21.03.2026, 3210 Zeichen
Der tiefste Einschnitt seit dem Börsengang: Porsche AG halbiert sein Händlernetz in China und fährt die operative Marge auf ein Bruchteil des Vorjahreswerts herunter. Zehn Tage nach der Jahrespressekonferenz verdichten sich die Konturen eines Umbaus, der das Unternehmen grundlegend verändern soll.
China-Rückzug als strategische Zäsur
Lange war China der wichtigste Wachstumsmarkt. Jetzt dreht Porsche die Strategie um 180 Grad. Das Händlernetz schrumpft bis Ende 2026 von 150 auf 80 Standorte — eine Halbierung. Hintergrund: Die Auslieferungen im Reich der Mitte brachen 2025 um 26 Prozent auf 42.000 Einheiten ein. Chinesische Hersteller haben bei Technologie und Preis aufgeholt und setzen europäische Premiummarken unter strukturellen Druck. Zusätzlich stellt Porsche ab März 200 eigene Ladestationen ab.
Das Motto lautet "Value over Volume" — weniger Präsenz, dafür höhere Preisdisziplin. Ob diese Rechnung aufgeht, hängt davon ab, wie viel Premiumpreissetzungsmacht in einem Markt noch übrig ist, den Porsche gerade freiwillig verkleinert.
Marge auf 1,1 Prozent eingebrochen
Die Zahlen für 2025 zeigen das Ausmaß der Belastungen. Der Konzernumsatz lag bei 36,27 Milliarden Euro, die operative Marge aber nur noch bei 1,1 Prozent — nach 14,1 Prozent im Vorjahr. Die weltweiten Auslieferungen sanken um 10 Prozent auf rund 279.000 Fahrzeuge.
Die Dividende wurde deutlich gekürzt: Je Stammaktie schlagen Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung 1,00 Euro vor. Trotz der Kürzung liegt die Ausschüttung über der ursprünglichen Guideline von 50 Prozent des Gewinns — ein Signal, dass das Management die Lage als außergewöhnlich, aber nicht dauerhaft einstuft.
Auch 2026 wird kein einfaches Jahr. CFO Jochen Breckner kündigte einmalige Ergebnisbelastungen in hoher dreistelliger Millionenhöhe an. Die Guidance — Umsatz zwischen 35 und 36 Milliarden Euro, operative Marge 5,5 bis 7,5 Prozent — blieb unter den Analystenerwartungen.
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Cayenne Electric als Schlüsseltest
Neuer CEO Michael Leiters, seit Januar 2026 im Amt und zuvor CTO bei Ferrari, setzt auf Portfoliooptimierung und verschlankte Führungsstrukturen. Verbrenner- und Hybridmodelle gewinnen im Mix wieder an Bedeutung, da sie derzeit stabilere Margen liefern als reine Elektromodelle.
Der zentrale Hebel für eine Margenerholung ist der Cayenne Electric, dessen vollständige Auslieferungen ab Sommer 2026 erwartet werden. Flankiert werden soll das durch anhaltend starke 911-Nachfrage und Kostensenkungen aus dem laufenden Effizienzprogramm.
Die Aktie notiert aktuell auf ihrem 52-Wochen-Tief von 36,30 Euro — rund 30 Prozent unter dem Jahreshoch vom März 2025. Den ersten messbaren Fortschritt des Umbaukurses liefern die Quartalszahlen am 29. April 2026.
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