Börse-History: Der IPO-Jahrgang 1997 (Christian Drastil)
21.02.2007, 3322 Zeichen
Liebe Leser, danke für das nette Feedback zu den Börse-History-Geschichten. In den nächsten Tagen werde ich eine IPO-Jahrgangsserie bringen. Beginnend mit dem Jahr 1997. Morgen dann 1998, ...
1997
1997 war in Summe ein hervorragendes IPO-Jahr, für das schon Ende 1996 mit den gelungenen Börsegängen von KTM (in Wien) und SEZ (in Zürich) die Basis gelegt wurde. Das IPO-Jahr 1997 kann man perfekt in drei Zweier-Blöcke zerlegen. Zum einen der Block "fit" mit Hirsch Servo und SW Umwelttechnik, dann der Block "Easdaq/CA IB" mit Schoeller Bleckmann-Oilfield und Topcall und letztendlich der herausragende Block "Blue Chips" mit Austria Tabak und Erste Bank.
Block 1: fit (Hirsch, SW)
Das - 1997 gestartete - "fit"-Segment der Wiener Börse wurde zu einem Flop. Das ist aus heutiger Sicht zwar nicht mehr so tragisch, weil auch den Neuen Markt sowie die Easdaq das selbe Schicksal ereilt hat. Damals war das aber ein ordentliches Ego-Problem für die Börse. Trotz guter Stimmung an den Börsen wagten nur zwei Unternehmen den Sprung ins österreichische Wachstumssegment: Hirsch Servo und SW Umwelttechnik, beide aus Kärnten und beide pre-IPO-mässig von Heinz Taferner begleitet. Beide hatten es nicht geschafft, das Investoreninteresse nachhaltig auf sich zu ziehen, obwohl die Ergebnisse passten. Beide wurden von der Wiener Börse nach dem fit-Ende (hiess zum Schluss: Austrian Growth Market) mehrmals "umgeschichtet". Erfreulicherweise zählen vor allem Hirsch, aber auch SW heute zu den starken Erscheinungen am Markt.
Block 2: Easdaq (Topcall, SBO)
"fit" hatte nicht zuletzt deshalb keine Chance, weil die beiden Easdaq-IPOs Topcall und Schoeller Bleckmann-Oilfield (wieder beide von der CA IB) kursmässig einfach besser performten. Damit biss sich die Katze in den Schwanz: An der Easdaq - später in Nasdaq Europe umbenannt - stiegen zwar die Kurse, aber Privatanleger (Stichworte: Intransparente Kursbildungen, Spesen) trauten sich nicht drüber. Zu Recht. In Wien gab es zwar Transparenz, aber kaum Interesse.
Block 3: Big Ones (AT, Erste)
Sehr wohl Interesse gab es dafür für die beiden grossen Herbst-Börsegänge des Jahres 1997: Austria Tabak und Erste Bank. Bleiben wir zunächst bei der Erste Bank, für die CEO Andreas Treichl 1997 den richtungsweisenden Schritt (den später alle nachmachen mussten) durchgezogen hat, aus Vorzügen ohne Aufpreis einfach Stämme zu machen. Die Erste Bank legte seit dem IPO eine Kursvervielfachung hin, dazu starke Dividenden. Wenn man diese Leistung gewichten will, braucht man sich nur internationale Bankaktien anzusehen. Die Erste ist in der langfristigen Peer Group-Betrachtung ganz vorne dabei. Trotzdem: Die Austria Tabak schaffte es, in ihrer kurzen Börsegeschichte die Erste Bank sogar noch in den Schatten zu stellen. Unter dem Duo Schiendl/Schram legte die Aktie vom "IPO bis Gallaher" um rund 125 Prozent zu. Bei Austria Tabak passte jedenfalls alles: Das IPO wurde zum vollen Erfolg, die "Volksaktie I" war populärer als es die "Volksaktie II" (Telekom Austria) war. Die Austria Tabak-Vorstände sowie Pressechef Hubert Greier räumten viele Preise ab. Verdient. 1997 war eines der stärksten IPO-Jahre der jüngeren Vergangenheit.
Stay tuned
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