21.03.2026, 3207 Zeichen
Ein Auftragsbestand von über 20 Milliarden Euro bringt die bestehenden Werften von TKMS an ihre räumliche und logistische Belastungsgrenze. Um die massiven Volumina industriell abarbeiten zu können und sich für anstehende internationale Großprojekte in Stellung zu bringen, forciert der Konzern den Ausbau des Standorts Wismar. Die Transformation zur Hybridanlage ist dabei mehr als nur eine logistische Notwendigkeit – sie ist die Grundvoraussetzung für den nächsten strategischen Sprung.
Investitionen in die Hybrid-Werft
Bis Ende 2029 fließen rund 200 Millionen Euro in den mecklenburgischen Standort, der neben Kiel zu einem der größten Produktionszentren des Unternehmens anwachsen soll. Bereits zum Jahresbeginn 2026 nahmen über 140 neue Beschäftigte ihre Arbeit auf, womit die Belegschaft vor Ort auf über 400 Personen anwuchs. Ziel ist es, in Wismar zukünftig Sektionen oder sogar komplette U-Boote und Fregatten zu fertigen.
Diese personelle und infrastrukturelle Aufrüstung stützt sich auf ein solides operatives Fundament. Obwohl der Umsatz im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 leicht auf 545 Millionen Euro nachgab, kletterte die Bruttomarge auf 17 Prozent und der freie Cashflow lag bei plus 33 Millionen Euro. Das Management reagierte mit Zuversicht auf diese Entwicklung und hob die Jahresprognose für das Umsatzwachstum auf eine Spanne von zwei bis fünf Prozent an.
Der 37-Milliarden-Euro-Entscheid
Die neu geschaffenen Kapazitäten könnten bald dringend benötigt werden. Zwischen Mai und Juni 2026 entscheidet die kanadische Regierung über das Beschaffungsprogramm für zwölf konventionelle U-Boote mit einem Volumen von bis zu 37 Milliarden Euro. TKMS geht mit der für arktische Bedingungen konzipierten 212CD-Klasse ins Rennen und trifft dabei lediglich noch auf den südkoreanischen Konkurrenten Hanwha Ocean. Ein kürzlich geschlossenes Support-Abkommen mit dem kanadischen Anbieter Gastops untermauert die lokalen Ambitionen der Kieler.
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Am Aktienmarkt zeigte sich das Rüstungssegment zum Wochenausklang allerdings von seiner schwächeren Seite. Im Zuge einer breiteren Sektorkorrektur gab auch der Kurs von TKMS am Freitag leicht nach und verabschiedete sich bei 82,85 Euro ins Wochenende. Auf Sicht von 30 Tagen verzeichnet das Papier damit ein Minus von 15,59 Prozent.
Die kurzfristige Kursentwicklung tritt angesichts der anstehenden strategischen Weichenstellungen jedoch in den Hintergrund. Am 11. Mai 2026 legt TKMS die nächsten Quartalszahlen vor. Diese Daten werden den Anlegern konkrete Anhaltspunkte liefern, inwieweit sich der Rekordauftragsbestand bereits in steigenden Margen niederschlägt, bevor wenige Wochen später in Kanada die Entscheidung über den größten Einzelauftrag der Unternehmensgeschichte fällt.
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