12.05.2025, 3678 Zeichen
Wien (OTS) - Laut WIFO-Schnellschätzung von Ende April wuchs das
österreichische
Bruttoinlandsprodukt im I. Quartal 2025 leicht (+0,2%). Ermöglicht
wurde dies durch eine Ausweitung der Exporte und anhaltend hohe
öffentliche Konsumausgaben. Das Verbrauchervertrauen und die
Unternehmensstimmung sind weiterhin getrübt. Angesichts des erneuten
Abwärtstrends einiger Vorlaufindikatoren und der hohen
wirtschaftspolitischen Unsicherheit ist eine neuerliche Abschwächung
der Wirtschaftsdynamik nicht unwahrscheinlich.
"Die hohe Unsicherheit belastet das Verbrauchervertrauen und wird
damit auch weiterhin die binnenwirtschaftliche Dynamik bremsen", so
der Autor des aktuellen WIFO-Konjunkturberichtes Christian Glocker.
Gemäß der WIFO-Schnellschätzung von Ende April stieg Österreichs
BIP im I. Quartal 2025 um 0,2% gegenüber dem Vorquartal (IV. Quartal
2024 –0,4%). Im Vergleich zum Vorjahresquartal ergab sich jedoch
abermals ein Rückgang um ¾% (saison- und arbeitstagsbereinigt).
Während die Industrie und das Baugewerbe weiter schwächelten,
erholten sich einige Dienstleistungsbereiche etwas. Zulegen konnten
insbesondere der Verkehr, das Grundstücks- und Wohnungswesen und die
Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, während
Beherbergung und Gastronomie an Wertschöpfung einbüßten.
Nachfrageseitig stagnierten die Konsumausgaben der privaten Haushalte
und die Bruttoanlageinvestitionen im I. Quartal 2025 weitgehend,
während der öffentliche Konsum ausgeweitet wurde. Der Außenhandel
trug leicht positiv zur Expansion der Gesamtwirtschaft bei. Die
Exporte legten trotz der gedämpften Weltkonjunktur deutlich zu und
profitierten von Vorzieheffekten aus den USA. Auf der
Verteilungsseite stand einem Rückgang der Lohneinkommen ein Anstieg
der Kapitaleinkommen gegenüber.
Die Vorlaufindikatoren zeichnen weiterhin ein trübes Bild. Die
Industriekonjunktur dürfte sich kaum nennenswert verbessern. Der
UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex gab zuletzt sogar wieder
etwas nach. Auch im Baugewerbe blieben die Konjunktureinschätzungen
pessimistisch; im Bereich der Marktdienstleistungen trübten sie sich
zuletzt erneut ein. Das Verbrauchervertrauen sank im April wieder
deutlich; der Anstieg des Teilindikators zum
Arbeitsplatzverlustrisiko spiegelt die hohe Verunsicherung der
Konsument:innen wider.
Die Inflation ist in Österreich nach wie vor höher als im
Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Der BIP-Deflator stieg im I.
Quartal 2025 um 0,7% gegenüber dem Vorquartal und notierte damit um
3,1% über dem Niveau des Vorjahresquartals. Alternative
Inflationsmaße zeichnen ein ähnliches Bild. Der VPI lag im März um
2,9% über dem Vorjahresniveau; im April betrug der Anstieg laut
Schnellschätzung von Statistik Austria 3,1%. Die Produzentenpreise
verteuerten sich im März erstmals wieder spürbar gegenüber dem
Vorjahr, nachdem sie lange Zeit nachgegeben hatten. Der Anstieg
verringert die Wahrscheinlichkeit einer nachhaltigen Abschwächung der
Inflation.
Die schwache Konjunktur belastet den Arbeitsmarkt. Die
Arbeitslosigkeit stieg zuletzt weiter an, während die Zahl der
offenen Stellen sank. Der Bestand an unselbständig aktiv
Beschäftigten lag im April nach vorläufiger Schätzung um 1.000 über
dem Vorjahresniveau, nach +2.700 im März. Ende April waren gut 24.000
Personen mehr arbeitslos gemeldet als vor einem Jahr (+8,4%), die
Zahl der Schulungsteilnehmer:innen legte um 0,6% zu. Die
Arbeitslosenquote (nationale Definition) betrug voraussichtlich 7,3%
(+0,5 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr).
Abbildung 1: Einschätzungen zur Entwicklung der Arbeitslosigkeit
in den kommenden 12 Monaten - auf der WIFO-Website
Zu den Definitionen siehe " Methodische Hinweise und Kurzglossar
".
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