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Harald Mahrer: "Abschaffung der KESt bei längerer Behaltedauer"

25.05.2020

Lieber Herr Mahrer, vor ziemlich genau einem Jahr war es Ihr WKO-Kollege Generalsekretär Karlheinz Kopf, der bei der großen NY-Roadshow des Wiener Kapitalmarkts „Austria is the best place to invest“ meinte. Dann kamen Ibiza und eine Durststrecke. Der neue Finanzminister Gernot Blümel sorgte zu Jahreswechsel für positives Echo und freundliche Wahrnehmung aus dem Ausland. Dann kam Covid, Wien verliert am stärksten. Sie sind mit der AWO auch stark international präsent. Welche Rolle spielt dabei der Kapitalmarkt, welches Feedback bekommt man? 

Harald Mahrer: Die Corona-Krise hat natürlich vieles auf den Kopf gestellt. Aber der Wirtschaftsstandort Österreich konnte bisher mit vielen Stärken wie z.B. als Top-Ziel für internationale Investoren oder als weltweit bekanntes Tourismusland punkten. Und ich bin überzeugt, dass wir diese Stärken auch nach der Corona-Krise ausspielen können. 

Das liegt vor allem an unserem starken, spezialisierten Wirtschaftsstandort mit seinen vielen „hidden champions“, die durch konstante Innovation bestechen. Andererseits ist auch die Lage Österreichs im Herzen Europas einzigartig. Wir sind bestens in internationalen Organisationen integriert – sei es EU, OSZE oder UNO. Und wir sind geschichtlich und geopolitisch ein Tor zwischen West und Ost. Und werden das auch in Zukunft bleiben. Es ist wohl diese Mischung, die uns als Investoren-Standort so attraktiv macht.

Was die Risikokapitalfinanzierung betrifft, so haben wir aber schon vor der Krise gesehen, dass wir hier Handlungsbedarf haben, internationale Rankings zeigen das immer wieder auf. Startups suchen oft woanders Kapital, weil es in Österreich nicht ausreichend vorhanden ist. Wir müssen somit für die jüngeren, aber natürlich auch alle anderen innovativen Unternehmen das Angebot an Risikokapital ausbauen. Meine Vision ist, dass Österreich im Jahr 2030 „Innovation Leader“ ist, mit den besten Rahmenbedingungen für Innovation, dafür ist der Kapitalmarkt ein wichtiger Faktor.

Sie sind Optimist und Chancen gibt es immer. Eine Idee, wie - abgesoftet - „Austria is a good place to invest“ im weiteren Jahresverlauf Tatsache werden könnte?

Das Wiederhochfahren der Wirtschaft, das Comeback des Standorts wird uns alle, Betriebe, Mitarbeiter und die Familien vor eine harte Prüfung stellen. Aber ich bin, wie Sie richtig sagen, ein positiv denkender Mensch und kenne unsere Unternehmer. Ihre Kreativität, ihre Leistungskraft, ihre Leidenschaft. Deshalb bin ich überzeugt, davon, dass wir es gemeinsam schaffen werden, den Wirtschaftsmotor wieder zum Laufen zu bringen. Ein unterstützendes Wirtschaftspaket der Bundesregierung muss natürlich sinnvolle Investitionsanreize enthalten, aber auch den Kapitalmarkt beleben.

Was kann die WKO für den Kapitalmarkt tun? (was tut Sie?) (die WKO unterstützt zb Initiativen wie 21st Austria oder auch jetzt die https://boerse-social.com/austrianworldwideroadshow als Schirmherr) 

Die WKÖ stellt der Regierung und anderen Stellen ihr Know-How zur Verfügung und unterstützt Kapitalmarktinitiativen wie Road Shows, den Wiener Börsepreis und https://boerse-social.com/austrianworldwideroadshow . Gleichzeitig stellen wir unseren Mitgliedern Infos zum Thema Kapitalmarktfinanzierung zur Verfügung. aber ganz besonders bewirbt unsere Außenwirtschaft den Kapitalmarkt auch in über 100 Ländern.

Internationale Fondsmanager sehen Österreich als Markt für Dividendeninvestoren. Die Motivation des Kaufens seitens der Investoren sei also eher nicht Wachstum, sondern Dividende und Substanz. Nun gibt es angeordnete Dividendenkürzungen, härter als in vielen anderen Ländern. Wie steht die WKO zu diesem heiklen und vielschichtigen Thema, auch in Bezug auf langfristige Story und „A good place to invest“?

Das sollte eigentlich nichts an der Attraktivität des Finanzplatzes ändern, weil weltweit börsennotierte Unternehmen vor denselben Entscheidungen stehen.

„No sleep ‘til Gründerland No.1.“ ist ein weiterer Claim, diesen schreibe ich Ihnen zu. Selbstredend, dass es auch Startups dieser Tage nicht einfach haben. Wäre unkompliziertes Eigenkapital über die Börse hier ein Ansatz im Lösungsmix? Ich meine da nicht die Listings im Vienna MTF, sondern größere Märkte mit Kapitalerhöhungen. Ich glaube, österreichische Privatanleger würden jetzt gerne zu vernünftigen Konditionen supporten ...

Unsere Forderung nach einem Beteiligungsfreibetrag als Incentive für Privatanleger ist natürlich weiter aufrecht, und findet sich, wie auch andere gute Ansätze zum Thema Risikokapital, im Regierungsprogramm. Wichtig sind hier steuerliche Anreize zur Mobilisierung von privatem Kapital.

Durch Covid gibt es einen Digitalisierungsschub, ebenfalls ein Steckenpferd von Ihnen. Wie digital ist die WKO? (Blockchain & Börse …?)

Seit meinem Antritt als WÖ-Präsident ist Digitalisierung ein wichtiges Thema – umso mehr, als wir es auch als unseren Auftrag sehen, unseren Betrieben die Zukunftschancen aus der Digitalisierung zugänglich zu machen. Und wir haben als WKÖ in der Corona-Krise gezeigt, dass unser Haus im Digitalisierungszeitalter angekommen ist. Es wurden z.B. über unseren Chatbot „Vera“ über 270.000 unternehmensspezifische Gespräche rund um Corona-Themen geführt, das sind rund 5.300 Gespräche pro Tag. 

Abschließend noch liebe Grüße an WK Wien Chef Ruck. Er kommt ja immer wieder mit Aussendungen zur Börse, das liegt ihm offenbar am Herzen. Es bleibt aber in der Wahrnehmung bei Einzel- und Privatmeinungen. Ruck, Kopf und natürlich Sie selbst. Sollte Österreich wieder einen Kapitalmarktbeauftragten installieren?

Wichtig ist die Umsetzung der im Regierungsprogramm vorgesehenen Maßnahmen zur Stärkung des Kapitalmarktes wie die Abschaffung der KESt bei längerer Behaltedauer. Für die Umsetzung sind in der Regierung die Minister zuständig, sodass deren Commitment wichtig ist und natürlich das der Gesetzgeber. Ein Kapitalmarktbeauftragter könnte sich aber beispielsweise dem Thema „Financial Literacy“ annehmen. 

Interview: Christian Drastil

 Aus dem "Börse Social Magazine #40" - 1 Jahr, 12 Augaben, 77 Euro. Ca. 100 Seiten im Monat, ca. 1200 Seiten Print A4


 

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