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20.10.2012, 5539 Zeichen

(Von: Tim Schaefer)

New York, Freitag, 19. Oktober 2012

Lieber Leser,

mich fragen immer wieder Leute, warum ich diesen Blog schreibe. Ein Mitarbeiter einer Sparkasse war überrascht über die ausführlichen, nahezu alltäglichen Texte. Nun meine Antwort ist immer die gleiche: Ich möchte nichts verkaufen. Dieser Value-Investing-Blog ist mein Hobby. Es macht mir Spass. Ich lese alle Kommentare mit großer Freude jeden Tag. Ich lerne sehr viel von meinen Lesern. Nebenbei lerne ich vom Niederschreiben meiner Gedanken.

Die Theorie des Value Investings klingt oftmals ziemlich schwierig. Wer die Idee dahinter durchleuchtet, wird schnell eine extreme Einfachheit feststellen.

Der Vater des Value Investings, Professor Benjamin Graham, rief dazu auf, nach einer möglichst niedrigen Bewertung Ausschau zu halten. Der Preis stand also im Mittelpunkt. Je geringer die Bewertung, desto größer ist die Sicherheitsmarge, die sogenannte „Margin of Safety“. Man könnte es auch als Preisabschlag zum inneren Wert bezeichnen.

Bei Ben Grahams Schüler, Warren Buffett, rückte in dessen Karriere mehr und mehr die Qualität des Unternehmens in das Zentrum des Interesses. Für Buffett spielt eine exzellente Qualität des Unternehmens die zentrale Rolle. Für hochsolide, starke Aktien zahlt Buffett lieber eine Prämie. Das Mega-Schnäppchen interessiert Buffett nicht wirklich.

Nun glauben gerade die Privatanleger, dass es verdammt wichtig ist über Insiderwissen zu verfügen. Es gibt an der Wall Street Analysten, die beschäftigen sich wochen-, monate-, ja jahrelang nur mit zwei, drei Firmen. Sie kennen jeden Manager persönlich, sie haben jedes neue Produkt ausprobiert, haben alle Fabriken besucht. Braucht man so viel Insiderwissen? Ich glaube nicht. Es kann sogar zum Nachteil werden, wenn man zu viel weiß. Es kann passieren, dass ein Profianalyst den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht.

Klar, Buffett beschäftigt sich intensiv mit den Firmen, bevor er einstiegt. Aber er kennt auch nicht jedes Detail. Es ist höchst zweifelhaft, welchen Vorteil es bringen soll, wenn ein Analyst eine Studie über Procter & Gamble mit 300 Seiten verfasst. Erstens wer hat die Zeit das zu lesen? Zweitens wie viel Substanz bringt so ein Text?

Mit ganz einfachen Methoden können Sie sich einen schnellen Überblick verschaffen. Steuern Sie einfach auf der Homepage die Rubrik „Investor Relations“ an. Lesen Sie die Geschäftsberichte und die Pressemitteilungen.

Wenn ich mich über eine deutsche Firma erkundige, gehe ich auf die Website Insiderdaten.de. Ich schaue mir dort an, wer zu welchem Preis Aktien kauft beziehungsweise verkauft hat.

Bei der Deutschen Bank können Sie übrigens schön sehen, wie sich Vorstände und Aufsichtsräte in den vergangenen Jahren die Taschen mit Optionen vollgestopft haben. Absurde Millionenbeträge sind hier pro Kopf eingeheimst worden. Konträr dazu hat sich der Kurs leider entwickelt. Angesichts der schwachen Leistung ist dieser irre Bonus nicht angebracht – das ist jedenfalls meine Meinung dazu. Nicht ein einziger Insider hat bei der Deutschen Bank Aktien in den zurückliegenden Jahren gekauft – abgesehen von Mini-Orders der Betriebsrätin Martina Klee.

Wenn Insider ihre Aktien an der Börse zu „normalen“ Preisen kaufen, ist das ein exzellentes Signal. Wenn sie hingegen Aktien verkaufen, kann das Tausend Gründe haben und muss nicht unbedingt negativ gesehen werden. Kein anderer Mensch als die Führungsspitze kennt das Unternehmen besser. Insofern sind Käufe durch Insider ein klares Kaufsignal für Anleger.

Wenn das Management den Kurs sehr günstig einschätzt, wird es auch etwas in der Regel gegen diese Unterbewertung tun. So kann es den Kapitalmarkt über die Unterbewertung informieren, es kann Aktienrückkäufe beschließen, die Dividende erhöhen etc. Es kann der Spin Off einer Tochter beschlossen werden, um den inneren Wert besser „zeigen“ zu können.

Kraft Foods hat zum Beispiel vor ein paar Wochen sein internationales Lebensmittelgeschäft mit einer eigenen Börsennotiz abgespalten. An der Wall Street sind solche Abspaltungs-Aktionen mit eigener Börsennotiz in Mode gekommen. Für die Altaktionäre geht das in den USA steuerfrei über die Bühne, sie erhalten in ihr Depot einfach eine zusätzliche Aktienposition hinein gebucht.

ConocoPhillips, der drittgrößte Ölkonzern der USA, spaltete sein Raffineriegeschäft (unter der Firmierung Phillips 66) dieses Jahr ab. Buffett war von der neuen Firma Phillips 66 hellauf begeistert unddeckte sich massiv ein.

Der Value-Anleger möchte in erster Linie günstig bei einer Qualitätsfirma einsteigen. Am liebsten sieht der Value-Fan natürlich die Insider die Aktie im großen Stil kaufen. Er möchte ein wachsendes, gesundes Geschäft mit wenig Problemen. Auf Value-Konferenzen höre ich immer wieder die gleiche Standardfrage, wenn Aktientitel durchgesprochen werden: „Was ist der Katalysator?“

Die Anleger möchten also ein schnelles Event haben, dass die Lücke zwischen der günstigen Aktiennotiz und dem inneren Wert schließt. Eben ein Spin Off, ein Managementwechsel, neue Strategien, Aktienrückkäufe etc. Wenn nicht ein solches Event absehbar ist, schrecken Profianleger zurück, einzusteigen, denn sie befürchten, dass der Bewertungsabschlag fortbestehen bleibt, wenn nichts Außergewöhnliches geschieht.

Was bringt es, eine Aktie zu besitzen, die spottbillig ist, die der Markt unterschätzt, die aber nicht ins Laufen kommt? Ein solches Papier kann noch in drei Jahren unentdeckt bleiben.



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    Was machen die Insider? Steht ein außerordentlicher Event bevor? (Tim Schaefer)


    20.10.2012, 5539 Zeichen

    (Von: Tim Schaefer)

    New York, Freitag, 19. Oktober 2012

    Lieber Leser,

    mich fragen immer wieder Leute, warum ich diesen Blog schreibe. Ein Mitarbeiter einer Sparkasse war überrascht über die ausführlichen, nahezu alltäglichen Texte. Nun meine Antwort ist immer die gleiche: Ich möchte nichts verkaufen. Dieser Value-Investing-Blog ist mein Hobby. Es macht mir Spass. Ich lese alle Kommentare mit großer Freude jeden Tag. Ich lerne sehr viel von meinen Lesern. Nebenbei lerne ich vom Niederschreiben meiner Gedanken.

    Die Theorie des Value Investings klingt oftmals ziemlich schwierig. Wer die Idee dahinter durchleuchtet, wird schnell eine extreme Einfachheit feststellen.

    Der Vater des Value Investings, Professor Benjamin Graham, rief dazu auf, nach einer möglichst niedrigen Bewertung Ausschau zu halten. Der Preis stand also im Mittelpunkt. Je geringer die Bewertung, desto größer ist die Sicherheitsmarge, die sogenannte „Margin of Safety“. Man könnte es auch als Preisabschlag zum inneren Wert bezeichnen.

    Bei Ben Grahams Schüler, Warren Buffett, rückte in dessen Karriere mehr und mehr die Qualität des Unternehmens in das Zentrum des Interesses. Für Buffett spielt eine exzellente Qualität des Unternehmens die zentrale Rolle. Für hochsolide, starke Aktien zahlt Buffett lieber eine Prämie. Das Mega-Schnäppchen interessiert Buffett nicht wirklich.

    Nun glauben gerade die Privatanleger, dass es verdammt wichtig ist über Insiderwissen zu verfügen. Es gibt an der Wall Street Analysten, die beschäftigen sich wochen-, monate-, ja jahrelang nur mit zwei, drei Firmen. Sie kennen jeden Manager persönlich, sie haben jedes neue Produkt ausprobiert, haben alle Fabriken besucht. Braucht man so viel Insiderwissen? Ich glaube nicht. Es kann sogar zum Nachteil werden, wenn man zu viel weiß. Es kann passieren, dass ein Profianalyst den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht.

    Klar, Buffett beschäftigt sich intensiv mit den Firmen, bevor er einstiegt. Aber er kennt auch nicht jedes Detail. Es ist höchst zweifelhaft, welchen Vorteil es bringen soll, wenn ein Analyst eine Studie über Procter & Gamble mit 300 Seiten verfasst. Erstens wer hat die Zeit das zu lesen? Zweitens wie viel Substanz bringt so ein Text?

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