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Eigenheime: Neubau muss Sanierung weichen

22.02.2024, 4988 Zeichen
Wien (OTS) - Anlässlich der laufenden Regierungsverhandlungen und des Vorstoßes der Sozialpartner zum „Eigenheimbonus“ melden sich nun auch die Verbände VZI und IG Lebenszyklus Bau zu Wort. Der Grundtenor: Angesichts des bereits hohen Bodenverbrauchs in Österreich müsse der Fokus ganz klar auf Sanierung und Verdichtung liegen. Um dies zu befördern, wäre etwa eine finanzielle oder steuerliche Unterstützung des Ankaufs bestehender Eigenheime sinnvoll. Ebenso wesentlich sei es, jene Untersuchungen zu fördern, die eine fachgerechte Entsorgung von Schad- und Störstoffen ermöglichen, um anschließend korrekt und vor allem ungefährdet „weiterbauen zu können“.
Zwtl.: „Netto-Neuversiegelung gleich Null“
Die Verbände sind sich einig: Das Ziel muss eine „Netto-Neuversiegelung gleich Null“ sein. Um dies zu erreichen, müsse auch über intensivere Flächennutzung – zum Beispiel durch eine höhere Bebauungsdichte und lokale Infrastruktur in den Siedlungsschwerpunkten – geredet werden. Auch der Ausgleich von Neu- durch Rückwidmungen wäre ein Ansatz. Und natürlich: die Verhaltensänderung der Akteure.
„Das Einfamilienhaus ist ein stark emotional besetztes Thema. Die Frage nach der Wohnform wird man daher weniger mit einer Gebäudeform beantworten können. Die Antwort liegt vielmehr in der richtigen Programmierung und Reaktivierung unserer Ortskerne,“ ist Dominik Philipp, IG Lebenszyklus Bau, überzeugt. Verhaltensänderungen müssten durch staatliche Vorgaben und zielgerechte Anreize – etwa Förderungen für neue Wohnformen – forciert werden.
Zwtl.: Ausbau, Ankauf und Sanierung bestehender Objekte
Förderungen sollten jedoch nicht für den Neubau, sondern zum Beispiel für den Aufkauf und die Sanierung bestehender Objekte ausgeschüttet werden. Dies würde zu einer höheren Sanierungsquote, zu einer Nachverdichtung und zum Erhalt der bestehenden Infrastruktur führen. Damit könne auch sichergestellt werden, dass Schad- und Störstoffe fachgerecht untersucht und dann entsorgt werden – ein wichtiges Thema im zukunftsweisenden Umgang mit Bestandsobjekten. Gerade im Einfamilienhaus-Sektor werden solche Untersuchungen aus finanziellen Gründen oftmals nicht gemacht, was zu gesundheitsgefährdenden Situationen führt.
Thomas Hoppe, Präsident des VZI: „Die Umplanung von Einfamilienhäusern auf Zwei- oder Mehrfamilienhäuser ist nicht nur eine Chance der Weiternutzung und der Vermeidung von Bodenversiegelung, sondern ermöglicht auch ein Wohnen der Generationen und eine Wiederbelebung des halburbanen Raums. Es ist eine in mehrerer Hinsicht lohnende Planungsaufgabe für die Zukunft.“
Zwtl.: Zukunftsweisender Umgang mit Gebäudebestand
Bereits der Erhalt der bestehenden tragenden Struktur bringt die nötigen CO2-Einsparungen, die für die angestrebte Klimaneutralität nötig sind. Das Miteinbeziehen der grauen Energie – des tatsächlichen Ressourcenverbrauchs über den Gebäudelebenszyklus – zeigt, dass eine Verlängerung der Nutzungsdauer und kreislaufgerechte Sanierung des Bestands das Ziel sein muss.
„Wichtig ist aus meiner Sicht, uns davon zu lösen, dass das Einfamilienhaus die einzige Möglichkeit zur Erfüllung unserer emotionalen (Wohn)Bedürfnisse wie Geborgenheit, Zugehörigkeit, Freiraum, Grün etc... ist. Vielmehr müssen wir alternative Wohn-Lösungen in den Vordergrund stellen und fördern, die diese Bedürfnisse in umweltverträglicher Form befriedigen,“ ergänzt Wolfgang Kradischnig, IG Lebenszyklus Bau und VZI.
Zwtl.: Weiterführende Informationen:
[Stellungnahme des VZI zur Bodenversiegelung] (https://go.ots.at/JilEI0lB)
[Link zum Leitfaden „Netto-Neuversiedelung gleich Null“] (https://go.ots.at/dcqMtjpP)
[Link zum Leitfaden „Zukunftsweisender Umgang mit Gebäudebestand“] (https://go.ots.at/rFw8yovP)
Zwtl.: Über den VZI
Der Verband der Ziviltechniker- und Ingenieurbüros ist die unabhängige und auf freiwilliger Basis agierende Interessengemeinschaft und Austauschplattform für mittlere und große Ziviltechniker- und Ingenieurbüros in Österreich. Er vertritt mit Kraft, Nachhaltigkeit und Zukunftsorientierung die Interessen seiner Mitglieder und steht für die Verbesserung der Geschäfts- und Rahmenbedingungen der Branche. Er nimmt Einfluss auf die Ausbildung der Jugend und der Studierenden, und fördert die Aus-und Weiterbildung in den Ausbildungsstätten in Zusammenarbeit mit den Universitäten und Fachhochschulen. Der VZI lebt und vernetzt die Vielfalt der Mitglieder-Büros, der Mitarbeiter:innen sowie der gesellschafts- und zukunftsrelevanten Themen der Branche.
Zwtl.: Über die IG Lebenszyklus Bau
Die IG Lebenszyklus Bau umfasst rund 90 Unternehmen und Institutionen der Bau- und Immobilienwirtschaft Österreichs. Der 2012 als IG Lebenszyklus Hochbau gegründete, gemeinnützige Verein unterstützt Bauherren bei der Planung, Errichtung, Bewirtschaftung und Finanzierung von ganzheitlich optimierten, auf den Lebenszyklus ausgerichteten, Bauwerken. Interdisziplinäre, bereichsübergreifende Arbeitsgruppen bieten eine gemeinsame Plattform für Projektbeteiligte aus allen Bereichen des Gebäudelebenszyklus.

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