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Buddy-Blog: Bettina Schragl über den Einwurf eines "Piefkes"

11.06.2012


(Autorin: Bettina Schragl)

Liebe Politik, bitte überrasch' uns einmal positiv

Spanien, wankende Banken, EU-Rettungsschirme, die ausreichen - oder vielleicht auch nicht, und Anzeichen, dass Moody’s ebenfalls das AAA-Rating Österreichs kappen könnte - klar, da muss die Politik bei der Suche nach Kompromissen schon mal Prioritäten setzen. Da wandert dann die eine oder andere Beschlusssache zeitlich nach hinten.

Wo diese Taktik allerdings nicht verständlich ist - zumal die Sache seit Jahren verzögert wird - ist die Einrichtung einer unabhängigen Prüfstelle für die Rechnungslegung börsenotierter Unternehmen (Enforcement-System). Österreich ist bekanntlich das einzige EU-Land, das noch immer nicht über eine derartige „Bilanz-Polizei“ verfügt. Ein Stillstand, den Axel Berger, Vize-Präsident der deutschen Enforcement-Stelle Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung, nicht nachvollziehen kann.

In seinem Gastbeitrag „Einwurf eines Piefkes“ in dieser BE-Ausgabe ( http://www.boerse-express.com/pages/1254... ) schildert er die positiven Erfahrungen mit dem Thema Enforcement in Deutschland und seine jüngsten Eindrücke über die stark verpolitisierte Diskussion in Österreich.

Nach Lektüre wird auch klar, dass der hierzulande für die Enforcement-Institution geschaffene, doch eher furchteinflössende Umgangsbegriff „Bilanz-Polizei“ leider systemimmanent ist und schnellstens gekübelt werden sollte. Denn weder DPR noch die amerikanische Börseaufsicht SEC gehen bei einer fehlerhaften Rechnungslegung automatisch vom Vorliegen einer Straftat aus. In Österreich ist das anders. „Unterschiedliche Auffassungen über Auslegungsfragen oder auch handwerkliche Bilanzierungsfehler werden nach meiner Kenntnis in keinem Land wie in Österreich automatisch kriminalisiert“, schreibt Berger. Sprich, bei uns ermittelt dann gleich mal der Staatsanwalt gegen Vorstand und Aufsichtsrat.

Die österreichischen Börsenotierten und viele andere Marktteilnehmer wünschen sich seit langem eine Enforcement-Einheit. Nicht nur weil schon allein durch deren Bestehen die Risikoprämien von Unternehmensemissionen sinken, sondern weil das Zuwarten für den ohnehin schrumpfenden Wiener Kapitalmarkt ein weiterer Tritt in den Bauch ist.

Wir sind mit Axel Berger mehr als gespannt, ob sich ein Gesetz in Österreich noch vor der Sommerpause ausgeht. Als gelernte „Kapitalmarkt-Österreicher“ glauben wir nicht daran.
Liebe Politiker, bitte überrascht uns doch einmal positiv.

(aus dem Börse Express vom 11.6., mehr Kommentare von Bettina HIER)


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11.06.2012
(Autorin: Bettina Schragl)

Liebe Politik, bitte überrasch' uns einmal positiv

Spanien, wankende Banken, EU-Rettungsschirme, die ausreichen - oder vielleicht auch nicht, und Anzeichen, dass Moody’s ebenfalls das AAA-Rating Österreichs kappen könnte - klar, da muss die Politik bei der Suche nach Kompromissen schon mal Prioritäten setzen. Da wandert dann die eine oder andere Beschlusssache zeitlich nach hinten.

Wo diese Taktik allerdings nicht verständlich ist - zumal die Sache seit Jahren verzögert wird - ist die Einrichtung einer unabhängigen Prüfstelle für die Rechnungslegung börsenotierter Unternehmen (Enforcement-System). Österreich ist bekanntlich das einzige EU-Land, das noch immer nicht über eine derartige „Bilanz-Polizei“ verfügt. Ein Stillstand, den Axel Berger, Vize-Präsident der deutschen Enforcement-Stelle Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung, nicht nachvollziehen kann.

In seinem Gastbeitrag „Einwurf eines Piefkes“ in dieser BE-Ausgabe ( http://www.boerse-express.com/pages/1254... ) schildert er die positiven Erfahrungen mit dem Thema Enforcement in Deutschland und seine jüngsten Eindrücke über die stark verpolitisierte Diskussion in Österreich.

Nach Lektüre wird auch klar, dass der hierzulande für die Enforcement-Institution geschaffene, doch eher furchteinflössende Umgangsbegriff „Bilanz-Polizei“ leider systemimmanent ist und schnellstens gekübelt werden sollte. Denn weder DPR noch die amerikanische Börseaufsicht SEC gehen bei einer fehlerhaften Rechnungslegung automatisch vom Vorliegen einer Straftat aus. In Österreich ist das anders. „Unterschiedliche Auffassungen über Auslegungsfragen oder auch handwerkliche Bilanzierungsfehler werden nach meiner Kenntnis in keinem Land wie in Österreich automatisch kriminalisiert“, schreibt Berger. Sprich, bei uns ermittelt dann gleich mal der Staatsanwalt gegen Vorstand und Aufsichtsrat.

Die österreichischen Börsenotierten und viele andere Marktteilnehmer wünschen sich seit langem eine Enforcement-Einheit. Nicht nur weil schon allein durch deren Bestehen die Risikoprämien von Unternehmensemissionen sinken, sondern weil das Zuwarten für den ohnehin schrumpfenden Wiener Kapitalmarkt ein weiterer Tritt in den Bauch ist.

Wir sind mit Axel Berger mehr als gespannt, ob sich ein Gesetz in Österreich noch vor der Sommerpause ausgeht. Als gelernte „Kapitalmarkt-Österreicher“ glauben wir nicht daran.
Liebe Politiker, bitte überrascht uns doch einmal positiv.

(aus dem Börse Express vom 11.6., mehr Kommentare von Bettina HIER)


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