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19.01.2020, 4834 Zeichen

Ein Beitrag von Tamara Kirner, FH St. Pölten

Sie ist das Schreckgespenst und gleichzeitig der große Hoffnungsträger der modernen Geschäftswelt: Die Digitalisierung. Sie bietet großes Potenzial, fordert allerdings auch entsprechende Entwicklungsbereitschaft. Wie also geht der Kapitalmarkt mit Digitalisierung um? Diese und weitere Fragen versuchten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Panels „Der digitale Kapitalmarkt“ bei der CIRA Jahreskonferenz 2019 zu beantworten.

Die Digitalisierung bietet besonders im Bereich der Finanzkommunikation bereits jetzt Tools und Möglichkeiten, mit denen vielfach Prozesse erleichtert und Arbeitsfelder verändert werden können. So ermöglicht es zum Beispiel das Dateiformat XBRL (Extensible Business Reporting Lang­uage). Finanzdaten in einer strukturierten Form zu veröffentlichen. Diese „Sprache“ dient dazu, Berichte von Unternehmen – wie zum Beispiel den Jahresabschluss – elektronisch zu standardisieren und sie so für Maschinen lesbar und vergleichbar zu machen. Beides sind unverzichtbare Voraussetzungen, um die darin enthaltenen Daten digital nutzen zu können. Bisher scheinen Unternehmen XBRL nur zögerlich nutzen zu wollen. Sie begnügen sich derzeit großteils damit, ihre Geschäftsberichte im PDF-Format auf ihre Website zu stellen und sich dann des digitalen Fortschrittes zu rühmen. Ob man damit aber noch jemanden – besonders die jüngere Generation von Finanzexpertinnen und -experten – hinter dem Ofen hervorholt, ist fraglich.

Wie sehr standardisierte und vergleichbare Daten über Gewinne oder Verluste entscheiden können, zeigt sich deutlich an der Verarbeitungsgeschwindigkeit bei Finanzberichterstattern wie Bloomberg. Sendet ein Unternehmen eine börsenrelevante Adhoc-Meldung als Fließtext aus, durchkämmen die Algorithmen und Finanzanalysten von Bloomberg den Text nach den relevanten Zahlen. Das kann mehrere Minuten dauern. Erhalten die Akteure jedoch strukturierte und standardisierte Datensätze, reduziert sich die Analysezeit auf wenige Sekunden.

Digitalisierung verändert Kommunikation. Generell wird die Digitalisierung die Art verändern, mit der Unternehmen mit ihren Zielgruppen kommunizieren. Besonders das Corporate Reporting wird davon beeinflusst werden. Immer neue Tools und Techniken ermöglichen ein schnelleres und effizienteres Erstellen von Geschäftsberichten. Werden dadurch nicht Jobs gefährdet, mögen sich jetzt manche fragen? Keinesfalls! Werden sich die Anforderungen an den Investor Relations-Experten verändern? Unbestreitbar!

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz werden die Kommunikationsarbeit im Finanzsektor nicht verdrängen, aber ihre Aufgaben verschieben. Daten sammeln, Zahlen aufbereiten und alles in Geschäftsberichte einlesen, wird in Zukunft der Computer erledigen. Die Aufgabe der Investor Relations wird es aber in Zukunft sein, diese Zahlen kreativ zu gestalten und vor allem angepasst an die jeweilige Zielgruppe zu vermitteln.

Die heutige Generation hat andere Ansprüche an die Art, wie mit ihr kommuniziert wird. Sie will nicht nur rezipieren, sie will aktiv teilnehmen. Will gefragt werden. Die Stichwörter „Usability“ und „interaktive Benutzeroberflächen“ sollten hier ganz klar in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken, denn es zählt nicht länger ausschließlich der Inhalt. Auch die Kanäle werden zunehmend relevanter, um den Bedürfnissen einer neuen Generation von Finanzexpertinnen und Experten sowie Investorinnen und Investoren gerecht zu werden.

About: In der Coverstory des Börse Social Magazines #35 erzählte UBM-Chef Thomas Winkler u.a., wie er an der Gründung der CIRA beteiligt war. Und wie im vergangenen Magazine geschrieben: Die CIRA ist ein Essential geworden, die Jahreskonferenz ist für mich das fachliche Event-Highlight Nr. 1 im Börsebereich. Well done, Elis Karner & Co.! Freilich ist das Ganze nicht ohne Geldgeber möglich, und da ist seit Jahren die Baader Bank aus München ganz oben als Solo-Hauptsponsor angeführt. Ein Danke auch von mir für diesen Support der österreichischen Kapitalmarktkultur. Bei uns laufen die Dinge ja anders als in Deutschland. Während der dortige IR-Verband DIRK vor allem auf Gesetzesinitiativen und (freilich dringend benötigtes!) Lobbying bei der Politik setzt (das tut zB auch der Zertifikateverband DDV), sind die Österreicher eher die Connecter  mit den Listed Companies, die Kooperation ist intensiver, wie ich vernehme. Auf den folgenden Seiten fassen die omnipräsenten StudentInnen der FH St. Pölten Highlights der CIRA-Tagung zusammen. Abschließend schreibt Ex-Baader-Analystin Christine Reitsamer, dass die IR zur Kür wird. Sehe ich auch so. Und so schaffen wir im #gab‚b nun einen regelmäßigen IR-Bereich. Gastinputs auch von IR-Leuten erwünscht!  (DRA)

Aus dem "Börse Social Magazine #35" - 1 Jahr, 12 Augaben, 77 Euro. Ca. 100 Seiten im Monat, ca. 1200 Seiten Print A4



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1. MWF-Studierende im und mit dem aktuellen Börse Social Magazine: Zweite Reihe (von links nach rechts): Philipp Marchart, re Moritz Rausch Erste Reihe (von links nach rechts): Lisa Loidl, Tamara Kirner, Anna Klinz, Karoline Peck

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    19.01.2020, 4834 Zeichen

    Ein Beitrag von Tamara Kirner, FH St. Pölten

    Sie ist das Schreckgespenst und gleichzeitig der große Hoffnungsträger der modernen Geschäftswelt: Die Digitalisierung. Sie bietet großes Potenzial, fordert allerdings auch entsprechende Entwicklungsbereitschaft. Wie also geht der Kapitalmarkt mit Digitalisierung um? Diese und weitere Fragen versuchten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Panels „Der digitale Kapitalmarkt“ bei der CIRA Jahreskonferenz 2019 zu beantworten.

    Die Digitalisierung bietet besonders im Bereich der Finanzkommunikation bereits jetzt Tools und Möglichkeiten, mit denen vielfach Prozesse erleichtert und Arbeitsfelder verändert werden können. So ermöglicht es zum Beispiel das Dateiformat XBRL (Extensible Business Reporting Lang­uage). Finanzdaten in einer strukturierten Form zu veröffentlichen. Diese „Sprache“ dient dazu, Berichte von Unternehmen – wie zum Beispiel den Jahresabschluss – elektronisch zu standardisieren und sie so für Maschinen lesbar und vergleichbar zu machen. Beides sind unverzichtbare Voraussetzungen, um die darin enthaltenen Daten digital nutzen zu können. Bisher scheinen Unternehmen XBRL nur zögerlich nutzen zu wollen. Sie begnügen sich derzeit großteils damit, ihre Geschäftsberichte im PDF-Format auf ihre Website zu stellen und sich dann des digitalen Fortschrittes zu rühmen. Ob man damit aber noch jemanden – besonders die jüngere Generation von Finanzexpertinnen und -experten – hinter dem Ofen hervorholt, ist fraglich.

    Wie sehr standardisierte und vergleichbare Daten über Gewinne oder Verluste entscheiden können, zeigt sich deutlich an der Verarbeitungsgeschwindigkeit bei Finanzberichterstattern wie Bloomberg. Sendet ein Unternehmen eine börsenrelevante Adhoc-Meldung als Fließtext aus, durchkämmen die Algorithmen und Finanzanalysten von Bloomberg den Text nach den relevanten Zahlen. Das kann mehrere Minuten dauern. Erhalten die Akteure jedoch strukturierte und standardisierte Datensätze, reduziert sich die Analysezeit auf wenige Sekunden.

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