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"Für Aktien ist es noch zu früh"

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23.04.2020, 2764 Zeichen

"Wie und wann diese Krise zu Ende gehen wird, ist weiterhin unklar, was die Volatilität an den Märkten befeuert“, sagt Jean-Marie Mercadal, Chef-Stratege bei OFI Asset Management. „Der S&P 500 erlebte im April seine beste Woche seit fast 45 Jahren und stieg um +12%.“

Dieser Anstieg folgt auf einen anfänglichen Rückgang von etwa -35% in weniger als fünf Wochen. Zwischen dem 16. März und dem 10. April stieg der S&P 500 immer noch um +25%. Damit haben US-Aktien die Talsohle vom März durchschritten und die Hälfte ihrer anfänglichen Verluste wettgemacht. Die europäischen Aktien haben sich ähnlich entwickelt: minus 35%, gefolgt von einer Erholung um 21% im gleichen Zeitraum.

"Die Gründe sind auf beiden Seiten des Atlantiks dieselben: Die Märkte sind abgestürzt, weil die Bevölkerung und Wirtschaft aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen plötzlich zum Stillstand kamen. Dank der Geschwindigkeit und des Umfangs der von den Zentralbanken und den Regierungen ergriffenen Maßnahmen, stiegen die Märkte dann wieder rasch. Wir glauben allerdings, dass die nächste Phase unsicherer sein wird. Kurzfristig werden sich die Märkte im Gleichschritt mit dem makroökonomischen und mikroökonomischen Nachrichtenstrom bewegen, der jetzt auf uns einprasselt. Wir sind der Ansicht, dass die Unternehmensgewinne sehr stark einbrechen werden, weshalb wir einem Investment in Aktien gegenüber vorsichtig sind. In einer Rezession gehen wir davon aus, dass die Einnahmen von Unternehmen um 30 bis 40 Prozent sinken könnten. Was jedoch noch schwerwiegender ist, dass wir nicht einschätzen können, ob sich die Unternehmensgewinne 2021 wieder normalisieren werden.", so der Experte.

Goldman Sachs hat sein Szenario revidiert und meint nun, dass die Märkte die Talsohle bereits durchschritten hätten. Sie erwarten, dass der S&P 500 bis zum Jahresende 3.000 Punkte erreichen wird, da die Leitzinsen niedrig sind, groß angelegte Konjunkturprogramme die Wirtschaft stützen und die Epidemie kurz vor dem Höhepunkt stehe. Andere Experten sind der Meinung, dass die Corona-Krise länger dauern und schwerwiegende Auswirkungen haben werden, was noch nicht vollständig in die Unternehmensgewinne eingepreist sei.

"Wenn wir davon ausgehen, dass die Normalität recht schnell wiederhergestellt wird, dann würden wir von einem Kurs-Gewinn-Verhältnis bei US-Aktien von 16 und europäischen Aktien von 13 ausgehen. Dies muss aber nicht der Fall sein, insbesondere weil die Dividenden in diesem Jahr wohl halbiert werden. Wir halten es deshalb kurzfristig für die beste Option, in Investment Grade- und Hochzinsanleihen – bevorzugt in Lokalwährungsanleihen aus Schwellenländern – zu investieren, die vom Markt über Gebühr und vor allem hinsichtlich der Währungen abgestraft wurden und attraktive Renditen bieten.“



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1. Jean-Marie Mercadal, CIO beim französischen Vermögensverwalter OFI Asset Management, Credit: OFI   >> Öffnen auf photaq.com

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Jean-Marie Mercadal, CIO beim französischen Vermögensverwalter OFI Asset Management, Credit: OFI


Autor
Christine Petzwinkler
Börse Social Network/Magazine


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