08.03.2026, 4223 Zeichen
Pieter Mulier verabschiedet sich von Alaïa, Christian Astuguevieille stirbt. Die internationale Modewoche in Paris wird von zwei einschneidenden Nachrichten überschattet. Sie markieren einen beispiellosen Generationenwechsel im Luxussegment.
Innerhalb weniger Tage verliert die Branche zwei prägende Persönlichkeiten. Während der belgische Designer Mulier nach fünf Jahren seine letzte Kollektion für Alaïa zeigt, stirbt der visionäre Künstler Astuguevieille mit 79 Jahren. Beide Ereignisse reihen sich in eine Serie von Abschieden ein, die die Modeindustrie derzeit durchschüttelt.
Muliers puristischer Abschied für Alaïa
„Es war eine sehr persönliche Kollektion“, kommentieren Beobachter den letzten Laufsteg-Auftritt von Pieter Mulier für Alaïa. Statt der sonst üblichen skulpturalen Elemente setzte der Designer auf extrem körperbetonte Silhouetten. Die reduzierte Farbpalette und Materialwahl werten Branchenkenner als symbolische Übergabe an das nächste Kreativteam.
Mulier übernahm die kreative Leitung 2021, nach dem Tod des Gründers Azzedine Alaïa. Unter seiner Führung expandierte das zum Richemont-Konzern gehörende Label global und eröffnete seinen größten Flagship-Store in Paris. Ihm werden virale Verkaufsschlager wie die „Le Teckel“-Tasche zugeschrieben, die einen ganzen Trend auslöste.
Offiziell übernimmt nun das interne Designstudio, bis ein neuer Kreativdirektor ernannt ist. In Branchenkreisen gilt es jedoch als sicher: Mulier wechselt zu Versace. Eine offizielle Bestätigung der Prada-Gruppe steht noch aus.
Die Modewelt trauert um einen Visionär
Mitten in die Modewoche platzte die traurige Nachricht vom Tod Christian Astuguevieilles. Der Designer und Künstler starb bereits Mitte Februar, wie das Modehaus Comme des Garçons jetzt bekannt gab. Astuguevieille wurde 79 Jahre alt.
Sein Erbe prägt die Luxusbranche bis heute. In den 1980er Jahren war er Kreativdirektor für Parfums Rochas, später verantwortete er die Accessoires bei Nina Ricci. Seine wohl nachhaltigste Zusammenarbeit verband ihn über zwei Jahrzehnte mit Comme des Garçons.
„Er hat die Nischenparfümerie als ernsthafte Design-Disziplin etabliert“, sagt Parfümerie-Experte Paul Austin. Astuguevieilles sensorische Herangehensweise – geprägt durch eine Montessori-Kindheit – machte ihn zum unkonventionellen Schöpfer. Berühmt wurden auch seine provokanten Möbel, wie Stühle mit Hörnern, die das Sitzen unmöglich machten.
Eine Ära geht zu Ende
Die aktuellen Abschiede sind Teil einer größeren Zäsur. Erst im Januar starb Modelegende Valentino Garavani mit 93 Jahren. Ihm folgte im September 2025 Giorgio Armani, der mit 91 Jahren ein milliardenschweres Imperium hinterließ.
Parallel verlassen derzeit zahlreiche Chefdesigner ihre Posten. Olivier Rousteing verließ nach 14 Jahren Balmain, Norbert Stumpfl sagte im Dezember Brioni Lebewohl. Bei Fendi trat Silvia Venturini Fendi zurück. Eine solche Häufung von Wechseln ist beispiellos.
Was bedeutet das für die Marken? Bei Alaïa hinterlässt Mulier ein wirtschaftlich gestärktes Haus. Der Mutterkonzern Richemont hob in seinem letzten Halbjahresbericht die „anhaltende Dynamik“ der Marke hervor. Erfolge wie die begehrten Strass-Ballerinas verankerten Alaïa im ultra-exklusiven Segment.
Doch jeder Wechsel birgt Risiken. Investoren beobachten die Nachfolgeplanungen genau. Verliert ein Haus seinen Stardesigner, droht oft die treue Kundschaft. Gleichzeitig lockt die Chance, neue, jüngere Zielgruppen zu erreichen. Viele Häuser müssen aktuell auf interne Studios zurückgreifen – ein Zeichen für den Mangel an verfügbaren Top-Talenten.
Wohin steuert der Luxusmarkt?
Die kommenden Monate werden Richtung weisen. Die Branche wartet gespannt auf die offizielle Bestätigung von Muliers Wechsel zu Versace. Gleichzeitig müssen Häuser wie Balmain, Alaïa und Brioni zeitnah neue kreative Köpfe präsentieren.
Der Verlust von Visionären wie Astuguevieille, Valentino und Armani hinterlässt eine Lücke, die sich nicht einfach besetzen lässt. Ihr Erbe bleibt, doch die Zukunft gestaltet jetzt eine neue Generation. Marktexperten rechnen mit weiteren strategischen Schritten und möglicher Marktkonsolidierung. Die Häuser müssen das schwierige Gleichgewicht zwischen historischem Erbe und moderner Relevanz neu finden.
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