09.03.2026, 3906 Zeichen
Die Palantir-Aktie steht unter Druck – trotz einer Rally von 12 Prozent in der Vorwoche. Während die Eskalation im Iran-Konflikt zunächst für Kursgewinne sorgte, bröckelt die Euphorie zu Wochenbeginn. Gleichzeitig muss das Unternehmen seine KI-Systeme beim Pentagon umbauen, nachdem Anthropic aus Regierungsverträgen ausgeschlossen wurde.
Iran-Konflikt: Kurstreiber mit Fragezeichen
Der Angriff der USA auf den Iran ließ Palantir zunächst um 15 Prozent steigen – ein Ausreißer in einem schwachen Marktumfeld. Anleger setzten darauf, dass der Softwareanbieter von höheren Verteidigungsausgaben profitiert. Das Unternehmen unterhält einen 10-Milliarden-Dollar-Vertrag mit der US-Armee und liefert KI-gestützte Waffenzielsysteme über das Maven-Smart-System-Programm.
Ob Palantirs Technologie tatsächlich bei den Iran-Operationen zum Einsatz kommt, bleibt unbestätigt. Klar ist: Die israelischen Streitkräfte nutzen die Software, und auch die Pentagon-Zusammenarbeit ist eng. Doch wie das Finanzportal Barron's anmerkt, ist die Rolle des Unternehmens im aktuellen Konflikt "keine ausgemachte Sache". Die Verteidigungsbranche gerät zu Wochenbeginn unter Druck – Palantir bildet da keine Ausnahme.
Anthropic-Rauswurf trifft Plattform
Eine zweite Baustelle belastet die kurzfristige Perspektive: Das Pentagon hat Anthropics KI-Modelle von Regierungsverträgen ausgeschlossen, nachdem beide Seiten sich nicht über den Einsatz bei autonomen Waffen und Inlandsüberwachung einigen konnten. Palantir hatte gemeinsam mit Amazon Web Services im November 2024 Anthropics Claude-Modelle für Verteidigungs- und Geheimdienstbehörden bereitgestellt – nun muss das Unternehmen diese entfernen.
Analysten von Piper Sandler bezeichnen Anthropic als "Vorreiter" für KI in sensiblen Regierungsumgebungen. Die Umstellung auf Alternativen werde Zeit kosten, auch wenn Palantir grundsätzlich modellunabhängig arbeite. Gleichwohl halten sie an ihrer Kaufempfehlung mit Kursziel 230 Dollar fest. Andere Häuser sehen "ausreichende Alternativen" und erwarten weitere Großaufträge nach dem Muster des Army-Vertrags.
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Starke Zahlen, strittige Bewertung
Die operativen Ergebnisse geben Palantir recht: Im vierten Quartal wuchs der Umsatz um 70 Prozent auf 1,41 Milliarden Dollar. Das US-Geschäft mit kommerziellen Kunden legte um 137 Prozent zu, die Regierungserlöse stiegen um 66 Prozent. Für das Gesamtjahr 2026 peilt das Management 7,18 bis 7,20 Milliarden Dollar Umsatz an.
Die Bewertung bleibt das zentrale Streitthema. Goldman Sachs senkte das Kursziel von 188 auf 182 Dollar bei neutraler Einstufung – die Begründung: Mit dem 243-fachen der erwarteten Gewinne sei das Wachstum bereits eingepreist. UBS und Daiwa Securities hingegen stuften nach dem 35-prozentigen Rückgang von den Hochs auf Kaufen hoch, jeweils mit Kursziel 180 Dollar. Rosenblatt erhöhte das Ziel sogar auf 200 Dollar und verwies auf steigende Nachfrage nach integrierten Verteidigungslösungen.
Ausblick: Bewährungsprobe für das Premiummodell
Palantir verbindet zwei Megatrends – KI-Adoption und Verteidigungsausgaben. Die Aktie verlor seit Jahresbeginn dennoch über fünf Prozent und notiert mit 135,40 Euro rund 25 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die geopolitische Lage den Kurs stützt oder ob die hohe Bewertung und der Anthropic-Umbau schwerer wiegen. Entscheidend wird sein, ob das kommerzielle Geschäft die Erwartungen auch 2026 übertreffen kann.
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