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Der Marathonläufer auf der Covid-Station (Vienna City Marathon)

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21.12.2020

Patrick Krammer lief bei den Marathon-Staatsmeisterschaften am Sonntag in Wien in 2:29:11 Stunden auf den zweiten Platz. Eine Woche vor seinem 30. Geburtstag hat er damit zum ersten Mal eine Medaille bei Staatsmeisterschaften gewonnen. Im Beruf arbeitet er als Pfleger auf einer Covid-Station.

Wir finden, seine Geschichte solltest du kennen lernen. Hier erzählt er sie.

„Diese Medaille ist etwas Besonderes für mich. Ich freue mich immer noch sehr. Körperlich geht es mir soweit gut. Der Marathon im Prater war sehr gut zu laufen, bis auf die Temperatur. Ich bin eher der Herbsttyp, so 15°C wären ideal, aber da will ich mich nicht beschweren. Es war für jeden gleich. Ich tu mir schwer mit dem Einschlafen nach einem Wettkampf. Man ist so voll mit Adrenalin und Eindrücken.

Drei Schichten Plastik, zwei Hauben, eine FFP 3 Maske

Am Tag nach dem Marathon war es hart in der Arbeit. Ich arbeite als Pfleger im LKH Mödling auf der Covid-Station. Ich hatte am Montag einen 12-Stunden-Dienst und am Dienstag wieder 12 Stunden. In der Früh haben wir dieses Foto mit der Medaille gemacht. Ich arbeite in Schutzausrüstung. Man schwitzt stark. Ich trage drei Schichten Plastik, zwei Hauben, eine Brille, 2 Paar Handschuhe, eine FFP 3 Maske. In einem 12-Stunden-Dienst bin ich etwa acht Stunden in Schutzkleidung, der Rest sind Hintergrundarbeiten wie Dokumentation. Mittwoch war frei, von Mittwoch auf Donnerstag dann ein Nachtdienst.

Die langen Trainings über 30-35 Kilometer habe ich in den letzten Wochen immer zusammen mit Mario Bauernfeind gemacht. Er hatte ein bisschen Achillesprobleme und hat herumüberlegt, ob er bei den Staatsmeisterschaften überhaupt starten soll. Wir haben besprochen, dass wir gemeinsam laufen. Nach dem Halbmarathon ist er zurückgefallen. Er hat dann als Dritter auch eine Medaille gewonnen.

Ich war euphorisch. Die Freude ist riesengroß.

Bei meiner ersten österreichischen Meisterschaft vor fast zehn Jahren bin ich Fünfter über 3.000 Meter in der U23 geworden. Damals habe ich zu meinem Trainer Herwig Grünsteidl gesagt: ‚Einmal hole ich mir eine solche Medaille!‘ Es wäre vermessen für mich zu sagen, ich will schneller sein als der Valentin oder der Timon oder der Christian. Aber ich kann in meinem Bereich das Beste rausholen.

Als mir am Sonntag auf der Hauptallee jemand zugerufen hat: ‚Du bist Dritter!‘ und dann ‚Du bist Zweiter!‘, da habe ich mich riesig gefreut. Ich war euphorisch. So knapp war ich noch nie an einer Medaille dran. Ich habe dann zu mir gesagt: ‚Sei nicht blöd. Schau, dass du das jetzt ins Ziel bringst.‘ Der Marathon wird ja erst am Schluss hart. Ich bin die letzten zwei Runden alleine gelaufen, das war schwer.

Die Freude ist riesengroß, dass ich Zweiter geworden bin. Du siehst dich einfach bestätigt für die ganze Arbeit. Ich bin meiner Frau sehr dankbar, weil sie mich immer sehr unterstützt und den Sport toleriert, in der Intensität, wie ich ihn ausübe. Sie ist zum Zieleinlauf in die Hauptallee gekommen. Es freut mich auch für Herwig, meinen Trainer, weil er sich so reinhaut.

Es sterben viele. Laufen hilft mir, es zu verarbeiten.

Die Woche davor war hart im Krankenhaus. Ich war am Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag im Dienst. Da war ich schon ziemlich müde. Den Samstag habe ich großteils auf der Couch verbracht.

Seit November bin ich auf der Covid-Station. Vorher war ich auf der Orthopädie. Die planbaren Operationen werden jetzt aber nicht durchgeführt, weil die Kapazitäten für Corona-Patienten gebraucht werden.

Es geht irrsinnig an die Substanz. Das ist nicht mit einem normalen Klinikalltag vergleichbar. Darunter leidet auch das Training, aber es gibt derzeit eben Wichtigeres als laufen. Von 25 Patienten sind 24 richtig pflegebedürftig. Wir müssen alles machen, sie versorgen, aufsetzen, umlagern, überall helfen. Das ist körperlich sehr hart jetzt. Vielleicht ist es auch ein zusätzlicher Trainingseffekt.

Es sterben viele. So viele Tote habe ich bisher nicht gesehen. Das beschäftigt einen natürlich. Das Laufen hilft mir dabei, es zu verarbeiten.

Laufen ist mein Sport

Wenn ich Tagdienste habe, laufe ich in der Früh 10 km ins Krankenhaus und am Abend 10 km nach Hause. Am Tag vor einem Nachtdienst mache ich am Vormittag meine harten Intervalltrainings. Ich esse zu Mittag, dann schlafe ich etwas und um 19 Uhr beginnt der Dienst. Am Tag nach einem Nachtdienst mache ich gemütliche Grundlagenläufe, da ist kein hartes Training möglich. Wenn ich einen Tag ganz frei habe, mache ich zum Beispiel die intensiven 30 km Läufe.

Früher habe ich Fußball gespielt, aber hatte keinen Spaß mehr daran. Freunde von mir waren Mehrkämpfer, die haben gesagt: ‚Du kannst ja so gut laufen, komm einmal zu einem Training mit.‘ So bin ich mit meinem jetzigen Trainer Herwig Grünsteidl und dem Verein DSG Wien in Kontakt gekommen. Es war sofort klar, dass das Laufen mein Sport ist und mir große Freude bereitet. 2010 habe ich mit der Leichtathletik angefangen. Es motiviert sehr, wenn man einen solchen Trainer hat. Neun Tage vor dem Marathon ist er bei Schnee, Wind und Wetter mit mir am LAZ in Wien gestanden und hat meine 400 m Zeiten gestoppt. Das muss er nicht machen, das ist einfach großartig.

Eine Maske ist das Einfachste

Als im Herbst die Diskussionen auftauchten, dass der Marathon stattfinden könnte, habe ich mich darauf vorbereitet. Ich habe diesmal nicht so spezifisch trainiert wie vor meinem ersten Marathon in Frankfurt 2019, als ich 2:26:51 gelaufen bin, aber ich war schon bereit. Es war super, dass der Marathon stattgefunden hat. Ein großes Lob an die Organisation.

Ich lasse mich jede Woche testen, das ist mir wichtig. Eine Maske tragen ist das Einfachste. Das kann jeder machen. Eine Maske habe ich immer dabei, wenn ich außer Haus gehe. Hände waschen, Abstand halten. Wir müssen positiv bleiben und das Beste draus machen.“

Danke und Riesen-Respekt an Patrick!

Beispiel einer Trainingswoche (16.-22.11.)


Montag: Dienst von 7:00-19:15
Aufstehen um 05:15 und lockerer Dauerlauf um ca. 5:45 von 10 km (pace ca. 4:10) A1 Bereich
Von der Arbeit heim um ca. 19:30, lockerer Dauerlauf von 10km (pace ca. 4:10) A1 Bereich

Dienstag: Freier Tag
Belastung auf der Prater Hauptallee
3 km Aufwärmen inkl. Lauf ABC und Gymnastik
3 x 5 km in ca. 3:20 pace und 1 km locker in ca. 3:50 gesamt 17 km in 3:25 pace + 1 km Trabpause und 5 x 200 m schneller
3 km auslaufen
Gesamt 25,4 km

Mittwoch: Kurzdienst von 7:00-15:00
Aufstehen um 05:15 und lockerer Dauerlauf um ca. 5:45 von 10 km (pace ca. 4:10) A1 Bereich
Von der Arbeit heim um ca. 15:30. 13 km Dauerlauf (pace ca. 3:36) + allgemeine Kräftigung ca. 60 Minuten

Donnerstag: Kurzdienst von 7:00-15:00
Fartlek im Gelände
Warm up ca. 30 Minuten (Einlaufen, Lauf ABC + Andehnen)
Belastung 8 x 3 Minuten flott, 2 Minuten easy (alles bergauf)
Cool down 30 Minuten bergab
Gesamt 18,9 km

Freitag: Kurzdienst von 7:00-15:00
15 km Dauerlauf in ca. 4:10 pace

Samstag: Nachtdienst von 18:45-7:30
Belastung: 30 km Dauerlauf mit Mario Bauernfeind
Start 9:00
2 km Aufwärmen zum Treffpunkt in Vösendorf
Belastung:
10 km in ca. 3:45 pace + 20 km in ca. 3:25-3:30 pace -> Gesamt 30 km (3:34 pace)
Auslaufen 2 km nachhause

Sonntag: Nach Nachtdienst
Nachhause um 8:10
Training nach Schlafen ab 14:00 möglich
15 km Dauerlauf im A1 Grundlagenbereich (4:10 pace) + 40 Minuten Kräftigung allgemein und Gymnastik

Gesamt:
48 Arbeitsstunden
151,3 Laufkilometer

Belastungen, Arbeitsstunden und Dienstzeiten variieren natürlich von Woche zu Woche.


VCM News / AM

Im Original hier erschienen: Der Marathonläufer auf der Covid-Station




 

Bildnachweis

1. Patrick Krammer in Schutzkleidung und - fürs Foto - mit Staatsmeisterschaftsmedaille im LKH Mödling.

Aktien auf dem Radar:Strabag, Kapsch TrafficCom, voestalpine, Marinomed Biotech, FACC, Palfinger, Österreichische Post, Polytec Group, Wienerberger, Mayr-Melnhof, SBO, Rosenbauer, Verbund, Addiko Bank, Frequentis, RHI Magnesita, Agrana, Athos Immobilien, Pierer Mobility, Warimpex, Oberbank AG Stamm, Amag, CA Immo, Porr, S Immo, VIG.


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    Der Marathonläufer auf der Covid-Station (Vienna City Marathon)


    21.12.2020

    Patrick Krammer lief bei den Marathon-Staatsmeisterschaften am Sonntag in Wien in 2:29:11 Stunden auf den zweiten Platz. Eine Woche vor seinem 30. Geburtstag hat er damit zum ersten Mal eine Medaille bei Staatsmeisterschaften gewonnen. Im Beruf arbeitet er als Pfleger auf einer Covid-Station.

    Wir finden, seine Geschichte solltest du kennen lernen. Hier erzählt er sie.

    „Diese Medaille ist etwas Besonderes für mich. Ich freue mich immer noch sehr. Körperlich geht es mir soweit gut. Der Marathon im Prater war sehr gut zu laufen, bis auf die Temperatur. Ich bin eher der Herbsttyp, so 15°C wären ideal, aber da will ich mich nicht beschweren. Es war für jeden gleich. Ich tu mir schwer mit dem Einschlafen nach einem Wettkampf. Man ist so voll mit Adrenalin und Eindrücken.

    Drei Schichten Plastik, zwei Hauben, eine FFP 3 Maske

    Am Tag nach dem Marathon war es hart in der Arbeit. Ich arbeite als Pfleger im LKH Mödling auf der Covid-Station. Ich hatte am Montag einen 12-Stunden-Dienst und am Dienstag wieder 12 Stunden. In der Früh haben wir dieses Foto mit der Medaille gemacht. Ich arbeite in Schutzausrüstung. Man schwitzt stark. Ich trage drei Schichten Plastik, zwei Hauben, eine Brille, 2 Paar Handschuhe, eine FFP 3 Maske. In einem 12-Stunden-Dienst bin ich etwa acht Stunden in Schutzkleidung, der Rest sind Hintergrundarbeiten wie Dokumentation. Mittwoch war frei, von Mittwoch auf Donnerstag dann ein Nachtdienst.

    Die langen Trainings über 30-35 Kilometer habe ich in den letzten Wochen immer zusammen mit Mario Bauernfeind gemacht. Er hatte ein bisschen Achillesprobleme und hat herumüberlegt, ob er bei den Staatsmeisterschaften überhaupt starten soll. Wir haben besprochen, dass wir gemeinsam laufen. Nach dem Halbmarathon ist er zurückgefallen. Er hat dann als Dritter auch eine Medaille gewonnen.

    Ich war euphorisch. Die Freude ist riesengroß.

    Bei meiner ersten österreichischen Meisterschaft vor fast zehn Jahren bin ich Fünfter über 3.000 Meter in der U23 geworden. Damals habe ich zu meinem Trainer Herwig Grünsteidl gesagt: ‚Einmal hole ich mir eine solche Medaille!‘ Es wäre vermessen für mich zu sagen, ich will schneller sein als der Valentin oder der Timon oder der Christian. Aber ich kann in meinem Bereich das Beste rausholen.

    Als mir am Sonntag auf der Hauptallee jemand zugerufen hat: ‚Du bist Dritter!‘ und dann ‚Du bist Zweiter!‘, da habe ich mich riesig gefreut. Ich war euphorisch. So knapp war ich noch nie an einer Medaille dran. Ich habe dann zu mir gesagt: ‚Sei nicht blöd. Schau, dass du das jetzt ins Ziel bringst.‘ Der Marathon wird ja erst am Schluss hart. Ich bin die letzten zwei Runden alleine gelaufen, das war schwer.

    Die Freude ist riesengroß, dass ich Zweiter geworden bin. Du siehst dich einfach bestätigt für die ganze Arbeit. Ich bin meiner Frau sehr dankbar, weil sie mich immer sehr unterstützt und den Sport toleriert, in der Intensität, wie ich ihn ausübe. Sie ist zum Zieleinlauf in die Hauptallee gekommen. Es freut mich auch für Herwig, meinen Trainer, weil er sich so reinhaut.

    Es sterben viele. Laufen hilft mir, es zu verarbeiten.

    Die Woche davor war hart im Krankenhaus. Ich war am Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag im Dienst. Da war ich schon ziemlich müde. Den Samstag habe ich großteils auf der Couch verbracht.

    Seit November bin ich auf der Covid-Station. Vorher war ich auf der Orthopädie. Die planbaren Operationen werden jetzt aber nicht durchgeführt, weil die Kapazitäten für Corona-Patienten gebraucht werden.

    Es geht irrsinnig an die Substanz. Das ist nicht mit einem normalen Klinikalltag vergleichbar. Darunter leidet auch das Training, aber es gibt derzeit eben Wichtigeres als laufen. Von 25 Patienten sind 24 richtig pflegebedürftig. Wir müssen alles machen, sie versorgen, aufsetzen, umlagern, überall helfen. Das ist körperlich sehr hart jetzt. Vielleicht ist es auch ein zusätzlicher Trainingseffekt.

    Es sterben viele. So viele Tote habe ich bisher nicht gesehen. Das beschäftigt einen natürlich. Das Laufen hilft mir dabei, es zu verarbeiten.

    Laufen ist mein Sport

    Wenn ich Tagdienste habe, laufe ich in der Früh 10 km ins Krankenhaus und am Abend 10 km nach Hause. Am Tag vor einem Nachtdienst mache ich am Vormittag meine harten Intervalltrainings. Ich esse zu Mittag, dann schlafe ich etwas und um 19 Uhr beginnt der Dienst. Am Tag nach einem Nachtdienst mache ich gemütliche Grundlagenläufe, da ist kein hartes Training möglich. Wenn ich einen Tag ganz frei habe, mache ich zum Beispiel die intensiven 30 km Läufe.

    Früher habe ich Fußball gespielt, aber hatte keinen Spaß mehr daran. Freunde von mir waren Mehrkämpfer, die haben gesagt: ‚Du kannst ja so gut laufen, komm einmal zu einem Training mit.‘ So bin ich mit meinem jetzigen Trainer Herwig Grünsteidl und dem Verein DSG Wien in Kontakt gekommen. Es war sofort klar, dass das Laufen mein Sport ist und mir große Freude bereitet. 2010 habe ich mit der Leichtathletik angefangen. Es motiviert sehr, wenn man einen solchen Trainer hat. Neun Tage vor dem Marathon ist er bei Schnee, Wind und Wetter mit mir am LAZ in Wien gestanden und hat meine 400 m Zeiten gestoppt. Das muss er nicht machen, das ist einfach großartig.

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    Ich lasse mich jede Woche testen, das ist mir wichtig. Eine Maske tragen ist das Einfachste. Das kann jeder machen. Eine Maske habe ich immer dabei, wenn ich außer Haus gehe. Hände waschen, Abstand halten. Wir müssen positiv bleiben und das Beste draus machen.“

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    Gesamt:
    48 Arbeitsstunden
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    Belastungen, Arbeitsstunden und Dienstzeiten variieren natürlich von Woche zu Woche.


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