20.03.2026, 2961 Zeichen
Starke Quartalszahlen, eine hochkarätige KI-Partnerschaft — und trotzdem verliert die Aktie. Adobe steckt in einem Widerspruch, der die Investoren seit Monaten beschäftigt: Das operative Geschäft läuft, doch das Vertrauen in die Aktie fehlt.
Operative Stärke trifft auf Vertrauenskrise
Im ersten Quartal des Fiskaljahres 2026 wuchs der Umsatz um 12 Prozent auf 6,4 Milliarden US-Dollar — über der eigenen Prognose. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg um 19 Prozent auf 6,06 US-Dollar, der operative Cashflow erreichte mit 2,96 Milliarden US-Dollar einen Rekordwert. Auch der KI-ARR mehr als verdreifachte sich im Quartal, Firefly und GenStudio verzeichneten starkes Wachstum.
Am 13. März brach die Aktie dennoch fast 9 Prozent an einem einzigen Tag ein — ausgelöst nicht durch schwache Zahlen, sondern durch die Ankündigung eines CEO-Wechsels. Genau das ist Adobes Problem: Nicht die Fundamentaldaten, sondern die Unsicherheit über die künftige Führung drückt auf den Kurs.
Analysten mehrheitlich skeptisch
Die Analystengemeinde ist gespalten, tendiert aber zur Vorsicht:
- Goldman Sachs: Verkaufsempfehlung, Kursziel von 290 auf 220 US-Dollar gesenkt
- Keybanc: Untergewichtung, Kursziel von 310 auf 235 US-Dollar reduziert
- Barclays: Herabstufung auf Gleichgewichten, Kursziel von 335 auf 275 US-Dollar
- Piper Sandler: Neutral, Kursziel von 330 auf 280 US-Dollar gekürzt
- Mizuho: Outperform, Kursziel von 340 auf 315 US-Dollar gesenkt
Goldman Sachs benennt die Kernsorge direkt: Der CEO-Übergang bringe zu viel Unsicherheit, während KI-Wettbewerb das untere Marktsegment weiter erodiere.
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Bewertung auf historischem Tiefstand
Parallel dazu haben Adobe und NVIDIA auf der GTC-Konferenz Anfang der Woche eine strategische Partnerschaft verkündet. Die nächste Generation der Firefly-Modelle soll auf NVIDIAs CUDA-X und NeMo-Bibliotheken aufbauen. Produkte wie Photoshop, Premiere Pro und die Adobe Experience Platform sollen durch NVIDIAs KI-Infrastruktur beschleunigt werden. Firefly Foundry wird als Herzstück der Enterprise-Strategie positioniert.
Das alles schlägt sich bislang kaum im Kurs nieder. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie rund 25 Prozent im Minus — weit abgeschlagen gegenüber dem S&P 500. Das Forward-KGV ist auf etwa das 11,5-Fache komprimiert, verglichen mit einem historischen Durchschnitt von rund 30. Mit über 8 Milliarden US-Dollar an liquiden Mitteln ist die Bilanz solide — doch solange die Nachfolge an der Konzernspitze ungeklärt bleibt, dürfte das für viele Investoren zweitrangig sein.
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