18.03.2026, 4725 Zeichen
Die Spritpreise in Deutschland schießen trotz sinkender Rohölkosten weiter in die Höhe. Die Bundesregierung plant nun scharfe Marktkontrollen, während Verbraucher und Politik über Steuersenkungen streiten.
Geopolitische Krise trifft auf hohe Steuerlast
Aktuelle Konflikte im Nahen Osten trieben den Ölpreis im März 2026 kurzzeitig auf fast 120 Dollar pro Fass. Obwohl sich der Weltmarktpreis bis Mitte März auf etwa 102 Dollar beruhigte, blieben die Tankstellenpreise in Deutschland auf Rekordniveau. Besonders Diesel überschritt die Zwei-Euro-Marke und erreichte Anfang März bis zu 2,11 Euro pro Liter.
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Der ADAC dokumentierte einen Anstieg von über 27 Cent innerhalb einer Woche. Die Preise stiegen damit doppelt so schnell wie im EU-Durchschnitt. Fast die Hälfte des Dieselpreises und fast 60 Prozent des Benzinpreises machen Steuern und Abgaben aus. Dazu zählen Energie- und Mehrwertsteuer sowie der nationale CO2-Preis, der 2026 auf 55 bis 65 Euro pro Tonne angehoben wurde.
Vorwürfe des „Räuberkapitalismus“ gegen Mineralölkonzerne
Unabhängige Tankstellenbetreiber werfen den großen Mineralölkonzernen scharfe Preistreiberei vor. Der Tankstellen-Interessenverband (TIV) spricht von „Räuberkapitalismus“. Die Konzerne würden mit günstig eingekauften und gelagerten Produkten aktuelle Höchstpreise erzielen. Die örtlichen Tankstellen hätten keine Kontrolle über die Zapfsäulenpreise und müssten den Unmut der Kunden ausbaden.
Auch die Monopolkommission sieht strukturelle Probleme. Deren Vorsitzender, Tomaso Duso, betont: Es sei wettbewerbspolitisch problematisch, wenn die Verkaufspreise deutlich schneller steigen als die Rohstoffkosten. Experten verweisen auf die marktbeherrschende Stellung weniger integrierter Konzerne in Deutschland.
Politische Forderungen nach Steuerentlastung
Angesichts der Belastung für Verbraucher und Logistikunternehmen wächst der Druck auf die Bundesregierung. Der ADAC fordert eine temporäre Senkung der Energiesteuer. Sven Schulze (CDU), seit Januar 2026 Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, verlangt eine „Steuerbremse“: „Der Staat darf sich nicht über Krisengewinne bereichern.“
Die Bundesregierung lehnt pauschale Steuersenkungen jedoch ab. Sie verweist auf die ökologisch kontraproduktive Wirkung und die hohen Kosten vergangener Tankrabatte, von denen vor allem Gutverdiener profitiert hätten. Zudem könnten Steuersenkungen von den Konzernen einfach aufgefangen werden.
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Reiche kündigt schärfere Kartellaufsicht an
Statt auf Steuersenkungen setzt Wirtschaftsministerin Katherina Reiche auf schärfere Regulierung. Mitte März kündigte sie an, das Kartellrecht zu verschärfen. Das Bundeskartellamt soll mehr Befugnisse erhalten, um bei überhöhten Preisen marktbeherrschender Unternehmen einzugreifen.
Zudem plant die Regierung eine Preisregel nach österreichischem Vorbild. Tankstellen dürften demnach den Spritpreis nur noch einmal täglich, und zwar mittags, anheben. Senkungen blieben jederzeit möglich. Ziel ist es, die für Verbraucher undurchschaubaren Schwankungen innerhalb eines Tages zu beenden. Die Regelung soll noch vor der Osterreisezeit in Kraft treten. Experten sind skeptisch, ob dies das Preisniveau senkt – Konzerne könnten vorsorglich höhere Grundpreise festsetzen.
Hohe Spritkosten als Dauerzustand
Die aktuelle Krise zeigt den Zielkonflikt zwischen Klimapolitik und sozialer Verträglichkeit. Der steigende CO2-Preis wirkt wie geplant, doch geopolitische Schocks verstärken die Belastung. Die Marktmacht weniger Konzerne ermöglicht es, diese Kosten plus Aufschläge an die Verbraucher weiterzugeben.
Die Aussichten sind düster: Die geplanten Maßnahmen dürften die grundlegenden Preistreiber kaum bremsen. Die Einbeziehung des Verkehrs in den europäischen Emissionshandel (EU-ETS 2) ab 2027 droht mit weiteren Kostensteigerungen. Ohne Steuersenkungen werden die hohen Preise den Umstieg auf E-Mobilität beschleunigen und die Logistikbranche zu mehr Effizienz zwingen. Für Verbraucher bleibt Mobilität vorerst ein teures Gut.
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