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12.08.2019, 3658 Zeichen

Kleingeld für die Bawag. Vorige Woche kam ich mit einem niederösterreichischen Dorfbewohner ins Gespräch. Er war auf Tagesreise in die Bezirkshauptstadt. Jawohl, Tagesreise. Es sind für ihn immerhin etwa 20 Kilometer in die Stadt und auch wieder 20 Kilometer zurück. Diese Gegend ist nicht wirklich weit von Wien entfernt, man zählt sie scherzhaft zum "Speckgürtel", obwohl die Infrastruktur total ausgedünnt ist. So wie man sich Gegenden weit von der Großstadt Wien entfernt vorstellen würde. Wochentags verkehrt nur alle paar Stunden ein Bus, sonn- und feiertags gibt es gar keinen öffentlichen Verkehr. Das Geschäft in seinem Ort ist zu, auch seine Bank in der Nachbarortschaft wurde bereits geschlossen. Zumindest hat die Nachbarortschaft noch ein Postamt, und dorthin schafft er es zu Fuß in einer Stunde, so erzählte er, am Postamt gibt er normalerweise seine fünf Erlagscheine auf. Weil seine Bank sich von dort zurückgezogen hat. Das kostet ihn jedes Mal 5 x 8,40 Euro für "Einzahlung auf eine Fremdbank", insgesamt also 42 Euro. Was soll man machen, sagte er, die Rechnungen müssen bezahlt werden, sonst gibt es horrende Mahnspesen oder noch Schlimmeres. Telebanking oder Internetbanking? Kommt für ihn nicht in Frage, dem misstraut er. Ganz so schlimm ist das mit dem Bareinzahlungsentgelt auch nicht, immerhin erspart er sich dafür 5 x die Zeilengebühr seiner Bank in Höhe von je 39 Cent. Macht eine Ersparnis von 1,95 Euro.

Aber dieses Mal spart er einmal richtig, und er war sichtlich glücklich darüber, was er sich durch die Tagesreise mit dem Bus in die Stadt erspart. Er fährt ungern so weit weg, es ist ja nicht einfach mit dem Bus, und sehr viel Zeit kostet nicht nur die Fahrt, sondern insbesondere das Warten auf den Bus zurück. 2 x 5,80 für den Fahrschein, also 11,60 hin und zurück, plus die 1,95 für die Zeilengebühren zahle er dieses Mal zwar, rechnete er mir vor, er investiere also insgesamt 13,55, dem gegenüber stehe der Wegfall der Bareinzahlungsgebühren von 42 Euro. Die Reise in die Stadt bringt ihm also eine Nettoersparnis von 28,45 Euro.

Ich weiß schon, es ist nicht trendy, Euro-Beträge noch in Schilling umzurechnen. "8 Euro 40" spricht man so locker aus. Aber wer von uns hätte je geglaubt, dass er in ferner Zukunft einmal 115,59 Schilling Bareinzahlungsgebühr PRO ERLAGSCHEIN berappen muss? Setzen wir diese 8,40 Euro in Relation zur heutigen Kaufkraft, was kriegt man für die Gebühr für die Bareinzahlung eines einzigen Fremdbank-Erlagscheins? 2 Packerl billige Zigaretten. Oder zweieinhalb Krügerl Bier. Oder etwa drei Schnitzel im Möbelhaus immer wieder mal. Oder knapp 3 Kilo Hendlfleisch, wenn der Supermarkt Aktion hat. Oder, um etwas Beständigeres zu zeigen: Eine Steppjacke im Bekleidungsdiskonter. Fazit: 8,40 Euro = 115,59 Euro sind ja immer noch eine Menge Geld, um die man sich etwas kaufen kann. Irgendwie zu schade, als dass man sie der Bank als Gebühr für 1 (!) Bareinzahlung auf ein Fremdbankkonto überlassen möchte.

Als Bawag-PSK-Aktionär freue ich mich natürlich über Kunden, die der Bank ohne Protest monatlich 42 Euro überlassen. Außer leider dieses Mal. Aber was wird sein, wenn die Bawag ab 1.1.20 nicht mehr die Bareinzahlungsgebühren der Landpostämter einsammeln darf? Schade drum, mangels Konkurrenz liegt am Land das Geld noch auf der Straße. Als Post-Aktionär sage ich: Wir schaffen es auch ohne Bawag! Mögen die Kunden, die Tele- und Internetbanking verweigern, uns in alle Zukunft erhalten bleiben!
Bawag ( Akt. Indikation:  33,54 /33,62, 0,00%)
Österreichische Post ( Akt. Indikation:  31,35 /31,50, -0,24%)

(Der Input von Günter Luntsch für den http://www.boerse-social.com/gabb vom 12.08.)



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    Kleingeld für die Bawag (Günter Luntsch)


    12.08.2019, 3658 Zeichen

    Kleingeld für die Bawag. Vorige Woche kam ich mit einem niederösterreichischen Dorfbewohner ins Gespräch. Er war auf Tagesreise in die Bezirkshauptstadt. Jawohl, Tagesreise. Es sind für ihn immerhin etwa 20 Kilometer in die Stadt und auch wieder 20 Kilometer zurück. Diese Gegend ist nicht wirklich weit von Wien entfernt, man zählt sie scherzhaft zum "Speckgürtel", obwohl die Infrastruktur total ausgedünnt ist. So wie man sich Gegenden weit von der Großstadt Wien entfernt vorstellen würde. Wochentags verkehrt nur alle paar Stunden ein Bus, sonn- und feiertags gibt es gar keinen öffentlichen Verkehr. Das Geschäft in seinem Ort ist zu, auch seine Bank in der Nachbarortschaft wurde bereits geschlossen. Zumindest hat die Nachbarortschaft noch ein Postamt, und dorthin schafft er es zu Fuß in einer Stunde, so erzählte er, am Postamt gibt er normalerweise seine fünf Erlagscheine auf. Weil seine Bank sich von dort zurückgezogen hat. Das kostet ihn jedes Mal 5 x 8,40 Euro für "Einzahlung auf eine Fremdbank", insgesamt also 42 Euro. Was soll man machen, sagte er, die Rechnungen müssen bezahlt werden, sonst gibt es horrende Mahnspesen oder noch Schlimmeres. Telebanking oder Internetbanking? Kommt für ihn nicht in Frage, dem misstraut er. Ganz so schlimm ist das mit dem Bareinzahlungsentgelt auch nicht, immerhin erspart er sich dafür 5 x die Zeilengebühr seiner Bank in Höhe von je 39 Cent. Macht eine Ersparnis von 1,95 Euro.

    Aber dieses Mal spart er einmal richtig, und er war sichtlich glücklich darüber, was er sich durch die Tagesreise mit dem Bus in die Stadt erspart. Er fährt ungern so weit weg, es ist ja nicht einfach mit dem Bus, und sehr viel Zeit kostet nicht nur die Fahrt, sondern insbesondere das Warten auf den Bus zurück. 2 x 5,80 für den Fahrschein, also 11,60 hin und zurück, plus die 1,95 für die Zeilengebühren zahle er dieses Mal zwar, rechnete er mir vor, er investiere also insgesamt 13,55, dem gegenüber stehe der Wegfall der Bareinzahlungsgebühren von 42 Euro. Die Reise in die Stadt bringt ihm also eine Nettoersparnis von 28,45 Euro.

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