26.09.2015, 3273 Zeichen
Die Börse fällt seit Wochen. Was machen die meisten Anleger, wenn die Kurse fallen? Sie verkaufen. Dabei wäre es ideal einfach durchzuhalten oder die schwachen Kurse für Zukäufe zu nutzen. Denn im langen Schnitt steigt die Börse. Der typische Anleger macht immer das Falsche. Er kauft teuer und verkauft niedrig.
Es liegt am mangelhaften Finanzwissen. In Deutschland muss das Wissen im Vergleich mit anderen Industrieländern grottenschlecht sein. Die Aktie wird jedenfalls stiefmütterlich behandelt. Nur 14 Prozent der Deutschen besitzt direkt oder indirekt Aktien. Ein Blick über den Atlantik zeigt, wer sein Geld besser für sich arbeiten lässt: 55 Prozent der Amerikaner sparen mit Aktien.
Woran liegt die Geringschätzung hierzulande? Die Deutschen haben eine Risikoaversion. Sie lieben Sparbücher, Festgelder, Sparbriefe und das Bausparen.
Ein weiterer Hemmschuh sind die steuerlichen Rahmenbedingungen. Berlin bestraft Aktienbesitzer. Riester-Sparer und Immobilienbesitzer werden dagegen auf Händen getragen.
Riester-Versicherungen fördert der deutsche Staat jedes Jahr mit Milliardensummen. Dabei sind die Riester-Produkte umstritten. Kunden werden vielfach mit überhöhten Kosten (Vertriebsprovisionen, Verwaltungskosten…) belastet. Die Renditen sind meist lausig.
Die Bundesregierung unterschätzt den finanziellen Schaden, der durch Gebühren und Abschlusskosten entsteht. Außerdem scheint in Berlin der Effekt des Zinseszinses nicht verstanden zu werden. Anders kann ich mir die verfehlte Politik nicht erklären. Es müsste eigentlich oberstes Ziel der Politik sein, den Menschen zu helfen.
Die Aktie ist die beste Anlageform, die es gibt. Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) predigt das seit Dekaden. Leider kommt die Botschaft bislang nicht an. Wobei neuerdings etwas mehr Hoffnung besteht (PDF-Studie DAI).
Aber noch ist viel Grundlagenarbeit nötig. Selbst junge Deutsche lieben das Sparbuch, wie eine Befragung der Postbank zeigt. Aktien besitzt die junge Generation kaum, was erschreckend ist. Gerade heranwachsende Internetuser sollten in der Lage sein, attraktivere Renditen als Sparbuchzinsen zu finden.
Dass der Zinseszins nicht verstanden wird, ist ein weltweites Phänomen. Wir Menschen haben ein Problem damit, exponentielles Wachstum gedanklich zu begreifen. Wir können uns nur lineares Wachstum vorstellen.
Falten Sie ein Papier 50 Mal in der Mitte. Wie dick wäre es? Es wäre durch die stetige Verdopplung so dick, dass es bis zur Sonne reichen würde:
Starten Sie mit 1 Cent. Und verdoppeln Sie das Geld täglich. Wie viel Geld haben Sie nach 30 Tagen? 10,7 Millionen Euro.
Starten Sie mit einem 1 Euro. Wie viel Geld haben Sie nach 30 Tagen täglicher Verdopplung? 1 Milliarde Euro.
Was lernen wir daraus? Setzen Sie auf Aktien. Langfristig! Passen Sie auf Gebühren auf, sie schmälern nämlich Ihre Rendite.
Zum Schluss zeige ich Ihnen, was Sie machen können, wenn Sie jung sind: Sparen Sie 200 Euro in ein S&P-500-Index-Produkt. Ich unterstelle 8,5 Prozent Rendite. Sie werden nach 45 Jahren 1,1 Millionen Euro haben. Das ist mehr, als Ihnen ein Sparbuch bringt.
PS: Ich schreibe eine Value-Investing-Kolumne im „aktien“-Magazin. Eine kostenlose Probeausgabe können Sie hier anfordern: http://www.traderfox.de/aktienmagazin
Im Original hier erschienen: Der unterschätzte Zinseszins
Börsepeople im Podcast S24/23: Daniela Klauser
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