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EU schafft 150-Euro-Zollfreigrenze ab ( Finanztrends)

01.03.2026, 4324 Zeichen

Ab Juli müssen Verbraucher für fast jedes Paket aus Nicht-EU-Ländern Zoll zahlen. Die EU beendet damit eine Ära des zollfreien Online-Shoppings, um Wettbewerbsverzerrungen und Betrug einzudämmen. Eine Übergangslösung mit Pauschalgebühren läuft bis 2028.

Die weitreichende Reform des EU-Zollrechts ist beschlossen. Der Rat der Europäischen Union hat die Abschaffung der 150-Euro-Freigrenze für Pakete aus Drittstaaten endgültig besiegelt. Ab dem 1. Juli 2026 unterliegt jede Sendung von außerhalb der EU der Verzollung – unabhängig von ihrem Wert. Bisher waren Waren unter 150 Euro zollfrei.

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Die alte Regelung stammt aus einer Zeit vor dem Boom des globalen E-Commerce. Heute gelangen jährlich schätzungsweise über 4,6 Milliarden Kleinsendungen in die EU, ein Großteil davon über chinesische Plattformen wie Shein, Temu und AliExpress. Dies hat zwei Hauptprobleme geschaffen:

Erstens leiden europäische Händler unter unfairem Wettbewerb. Während sie auf ihre Waren stets Mehrwertsteuer und Zölle abführen müssen, profitierten viele Drittlands-Anbieter von der Freigrenze. Zweitens wird das System massiv betrogen. Bis zu 65 Prozent der Pakete werden laut EU mit künstlich niedrig deklariertem Warenwert verschickt, um Abgaben zu umgehen.

„Die Reform stellt faire Bedingungen für unseren Binnenmarkt wieder her“, so die Kernbotschaft aus Brüssel. Es gehe nicht primär um Mehreinnahmen, sondern um den Schutz heimischer Unternehmen und Verbraucher.

Übergang mit Pauschalzoll: 3 Euro pro Kategorie

Da das vollständig digitalisierte Zollsystem der EU erst 2028 startet, gilt bis dahin eine Übergangsregelung. Vom 1. Juli 2026 bis zum 1. Juli 2028 wird für Privatsendungen unter 150 Euro ein Pauschalzoll von 3 Euro pro Warenkategorie erhoben.

Ein Beispiel der Zollbehörden verdeutlicht die Praxis: Enthält ein Paket eine Seidenbluse und zwei Wollblusen, werden zwei Warenkategorien angesetzt. Der Pauschalzoll beträgt dann 6 Euro. Diese Gebühr fällt zusätzlich zur Einfuhrumsatzsteuer an. Betroffen sind vor allem internationale E-Commerce-Händler, Marktplätze und Logistikdienstleister.

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Mehr Kontrolle, mehr Sicherheit

Die Reform gibt den Zollbehörden endlich wirksame Werkzeuge an die Hand, um die Paketflut zu steuern. Bisher war es kaum möglich, die Einhaltung von EU-Standards bei Produktsicherheit oder Umweltauflagen bei Millionen Kleinsendungen zu überprüfen. Der massive Zustrom nicht konformer oder potenziell unsicherer Produkte stellte ein wachsendes Risiko dar.

Künftig wird die Verantwortung stärker bei den großen Online-Plattformen liegen. Sie müssen für die korrekte Abwicklung der Zollformalitäten sorgen. Für Verbraucher bedeutet das langfristig mehr Transparenz über tatsächliche Kosten und besseren Schutz vor unseriösen Waren.

Der digitale Endausbau ab 2028

Die Pauschallösung ist nur der erste Schritt. Das Herzstück der Reform ist die zentrale EU-Zolldatenplattform („EU Customs Data Hub“) und eine neue EU-Zollbehörde (EUCA), die 2028 starten sollen.

Unternehmen müssen ihre Daten dann nur noch einmal in ein einziges Portal eingeben. Der bürokratische Aufwand soll drastisch sinken. Die EU rechnet mit jährlichen IT-Einsparungen in den Mitgliedstaaten von rund 2 Milliarden Euro. Ist das System im Betrieb, wird die 3-Euro-Pauschale durch warenspezifische Zollsätze ersetzt, die vollautomatisch berechnet werden.

Für die Wirtschaft verspricht das einen effizienteren Zugang zum EU-Binnenmarkt. Für Verbraucher endet jedoch die Zeit der vermeintlichen Schnäppchen ohne versteckte Kosten. Der Preis für mehr Fairness und Sicherheit ist nun auf jeder Rechnung sichtbar.


(01.03.2026)

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