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Keine Wertpapierleihe ohne unser Wissen! (Wolfgang Matejka)

Magazine aktuell


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29.08.2012, 3451 Zeichen

(Von: Wolfgang Matejka)   Guten Tag, wir holen nur Ihre Leber ab.

Kenner des britischen Humors werden ahnen worauf sich der Titel bezieht. In Monty Pythons „Der Sinn des Lebens“ stehen zwei beamtete Krankenpfleger vor der Türe des braven Bürgers und verlangen seine Leber. Sie brauchen sie. Und dass er derzeit daran noch ziemlich hängt stört sie nicht im Geringsten, denn … er hat ja einen Leberspenderausweis.

Unser „Leberspenderausweis“ ist das Wertpapierdepot. Etliche Banken und Depotstellen haben es sich nämlich zum Geschäft gemacht, unsere Wertpapiere ohne unser Wissen an andere Broker und deren Kunden zu verleihen. Und so sehr wir an unseren „Lebern“ hängen, weil wir sie ja zum Leben brauchen, so diametral sind die Interessen jener die sich unsere Wertpapiere, von uns unbemerkt, ausleihen. Die haben im besten Fall Probleme zuvor verkaufte Aktien oder Anleihen zu liefern die sie mit den geborgten Stücken überbrücken wollen, zumeist aber den simplen Gedanken die geliehenen Stücke sofort zu verkaufen, um so von fallenden Kursen zu profitieren. „Aber Hallo!“, möge hier vielleicht „Mr. Börsentheorie“ rufen. „Das macht doch nichts, denn Märkte sind ja effizient! Jeder Kurs reflektiert jederzeit den richtigen Wert des jeweiligen Unternehmens!“ Tja, dem ist aber leider gar nicht so. Auch auf die Gefahr hin, Investoren jetzt massiv zu verschrecken sei Folgendes gesagt: Angebot und Nachfrage bestimmen ganz bewusst die Kursrichtung. Und wer viel verkauft, der drückt den Kurs. Und wer sich viel ausborgt um viel zu verkaufen der drückt ihn nur umso bewusster. Und wer solchen „Investoren“ viel borgt, weil die tiefen Leihe-Gebühren ja sonst nicht sehr viel Geld bringen würden, der unterstützt damit den Kursdruck auf unsere Märkte. Bevor unser „Mr. Börsentheorie“ nun noch einwirft, dass die verkauften Stücke ja auch wieder zurückgekauft werden müssen und dadurch ein steigender und damit ausgleichender Effekt eintritt seien noch zwei Fakten genannt: Short-Seller sind in der Regel keine Idioten. Die wissen was sie tun und spielen die Märkte mit ihrem Volumen ziemlich gekonnt. Die kaufen zurück, wenn alle anderen aufgrund des Kursrückgangs sich von ihren Positionen trennen. Easy. Oder sie leihen sich einfach weiter Stücke aus und verkaufen erneut. When you are in trouble, double.

Es wird denke ich Zeit nicht nur über die Rückkehr „unserer“ Politiker aus deren Sommerurlauben zu jammern, sondern auch endlich einmal die seit Jahren überfälligen Strukturreformen an unseren Kapitalmärkten anzugehen. Für ein paar Eurocent mehr werden täglich Millionen und Milliarden an Marktkapitalisierung vernichtet. Jeder Short reduziert das Potential des Marktes, sich Risikokapital von seinen Investoren zu holen. Und das nachhaltig. Da sind Experten gefragt diese Reformen umzusetzen. Die sitzen nicht im Parlament. Die sitzen in den Banken und an der Börse. Ich weiß schon, dass das Argument der Abwicklungseffizienz immer wieder beim Thema „Wertpapierleihe“ gezogen wird, nur ist das im 21. Jahrhundert, in Zeiten hyperschneller Algorithmenhandelssysteme, ETFs auf Knopfdruck und Derivate zum Ersticken wirklich noch gültig? Im Ernst, wer seine verkauften Stücke nicht liefern kann, der muss am Markt kaufen. So einfach ist das. Und unserer „Leber“ geht es auch wieder gut.

Es ist eigentlich fast schon ein Wunder und ein Riesenkompliment an unsere Unternehmen, dass wir nicht schon längst den Tag der letzten Aktie in Wien spielen müssen.



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