30.09.2022, 2198 Zeichen
Die Analysten von Raiffeisen Research haben ihre Prognosen für Wachstum & Inflation in 2022 und 2023 nachgeschärft. Für Österreich habe sich eine besondere Konstellation ergeben. Die Wirtschaftsleistung wird 2022 deutlich stärker zulegen als im März 2022 (nach Kriegbeginn) angenommen (Prognose derzeit 5,5 Prozent vs. knapp über 2 Prozent zu Kriegsbeginn). Der BIP-Zuwachs sollte heuer sogar über der Raiffeisen-Prognose von 4,5 % aus Zeiten vor dem Ukraine-Krieg liegen. Das dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine der härtesten Eintrübungen der letzten Jahre droht. Der Industriesektor in Österreich würde sich dabei schon jetzt in einer Rezession befinden, so die Raiffeisen-Experten.
Der Preisschock würde nicht nur auf den Investitionen und der Industrie lasten, das Konsumentenvertrauen in Österreich sei auf den niedrigsten Wert der jüngeren Wirtschaftsgeschichte abgestürzt. Dies habe mit den Inflationssorgen zu tun, während die anstehende Verschlechterung der finanziellen Position vieler Immobilienbesitzer mit variabler Zinsbelastung auch ein wichtiger Treiber der Verschlechterung sei. Immerhin könnten im Durchschnitt der Immobilienbesitzer monatliche Kreditraten von unter 30 % des Nettohaushaltseinkommens bald auf über 40 % ansteigen.
Für die Analysten sollte der Inflationshöhepunkt im Jahr 2023 (gesamtwirtschaftliche Inflation) in Österreich und im Euroraum (vordergründig) überschritten sein, die durchschnittlichen Jahressteigerungsraten der Konsumentenpreise sollten sich von Werten auf 8 Prozent heuer bei Werten von 6 Prozent in 2023 und knapp 3 Prozent in 2024 einpendeln, meinen die Raiffeisen-Experten. Die Kerninflation (ohne Energie & Lebensmittelpreise) sollte 2023 aber nochmals zulegen, von 4,6 Prozent in 2022 auf erwartete 5,2 Prozent in 2023.
Das Inflationsziel der EZB sehen die Analysten für längere Zeit außer Reichweite, die Kerninflationrate als geldpolitisch relevante Messgröße sollte lange erhöht bleiben. Dies würde nicht für eine rasche EZB-Zinsreduktion sprechen, auch wenn der aktuelle geldpolitische Straffungszyklus (mindestens 250 BP, Stand heute 300 BP) – wohl der schärfste in der EZB Geschichte — 2023 enden sollte, wie die Experten meinen.
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