"Die Hinichen", Klaus Werner Lobo, Muff Sopper, Social Media ... (Robert Zikmund)

Magazine aktuell


#gabb aktuell



11.12.2012, 4028 Zeichen

Seit Tagen erregt man sich per Social Media über ein abgesagtes Konzert.

Mal ein paar Zeilen zur "Bierzelthooligan"-Band "Die Hinichen" vorab: Wer Texte wie "Oft ist die Oide deppert, sie spielt emanzipiert, dann ist es meist das Beste, wenn man ihr eine schmiert, und kriegt sie ihre Flaschn, ins Frauenhaus sie rennt, ich sag seids ja net deppert, die Hütten wird niederbrennt" auf einer Bühne und Tonträgern darbietet, ist weder ironisch-künstlerisch, noch ein zynischer Tabubrecher, sondern einfach nur ein Schreibtischtäter, der sich die öffentliche Ächtung verdient hat.

Was die Hinichen produzieren, ist nicht nur textlich sondern auch musikalisch unter aller Bierzelt-Sau, vermutlich nicht mal mit über zwei Promille erträglich und speist sich einzig aus der Empörung, die sie mit ihrer Provokation dann leider doch auslösen.
Und dennoch muss man das, sofern nicht tatsächlich ein strafrechtlicher Tatbestand nach §283 Abs.1-2 STGB erfüllt ist, aushalten können.

So hart sich das anhört. Denn, wie Robert Misik schreibt, die Freiheit der Kunst ist auch dann nicht verhandelbar, wenn fast alle der Meinung sind, dass dies natürlich keinerlei künstlerischen Mehrwert hat. Allerdings ist das auch gar nicht Gegenstand der Debatte, wie einige – allen voran ein paar übereifrige "Zensur"-Schreier von ganz rechts – noch am Wochenende meinten.

Das am Samstag abgesagte Konzert der Hinichen konnte nur deshalb per Anfrage des grünen Kultursprechers Klaus Werner Lobo gestoppt werden, weil der Gasometer pro Jahr mit über 700.000 € von der öffentlichen Hand subventioniert wird.

Und um diese Förderung zu erhalten, muss der Gasometer, wie auch alle anderen Subventionsempfänger, gewisse Auflagen einhalten. Dass man im Gasometer wie auch in der Szene Wien unter der Leitung von Muff Sopper manchmal Schwierigkeiten hatte, (und hat) dem Auftrag, "weniger kommerzielle Musik zu fördern" nachzukommen, ist eine Sache, dass nach den Richtlinien ganz dezidiert sexistische und rassistische Darbietungen nicht förderungswürdig sind, aber ein andere.

Mit dem Hinweis auf diese Vereinbarung von Förderrichtlinien konnte Lobo schlussendlich zur Absage beitragen. Die übergroße Zensur-Aufregung dreht sich also ausschließlich um die Frage, ob so eine Band auf einer öffentlich finanzierten Bühne etwas verloren hat.

Dass die meisten Veranstaltungslokalitäten in Österreich in irgendeiner Form gefördert werden und man natürlich auch beachten muss, ob tatsächlich direkt zurechenbare Kosten die Subvention fressen, also durch ein bestimmtes Konzert entstehen, möchte ich der Einfachheit halber an dieser Stelle mal außen vor lassen.

Vor allem betrifft diese Thematik ja nicht nur die Aggro-Bierzeltmucke der Hinichen (die übrigens schon 2011 mit weniger Aufsehen im Gasometer spielten): Erst vor ein paar Wochen fand ebenfalls im Gasometer ein Konzert der Südtiroler Nationalistenband Frei.Wild statt, vor kurzem wurde ein (nicht-subventioniertes) Club-Konzert der umstrittenen Neofolk Band "Death In June" von Aktivisten verhindert.

Einigermaßen bizarr lesen sich im Streit um Meinungsfreiheit und Zensur (der ja eben keiner ist, sondern halt ein Streit um Förderungen) auch die Stimmen der sich verfolgt Glaubenden. Während man sich bei der FPÖ im Rathaus in einer rotgrünen Meinungsdiktatur wähnt, sehen sich die Hinichen selbst gar als die heimischen Pussy Riot.

Was mich an der Causa nachgerade schreckt, ist allerdings ein ganz anderer Gedanke: Nämlich die Vorstellung, dass die "Hinichen", deren gesamte Resonanz auf provozierter Empörung fußt, es jetzt "endlich geschafft haben". Dass sie seit dem Wochenende ein Bier nach dem anderen aufmachen, während sie den erbosten Streit – der auch mitten durch die Grünen selbst geht – mit Schadenfreude beobachten und darüber lachen, plötzlich mehr Youtube-Klicks als jemals zuvor haben.

(Wortspende mit freundlicher Genehmigung von Robert Zikmund, FM4 - http://www.facebook.com/robert.zikmund ). Mehr von Robert Zikmund HIER.





BSN Podcasts
Christian Drastil: Wiener Börse Plausch

kapitalmarkt-stimme.at daily voice 92/365: Ich beantworte 5 HörerInnen-Fragen zum Aktienmarkt so gut es geht, so weit ich darf (1)




 

Bildnachweis

1.

Aktien auf dem Radar:Porr, FACC, DO&CO, Agrana, Frequentis, Pierer Mobility, Lenzing, Semperit, AT&S, CA Immo, Josef Manner & Comp. AG, Palfinger, Stadlauer Malzfabrik AG, Warimpex, Addiko Bank, Flughafen Wien, Oberbank AG Stamm, Zumtobel, RHI Magnesita, Austriacard Holdings AG, Amag, OMV, Österreichische Post, Telekom Austria, Uniqa, VIG.


Random Partner

Österreichische Post
Die Österreichische Post ist der landesweit führende Logistik- und Postdienstleister. Zu den Hauptgeschäftsbereichen zählen die Beförderung von Briefen, Werbesendungen, Printmedien und Paketen. Das Unternehmen hat Tochtergesellschaften in zwölf europäischen Ländern.

>> Besuchen Sie 60 weitere Partner auf boerse-social.com/partner




Useletter

Die Useletter "Morning Xpresso" und "Evening Xtrakt" heben sich deutlich von den gängigen Newslettern ab. Beispiele ansehen bzw. kostenfrei anmelden. Wichtige Börse-Infos garantiert.

Newsletter abonnieren

Runplugged

Infos über neue Financial Literacy Audio Files für die Runplugged App
(kostenfrei downloaden über http://runplugged.com/spreadit)

per Newsletter erhalten


Ausgewählte Events von BSN-Partnern


Meistgelesen
>> mehr





PIR-Zeichnungsprodukte
Newsflow
>> mehr

Börse Social Club Board
>> mehr
    BSN MA-Event Bayer
    wikifolio-Trades Austro-Aktien 22-23: Kontron(5), Frequentis(1)
    wikifolio-Trades Austro-Aktien 21-22: Kontron(4), CPI Europe AG(2), Bawag(2), voestalpine(2), Erste Group(1)
    wikifolio-Trades Austro-Aktien 20-21: Palfinger(1), Wienerberger(1)
    wikifolio-Trades Austro-Aktien 19-20: Kontron(1), Andritz(1)
    wikifolio-Trades Austro-Aktien 18-19: RBI(1)
    Star der Stunde: RHI Magnesita 1.99%, Rutsch der Stunde: Lenzing -2.01%
    wikifolio-Trades Austro-Aktien 17-18: Kontron(1), OMV(1), Rosenbauer(1)
    Star der Stunde: DO&CO 1.17%, Rutsch der Stunde: Palfinger -1.5%

    Featured Partner Video

    Nicht wirklich Weltklasse

    Das Sporttagebuch mit Michael Knöppel - 25. März 2025 E-Mail: sporttagebuch.michael@gmail.com Instagram: @das_sporttagebuch Twitter: @Sporttagebuch_
    Das Sporttagebuch mit Michael Knöppel - 25. ...

    Books josefchladek.com

    Olivia Arthur
    Murmurings of the Skin
    2024
    Void

    Ruth Lauer Manenti
    I Imagined It Empty
    2024
    RM

    Bryan Schutmaat & Ashlyn Davis
    Islands of the Blest
    2014
    Twin Palms Publishers

    Bryan Schutmaat
    County Road
    2023
    Trespasser

    Tony Dočekal
    The Color of Money and Trees
    2024
    Void

    "Die Hinichen", Klaus Werner Lobo, Muff Sopper, Social Media ... (Robert Zikmund)


    11.12.2012, 4028 Zeichen

    Seit Tagen erregt man sich per Social Media über ein abgesagtes Konzert.

    Mal ein paar Zeilen zur "Bierzelthooligan"-Band "Die Hinichen" vorab: Wer Texte wie "Oft ist die Oide deppert, sie spielt emanzipiert, dann ist es meist das Beste, wenn man ihr eine schmiert, und kriegt sie ihre Flaschn, ins Frauenhaus sie rennt, ich sag seids ja net deppert, die Hütten wird niederbrennt" auf einer Bühne und Tonträgern darbietet, ist weder ironisch-künstlerisch, noch ein zynischer Tabubrecher, sondern einfach nur ein Schreibtischtäter, der sich die öffentliche Ächtung verdient hat.

    Was die Hinichen produzieren, ist nicht nur textlich sondern auch musikalisch unter aller Bierzelt-Sau, vermutlich nicht mal mit über zwei Promille erträglich und speist sich einzig aus der Empörung, die sie mit ihrer Provokation dann leider doch auslösen.
    Und dennoch muss man das, sofern nicht tatsächlich ein strafrechtlicher Tatbestand nach §283 Abs.1-2 STGB erfüllt ist, aushalten können.

    So hart sich das anhört. Denn, wie Robert Misik schreibt, die Freiheit der Kunst ist auch dann nicht verhandelbar, wenn fast alle der Meinung sind, dass dies natürlich keinerlei künstlerischen Mehrwert hat. Allerdings ist das auch gar nicht Gegenstand der Debatte, wie einige – allen voran ein paar übereifrige "Zensur"-Schreier von ganz rechts – noch am Wochenende meinten.

    Das am Samstag abgesagte Konzert der Hinichen konnte nur deshalb per Anfrage des grünen Kultursprechers Klaus Werner Lobo gestoppt werden, weil der Gasometer pro Jahr mit über 700.000 € von der öffentlichen Hand subventioniert wird.

    Und um diese Förderung zu erhalten, muss der Gasometer, wie auch alle anderen Subventionsempfänger, gewisse Auflagen einhalten. Dass man im Gasometer wie auch in der Szene Wien unter der Leitung von Muff Sopper manchmal Schwierigkeiten hatte, (und hat) dem Auftrag, "weniger kommerzielle Musik zu fördern" nachzukommen, ist eine Sache, dass nach den Richtlinien ganz dezidiert sexistische und rassistische Darbietungen nicht förderungswürdig sind, aber ein andere.

    Mit dem Hinweis auf diese Vereinbarung von Förderrichtlinien konnte Lobo schlussendlich zur Absage beitragen. Die übergroße Zensur-Aufregung dreht sich also ausschließlich um die Frage, ob so eine Band auf einer öffentlich finanzierten Bühne etwas verloren hat.

    Dass die meisten Veranstaltungslokalitäten in Österreich in irgendeiner Form gefördert werden und man natürlich auch beachten muss, ob tatsächlich direkt zurechenbare Kosten die Subvention fressen, also durch ein bestimmtes Konzert entstehen, möchte ich der Einfachheit halber an dieser Stelle mal außen vor lassen.

    Vor allem betrifft diese Thematik ja nicht nur die Aggro-Bierzeltmucke der Hinichen (die übrigens schon 2011 mit weniger Aufsehen im Gasometer spielten): Erst vor ein paar Wochen fand ebenfalls im Gasometer ein Konzert der Südtiroler Nationalistenband Frei.Wild statt, vor kurzem wurde ein (nicht-subventioniertes) Club-Konzert der umstrittenen Neofolk Band "Death In June" von Aktivisten verhindert.

    Einigermaßen bizarr lesen sich im Streit um Meinungsfreiheit und Zensur (der ja eben keiner ist, sondern halt ein Streit um Förderungen) auch die Stimmen der sich verfolgt Glaubenden. Während man sich bei der FPÖ im Rathaus in einer rotgrünen Meinungsdiktatur wähnt, sehen sich die Hinichen selbst gar als die heimischen Pussy Riot.

    Was mich an der Causa nachgerade schreckt, ist allerdings ein ganz anderer Gedanke: Nämlich die Vorstellung, dass die "Hinichen", deren gesamte Resonanz auf provozierter Empörung fußt, es jetzt "endlich geschafft haben". Dass sie seit dem Wochenende ein Bier nach dem anderen aufmachen, während sie den erbosten Streit – der auch mitten durch die Grünen selbst geht – mit Schadenfreude beobachten und darüber lachen, plötzlich mehr Youtube-Klicks als jemals zuvor haben.

    (Wortspende mit freundlicher Genehmigung von Robert Zikmund, FM4 - http://www.facebook.com/robert.zikmund ). Mehr von Robert Zikmund HIER.





    BSN Podcasts
    Christian Drastil: Wiener Börse Plausch

    kapitalmarkt-stimme.at daily voice 92/365: Ich beantworte 5 HörerInnen-Fragen zum Aktienmarkt so gut es geht, so weit ich darf (1)




     

    Bildnachweis

    1.

    Aktien auf dem Radar:Porr, FACC, DO&CO, Agrana, Frequentis, Pierer Mobility, Lenzing, Semperit, AT&S, CA Immo, Josef Manner & Comp. AG, Palfinger, Stadlauer Malzfabrik AG, Warimpex, Addiko Bank, Flughafen Wien, Oberbank AG Stamm, Zumtobel, RHI Magnesita, Austriacard Holdings AG, Amag, OMV, Österreichische Post, Telekom Austria, Uniqa, VIG.


    Random Partner

    Österreichische Post
    Die Österreichische Post ist der landesweit führende Logistik- und Postdienstleister. Zu den Hauptgeschäftsbereichen zählen die Beförderung von Briefen, Werbesendungen, Printmedien und Paketen. Das Unternehmen hat Tochtergesellschaften in zwölf europäischen Ländern.

    >> Besuchen Sie 60 weitere Partner auf boerse-social.com/partner




    Useletter

    Die Useletter "Morning Xpresso" und "Evening Xtrakt" heben sich deutlich von den gängigen Newslettern ab. Beispiele ansehen bzw. kostenfrei anmelden. Wichtige Börse-Infos garantiert.

    Newsletter abonnieren

    Runplugged

    Infos über neue Financial Literacy Audio Files für die Runplugged App
    (kostenfrei downloaden über http://runplugged.com/spreadit)

    per Newsletter erhalten


    Ausgewählte Events von BSN-Partnern


    Meistgelesen
    >> mehr





    PIR-Zeichnungsprodukte
    Newsflow
    >> mehr

    Börse Social Club Board
    >> mehr
      BSN MA-Event Bayer
      wikifolio-Trades Austro-Aktien 22-23: Kontron(5), Frequentis(1)
      wikifolio-Trades Austro-Aktien 21-22: Kontron(4), CPI Europe AG(2), Bawag(2), voestalpine(2), Erste Group(1)
      wikifolio-Trades Austro-Aktien 20-21: Palfinger(1), Wienerberger(1)
      wikifolio-Trades Austro-Aktien 19-20: Kontron(1), Andritz(1)
      wikifolio-Trades Austro-Aktien 18-19: RBI(1)
      Star der Stunde: RHI Magnesita 1.99%, Rutsch der Stunde: Lenzing -2.01%
      wikifolio-Trades Austro-Aktien 17-18: Kontron(1), OMV(1), Rosenbauer(1)
      Star der Stunde: DO&CO 1.17%, Rutsch der Stunde: Palfinger -1.5%

      Featured Partner Video

      Nicht wirklich Weltklasse

      Das Sporttagebuch mit Michael Knöppel - 25. März 2025 E-Mail: sporttagebuch.michael@gmail.com Instagram: @das_sporttagebuch Twitter: @Sporttagebuch_
      Das Sporttagebuch mit Michael Knöppel - 25. ...

      Books josefchladek.com

      Bryan Schutmaat
      County Road
      2023
      Trespasser

      Bryan Schutmaat
      Good Goddamn
      2017
      Trespasser

      Miyako Ishiuchi
      Yokosuka again 1980-1990 (石内 都)
      1998
      Sokyu-sha

      Gytis Skudzinskas
      Print of Truth / Truth of Print
      2024
      Noroutine Books

      Dan Skjæveland
      33 Suspensions
      2023
      Nearest Truth

      h