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Raiffeisen Research senkt globale Indizes von "Kaufen" auf "Halten"

Magazine aktuell


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07.08.2022, 5793 Zeichen

Aus dem wöchentlichen Marktausblick von Raiffeisen Research: "Während die Geopolitik weiterhin festgefahren zu sein scheint, herrscht an den Aktienmärkten so etwas wie Aufbruchstimmung. Die erwartete Volatilität ist auf dem niedrigsten Stand seit April. Der breite US-Markt handelt seit Quartalsbeginn rund 10 % im Plus. Und selbst DAX & Co. können Kursgewinne verbuchen. All dies mag in Anbetracht der andauernden Kriegswirren am Rande Europas und dem sich zunehmend verschlechternden Klima zwischen den USA und China überraschend erscheinen. Und obwohl politische Börsen diesmal tatsächlich lange Beine haben, waren es zuletzt auch fundamentale Daten, welche die Kurse angetrieben haben.

So erleben wir aktuell ein makroökonomisches Wechselbad der Gefühle. Während beispielsweise die Markit PMIs von vor zwei Wochen noch eine besorgniserregende Verschlechterung der Konjunkturdynamik in den USA indizierten, sorgte der am Mittwoch veröffentlichte ISM-Einkaufsmanagerindex für das nicht verarbeitende Gewerbe für eine Stimmungsaufhellung. Hier wurde ein Rückgang erwartet, das Ergebnis der Unternehmensumfrage stieg hingegen über das Niveau des Vormonats an. Erfreulich dabei war, dass beispielsweise die Auftragseingänge auf Wachstum hindeuten, gleichzeitig aber auch die Preiskomponente einen deutlichen Rückgang verzeichnete – eine Kombination, welche für ein Aufatmen am Aktienmarkt sorgte und den Rezessionssorgen etwas Wind aus den Segeln nahm. Der zuletzt deutlich zurücklaufende Ölpreis stützte ebenfalls das Bild, wonach die US-Inflationsspitze hinter uns liegen könnte.

Mehrheitlich positiv waren auch die Meldungen aus der Berichtssaison. Corporate America weist zwar ebenso wie die Unternehmenslandschaft in Europa teilweise äußerst diametrale Entwicklungen auf. Im Aggregat fallen die Ergebnisse jedoch deutlich besser als erwartet aus. Von den S&P 500-Unternehmen, welche bereits ihr Zahlenwerk vorgelegt haben, konnten mehr als 70 % die in sie gestellten Gewinnerwartungen übertreffen. Unterm Strich steht bei einem Auszählungsgrad von 70 % auf Indexbasis ein solides Gewinnwachstum im Vergleich zur Vorjahresperiode zu Buche. Auf Gesamtjahressicht liegt damit die Wachstumserwartung für die S&P 500-Unternehmen bei +10 %. In Europa hebt der schwache Euro die Gewinne der Unternehmen teilweise in Lichte Höhen. Wenngleich im Vergleich zu den USA die Berichtssaison noch nicht allzu weit fortgeschritten ist, deutet sich auch hier ein deutliches Gewinnwachstum für das heurige Geschäftsjahr von über 15 % (Euro STOXX 50) an.

Der Blick auf die Sektorperformance der letzten Wochen zeigt zudem ein auffallendes Bild: nämlich eine massive Outperformance von Aktien des zyklischen Konsums und des Tech-Sektors. Aus Contrarian-Sicht ist dies aber eigentlich nicht allzu überraschend, schließlich handelt es sich hierbei um genau jene Branchen, die zuvor zu den größten Verlierern zählten. Der Tech-Sektor, welcher eine hohe Zinssensitivität aufweist, zeigte sich zudem vom Rücklauf der Renditen beflügelt. Die Rendite 10-jähriger US Treasuries erreichte Mitte Juni bei 3,5 % ihren bisherigen Höchststand, welcher exakt mit dem Tief des NASDAQ 100 einherging. Die Rendite im 10-jährigen Bereich ist mittlerweile aber auf 2,7 % zurückgelaufen und bescherte dem NASDAQ 100 seitdem einen Anstieg von rund 20 %. Streng nach Definition müsste also zumindest für das Tech-Segment ein neuer Bullenmarkt ausgerufen werden.

Vor allem der letzte Satz ist aber mit Vorsicht zu genießen. Zwar scheinen sich derzeit tatsächlich einige Risikofaktoren aufzulösen: Gas fließt (vorerst) weiter nach Europa, die Inflation scheint in den USA ihren Höhepunkt an Dynamik erreicht zu haben, die Unternehmensausblicke halten sich vor dem Hintergrund der vielen Probleme bislang sehr gut. Es sei aber nochmals darauf hingewiesen, dass die letzten Makrodaten teilweise widersprüchlich ausfielen und selbst bei den einzelnen Unternehmensmeldungen nicht immer alles eitel Wonne ist (Stichwort Einzelhändler). Die Inflationverliert zwar an Fahrt, befindet sich aber nach wie vor deutlich über den angestrebten Niveaus. Die Notenbanken werden daher weiterhin an ihrem hawkishen Kurs festhalten – wenngleich am Aktienmarkt dort und da bereits Hoffnungen aufkamen, dass der restriktivere Kurs früher enden könnte. Gleichzeitig gab es auf der geopolitischen Seite zuletzt wieder mehr Ver- als Entspannung – vor allem im Hinblick auf das Damoklesschwert Taiwan, welches über den US-chinesischen Beziehungen hängt.

Die jüngste Rally an den Aktienmärkten sorgte dafür, dass ein nicht unwesentlicher Teil der positiven Entwicklungen, die wir eigentlich erst im weiteren Verlauf der zweiten Jahreshälfte erwartet haben, bereits jetzt eingetreten ist. Wie auch in unserem Kompass Ende Juni angeführt, sahen wir den US-Markt gegenüber Europa in einer besseren Ausgangsposition, mit einer Bevorzugung von Growth gegenüber Value. Exakt so ist es eingetreten. Im Hinblick auf das sich verbessernde Sentiment und bereits zu erkennenden FOMO-Tendenzen (Fear of missing out) ist nicht auszuschließen, dass die Märkte das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht haben. In Anbetracht dessen, dass wir aber mittlerweile mehrheitlich über unseren Septemberzielen liegen und sich gar die Dezember-Indexziele in Schlagdistanz befinden, werden wir vorsichtiger. Wir denken, dass die Aktienmärkte mittlerweile viel der positiven Entwicklungen wieder vorweggenommen haben. Wir senken daher unsere Empfehlung für die globalen Indizes von KAUF auf HALTEN. Damit einhergehend passen wir die Indexschätzungen für den chinesischen Aktienmarkt nach unten an. Ein Wiedereinstieg in den Markt im Allgemeinen erscheint uns erst wieder attraktiv, sobald mehr Klarheit im Hinblick auf die Konjunkturdynamik und das geopolitische Kräftemessen herrscht."



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    Aus dem wöchentlichen Marktausblick von Raiffeisen Research: "Während die Geopolitik weiterhin festgefahren zu sein scheint, herrscht an den Aktienmärkten so etwas wie Aufbruchstimmung. Die erwartete Volatilität ist auf dem niedrigsten Stand seit April. Der breite US-Markt handelt seit Quartalsbeginn rund 10 % im Plus. Und selbst DAX & Co. können Kursgewinne verbuchen. All dies mag in Anbetracht der andauernden Kriegswirren am Rande Europas und dem sich zunehmend verschlechternden Klima zwischen den USA und China überraschend erscheinen. Und obwohl politische Börsen diesmal tatsächlich lange Beine haben, waren es zuletzt auch fundamentale Daten, welche die Kurse angetrieben haben.

    So erleben wir aktuell ein makroökonomisches Wechselbad der Gefühle. Während beispielsweise die Markit PMIs von vor zwei Wochen noch eine besorgniserregende Verschlechterung der Konjunkturdynamik in den USA indizierten, sorgte der am Mittwoch veröffentlichte ISM-Einkaufsmanagerindex für das nicht verarbeitende Gewerbe für eine Stimmungsaufhellung. Hier wurde ein Rückgang erwartet, das Ergebnis der Unternehmensumfrage stieg hingegen über das Niveau des Vormonats an. Erfreulich dabei war, dass beispielsweise die Auftragseingänge auf Wachstum hindeuten, gleichzeitig aber auch die Preiskomponente einen deutlichen Rückgang verzeichnete – eine Kombination, welche für ein Aufatmen am Aktienmarkt sorgte und den Rezessionssorgen etwas Wind aus den Segeln nahm. Der zuletzt deutlich zurücklaufende Ölpreis stützte ebenfalls das Bild, wonach die US-Inflationsspitze hinter uns liegen könnte.

    Mehrheitlich positiv waren auch die Meldungen aus der Berichtssaison. Corporate America weist zwar ebenso wie die Unternehmenslandschaft in Europa teilweise äußerst diametrale Entwicklungen auf. Im Aggregat fallen die Ergebnisse jedoch deutlich besser als erwartet aus. Von den S&P 500-Unternehmen, welche bereits ihr Zahlenwerk vorgelegt haben, konnten mehr als 70 % die in sie gestellten Gewinnerwartungen übertreffen. Unterm Strich steht bei einem Auszählungsgrad von 70 % auf Indexbasis ein solides Gewinnwachstum im Vergleich zur Vorjahresperiode zu Buche. Auf Gesamtjahressicht liegt damit die Wachstumserwartung für die S&P 500-Unternehmen bei +10 %. In Europa hebt der schwache Euro die Gewinne der Unternehmen teilweise in Lichte Höhen. Wenngleich im Vergleich zu den USA die Berichtssaison noch nicht allzu weit fortgeschritten ist, deutet sich auch hier ein deutliches Gewinnwachstum für das heurige Geschäftsjahr von über 15 % (Euro STOXX 50) an.

    Der Blick auf die Sektorperformance der letzten Wochen zeigt zudem ein auffallendes Bild: nämlich eine massive Outperformance von Aktien des zyklischen Konsums und des Tech-Sektors. Aus Contrarian-Sicht ist dies aber eigentlich nicht allzu überraschend, schließlich handelt es sich hierbei um genau jene Branchen, die zuvor zu den größten Verlierern zählten. Der Tech-Sektor, welcher eine hohe Zinssensitivität aufweist, zeigte sich zudem vom Rücklauf der Renditen beflügelt. Die Rendite 10-jähriger US Treasuries erreichte Mitte Juni bei 3,5 % ihren bisherigen Höchststand, welcher exakt mit dem Tief des NASDAQ 100 einherging. Die Rendite im 10-jährigen Bereich ist mittlerweile aber auf 2,7 % zurückgelaufen und bescherte dem NASDAQ 100 seitdem einen Anstieg von rund 20 %. Streng nach Definition müsste also zumindest für das Tech-Segment ein neuer Bullenmarkt ausgerufen werden.

    Vor allem der letzte Satz ist aber mit Vorsicht zu genießen. Zwar scheinen sich derzeit tatsächlich einige Risikofaktoren aufzulösen: Gas fließt (vorerst) weiter nach Europa, die Inflation scheint in den USA ihren Höhepunkt an Dynamik erreicht zu haben, die Unternehmensausblicke halten sich vor dem Hintergrund der vielen Probleme bislang sehr gut. Es sei aber nochmals darauf hingewiesen, dass die letzten Makrodaten teilweise widersprüchlich ausfielen und selbst bei den einzelnen Unternehmensmeldungen nicht immer alles eitel Wonne ist (Stichwort Einzelhändler). Die Inflationverliert zwar an Fahrt, befindet sich aber nach wie vor deutlich über den angestrebten Niveaus. Die Notenbanken werden daher weiterhin an ihrem hawkishen Kurs festhalten – wenngleich am Aktienmarkt dort und da bereits Hoffnungen aufkamen, dass der restriktivere Kurs früher enden könnte. Gleichzeitig gab es auf der geopolitischen Seite zuletzt wieder mehr Ver- als Entspannung – vor allem im Hinblick auf das Damoklesschwert Taiwan, welches über den US-chinesischen Beziehungen hängt.

    Die jüngste Rally an den Aktienmärkten sorgte dafür, dass ein nicht unwesentlicher Teil der positiven Entwicklungen, die wir eigentlich erst im weiteren Verlauf der zweiten Jahreshälfte erwartet haben, bereits jetzt eingetreten ist. Wie auch in unserem Kompass Ende Juni angeführt, sahen wir den US-Markt gegenüber Europa in einer besseren Ausgangsposition, mit einer Bevorzugung von Growth gegenüber Value. Exakt so ist es eingetreten. Im Hinblick auf das sich verbessernde Sentiment und bereits zu erkennenden FOMO-Tendenzen (Fear of missing out) ist nicht auszuschließen, dass die Märkte das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht haben. In Anbetracht dessen, dass wir aber mittlerweile mehrheitlich über unseren Septemberzielen liegen und sich gar die Dezember-Indexziele in Schlagdistanz befinden, werden wir vorsichtiger. Wir denken, dass die Aktienmärkte mittlerweile viel der positiven Entwicklungen wieder vorweggenommen haben. Wir senken daher unsere Empfehlung für die globalen Indizes von KAUF auf HALTEN. Damit einhergehend passen wir die Indexschätzungen für den chinesischen Aktienmarkt nach unten an. Ein Wiedereinstieg in den Markt im Allgemeinen erscheint uns erst wieder attraktiv, sobald mehr Klarheit im Hinblick auf die Konjunkturdynamik und das geopolitische Kräftemessen herrscht."



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