gerade noch ausreicht, für den Rest aber nicht.
Scheitern die Verhandlungen, greift Glencore auf das sogenannte Section-189-Verfahren zurück: das gesetzlich geregelte Entlassungsprozedere. Bis zu 1.500 Stellen stünden dann zur Disposition, allein im Glencore-Merafe-Gemeinschaftsunternehmen. Bezieht man den Konkurrenten Samancor Chrome mit ein — der trotz des Tarifangebots bereits mit Entlassungen fortfährt —, schätzt die Gewerkschaft Solidarity die gesamtsektorale Betroffenheit auf bis zu 7.000 Beschäftigte.
Strukturkrise hinter dem Tarifstreit
Der Strompreis ist Symptom, nicht Ursache. Südafrika hält rund 80 Prozent der weltweit bekannten Chromreserven, hat seine Position als weltgrößter Ferrochrom-Produzent aber längst an China verloren. Der Grund: Stromkosten machen bis zu 40 Prozent der Produktionskosten aus — und sind seit 2008 um mehr als 900 Prozent gestiegen. Von einst 66 betriebsbereiten Schmelzen sind heute noch elf aktiv. Ohne staatliche Stützung könnte die Kapazität 2026 auf eine Million Tonnen jährlich fallen, bei einer installierten Kapazität von 4,8 Millionen Tonnen.
Eskom-Chef Dan Marokane versicherte, der Rabatt werde nicht durch andere Stromkunden querfinanziert. Die Mittel sollen aus einem noch ausstehenden Transfer von 10 Milliarden Rand aus dem bestehenden 230-Milliarden-Rand-Schuldenentlastungspaket der Regierung stammen.
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Zweite Front in Australien
Parallel dazu brodelt es in Queensland. Am 13. März legten Arbeiter in Glencores Townsville-Kupferraffinerie — mit einer Kapazität von bis zu 300.000 Tonnen Kupferkathode pro Jahr — einen vierstündigen Streik nieder. Die Australian Workers' Union wirft Glencore vor, mit dem Lohnangebot nicht mit den gestiegenen Lebenshaltungskosten Schritt zu halten; einzelne Beschäftigte verdienten bis zu 15 Prozent weniger als Kollegen an vergleichbaren Standorten. Glencore hält dagegen: Das unterbreitete Vierjahresangebot sei wettbewerbsfähig, die Raffinerie schreibe ohnehin Verluste.
Die australische Regierung hatte der Anlage bereits ein Rettungspaket von 600 Millionen australischen Dollar über drei Jahre zugesagt — ein Zeichen, wie strategisch wichtig westliche Staaten ihre Kupfer-Lieferketten einschätzen.
Die Aktie hat sich seit ihrem Tief im April 2025 bei 2,71 Euro mehr als verdoppelt und notiert aktuell bei 5,96 Euro — knapp unter dem 52-Wochen-Hoch. Ob die operative Belastung durch die laufenden Konflikte in Südafrika und Australien diesen Lauf bremst, entscheidet sich mit dem Ausgang der Verhandlungen bis Ende März.
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