27.04.2022, 6879 Zeichen
Aus den Morning News der Wiener Privatbank: Der heimische Markt drehte im Späthandel ins Minus, nachdem der ATX sich über weite Strecken des Tages im positiven Bereich halten konnte musste er gegen Ende hin nachgeben und ging mit einem Rückgang von 1,0% aus dem Handel. Für Impulse sorgten in Wien die Ergebnisse heimischer Firmen, Mayr Melnhof lieferte allgemein Zahlen, die über den Erwartungen ausfielen, vor allem die erfolgreiche Weitergabe von erhöhten Rohstoffkosten mittels Preiserhöhungen wurde von den Analysten gelobt, nachdem die Aktie zunächst zulegen konnte, drehte sie dann mit dem breiten Markt ins Minus und endete mit einem Abschlag von 1,8%. Auch die Bawag öffnete ihre Bücher, die Bank hat für das erste Quartal einen um die Hälfte auf 111 Millionen gesteigerten Nettogewinn gemeldet, die Zahlen lagen insgesamt leicht über den Erwartungen, brachten aber keine wesentlichen Überraschungen, die Aktie musste 1,1% nachgeben.
Deutlich schlechter lief es für eine andere große Bank, die Raiffeisen Bank International musste einen Kursrückgang von 3,9% hinnehmen, die Erste Group konnte sich da im Vergleich dazu deutlich besser halten, für sie ging es lediglich um 0,9% nach unten. Die kleinere Addiko Bank konnte sich deutlich von den großen Mitbewerbern absetzen, für sie ging es um 2,9% nach oben. Unterschiedlich verlief der Handelstag für die Ölwerte, während die OMV ein Minus von 1,5% hinnehmen musste, konnte Schoeller-Bleckmann deutlich zulegen und sich mit einem Plus von 4,0% an die Spitze der Kursübersicht setzen. Ähnlich die Situation bei den Bauunternehmen, Strabag war einer der gefragtesten Titel und konnte sich um 1,4% verbessern, der Mitbewerber Porr, der am Donnerstag seine Ergebnisse präsentieren wird, rutschte hingegen um 5,2% nach unten und war damit der schwächste Titel des gestrigen Handels. Ebenfalls nachgeben musste Frequentis, für den Softwareanbieter gab es einen Rückgang von 3,3%, auch FACC wurde verkauft, der Flugzeugzulieferer musste 3,1% nachgeben. Zulegen konnte hingegen Warimpex, das Immobilienunternehmen durfte sich über eine Verbesserung von 1,2% freuen.
Unternehmensnachrichten
A1 Telekom Austria
Das heimische Telekommunikationsunternehmen A1 Telekom Austria präsentierte gestern nachbörslich seine Zahlen zum Q1/22, die auf operativer Ebene etwas über den Erwartungen lagen. Der Gesamtumsatz der Gruppe stieg im Jahresvergleich um 2,7% auf €1.166,4 Mio., was auf den Anstieg der Erlöse aus Dienstleistungen (+3,4%) in allen Märkten zurückzuführen war. Die Roaming-Umsätze begünstigten die Ergebnisse im Q1/22 (positive Auswirkung gegenüber dem Vorjahr: ca. 1% der Umsatzerlöse; ca. 2% des EBITDA ggü.ca. -3% im Q1/21), was auf die Rückkehr der Reisetätigkeit in allen Ländern, insbesondere in Österreich, zurückzuführen war. Das EBITDA der Gruppe vor Restrukturierungsaufwendungen stieg um 7,9% auf €452,7 Mio. (berichtet: 8,4%), bedingt durch den Anstieg der Erlöse aus Dienstleistungen und die bessere Marge auf Endgeräte trotz höherer Core OPEX. Das Nettoergebnis verbesserte sich im Jahresvergleich um 20,0% auf €130,7 Mio., da die solide operative Leistung einen höheren Ertragssteueraufwand mehr als ausgleichen konnte. Das Management der A1 Telekom Austria Group bestätigt den Ausblick für das Geschäftsjahr 2022 und erwartet ein Umsatzwachstum von annähernd 3 %. Aufgrund der aktuellen Lage besteht das zusätzliche Risiko, dass der belarussische Rubel durch negative Entwicklungen belastet werden könnte.
Q1/22: Umsatzerlöse: €1.166,4 Mio. (1.172,3e); EBITDA (vor Restrukturierung): €452,7 Mio. (440,1e); EBIT: €194,2 Mio. (187,4e); Nettoergebnis: €130,7 Mio. (127e)
Warimpex
Das heimische Immobilienunternehmen Warimpex veröffentlichte heute seine Ergebnisse zum Geschäftsjahr 2021, die über den Analystenschätzungen lagen. Im Geschäftsjahr 2021 verringerten sich die Umsatzerlöse aus der Vermietung von Büroimmobilien geringfügig von €20,6 Mio. auf €20,3 Mio. Dies resultiert aus einer Abwertung des Rubels im Jahresdurchschnitt von rund 9 % im Vergleich zum Vorjahr. Die Performance der Hotels verbesserte sich nach Corona-bedingten Umsatzrückgängen wieder: Die Umsatzerlöse im Hotelbereich erhöhten sich von €3,6 Mio. auf €4,8 Mio. Der Gesamtumsatz stieg von €25,7 Mio. auf €26,7 Mio., während der direkt den Umsatzerlösen zuordenbare Aufwand – auch aufgrund von Corona-Hilfen – von €11,3 Mio. auf €10,6 Mio. gesenkt werden konnte. Das EBITDA verbesserte sich von €3,0 Mio. auf €14,5 Mio. Dies ist auf das höhere Bruttoergebnis, auf einen Buchgewinn aus dem Erwerb von Unternehmensanteilen sowie auf den Aufwandsrückgang wegen Wegfalls von Rückstellungsdotierungen zurückzuführen. Das EBIT verbesserte sich aufgrund des höheren betrieblichen Ergebnisses sowie des positiven Immobilienbewertungsergebnisses von €-7,7 Mio. auf €15,5 Mio. In Summe konnte die Warimpex-Gruppe für das Geschäftsjahr 2021 ein im Vergleich zum Vorjahr deutlich besseres Periodenergebnis in der Höhe von €12,0 Mio. erzielen (2020: €-31,1 Mio.). Der EPRA NTA stieg im Jahresvergleich um 10% auf €2,63/Aktie. Für das Jahr 2022 liegt der operative Schwerpunkt von Warimpex neben der Bauvorbereitung und Erlangung von Baugenehmigungen in der Fortführung der bestehenden Bautätigkeiten. Dabei spielt das Thema Nachhaltigkeit weiterhin eine wichtige Rolle: Egal ob bei Neubauten, bei Altgebäuden oder im Betrieb – der Klimawandel bringt auch für Immobilien neue Anforderungen mit sich.
GJ 2021: Umsatzerlöse: €20,3 Mio. (25,7e), EBITDA: €14,5 Mio. (10,1e), EBIT: €15,5 Mio. (10,7e), Periodenergebnis: €12,0 Mio. (4,2e)
Immofinanz
Die IMMOFINANZ AG wird im Rahmen des Kontrollwechselereignisses für ihre beiden Unternehmensanleihen mit den Laufzeiten bis 2023 und 2027 einen kurzfristigen Liquiditätsbedarf von rund €568,8 Mio. haben. Bis 25. April haben Inhaber der Unternehmensanleihe mit Laufzeit 2023 (XS1935128956) ein Nominale von €295,7 Mio. sowie der Unternehmensanleihe mit Laufzeit 2027 (XS2243564478) ein Nominale von €262,2 Mio. der IMMOFINANZ zum Rückkauf angedient. Das Recht, die Rückzahlung zu 101% des Nennbetrags zuzüglich aufgelaufener Zinsen zu verlangen, konnte von den Anleiheinhabern aufgrund des Kontrollwechselereignisses bis zum 25. April 2022 ausgeübt werden und betraf ein Nominale von insgesamt €982,8 Mio. Die Rückzahlung der angedienten Anleihen wird aus liquiden Mitteln der IMMOFINANZ bedient. Diese belaufen sich per 31. Dezember 2021 auf €987,1 Mio. Die Höhe des Liquiditätsabflusses hat Auswirkungen auf den von der IMMOFINANZ gegebenen Ausblick zur Geschäftsentwicklung im Jahr 2022 in Bezug auf das Portfoliowachstum auf rund €6 Mrd., dem Ziel für den FFO 1 (vor Steuern) von mehr als €135 Mio. und folglich auch auf die Höhe der Dividendenzahlungen für die Geschäftsjahre 2021 und 2022. Diese Guidance wird daher zurückgenommen und der Vorstand wird die voraussichtliche Geschäftsentwicklung neu bewerten.
Börsepeople im Podcast S25/05: Markus Leitgeb (AT&S)
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