09.06.2020, 5797 Zeichen
Wenn man bestimmte Gegebenheiten gar nicht erst hinterfragt, hat man es meistens mit einem Glaubenssatz zu tun. Diese können einem aber gerade in finanziellen Angelegenheiten zum Verhängnis werden.
Huub Stevens. Dieser Mann reiht sich nicht etwa in die Riege super-erfolgreicher Börsengiganten ein, die hier normalerweise thematisiert werden. Nein. Dieser Niederländer war in den letzten Jahrzehnten ein erfolgreicher Fußballtrainer.
Keine Angst, es wird jetzt nicht sehr lange um den “Knurrer aus Kerkrade” gehen, wie er wegen seiner oft launigen Interviews genannt wird.
DER Satz
Tatsächlich wird es nur um einen einzigen Satz von ihm gehen. Einen absolut legendären Satz. Dieser lautet:
“Die Null muss stehen”.
Gemeint hat Stevens damit, dass beim Fußball die Grundlage für jeden Erfolg darin begründet liegt, zunächst einmal kein Gegentor zu erhalten. Denn dann reicht bereits ein Treffer, und man hat gewonnen. So weit, so unspektakulär.
Seine Berühmtheit und Kraft zieht das Zitat aus dem Umstand, dass Schalke 04, der damals von ihm gecoachte Verein, mit vielen Zu-Null-Siegen im Jahr 1997 sensationell den Europa-Pokal gewinnen konnte.
Doch was hat des jetzt alles mit Finanzen zu tun? Einiges. Zumindest im übertragenen Sinne.
Die schwarze Null
Manchmal gewinnt man den Eindruck, dass die meisten Menschen den Satz “die Null muss stehen” zu ihrem finanziellen Lebensmotto erkoren haben. Konkret meine ich damit, dass viele es Monat für Monat irgendwie schaffen, das eigene Konto solange rund um die Null zu halten, bis (endlich) die nächste Gehaltszahlung eintrudelt.
Und das, obwohl sie sich eigentlich ganz fest vorgenommen hatten, endlich Geld zu sparen. Und zwar genau jenen Betrag, der am Monatsende noch da ist. Tja, blöd gelaufen. Es ist nichts mehr da. Und zwar Monat für Monat. Die Gründe dafür? Vielschichtig. Die Ursache? Immer dieselbe: das falsche Mindset.
Hin und her gerissen
Wenn man seine eigenen Glaubenssätze in Geldangelegenheiten noch niemals im Detail hinterfragt hat, liefert man sich diesen gezwungenermaßen aus. Im Falle von “die Null muss stehen” pendelt das Unterbewusstsein zwischen folgenden zwei Glaubenssätzen:
- Schulden sind schlecht.
- Reichtum ist schlecht.
Die Schnittmenge dieser beiden finanziellen Überzeugungen ist sehr klein. So klein, dass sie gar kein anderes Ergebnis liefern kann, als eine (hoffentlich schwarze) Null. Das klingt deprimierend. Doch kein Angst, es gibt Hoffnung.
Auf bestehende Gewohnheiten aufbauen
Man kann sich selbst nämlich austricksen. Wie? Eigentlich ganz einfach. Man bezahlt sich selbst zuerst. Und so funktioniert´s.
Zunächst schaut man nach, an welchem Tag des Monats das eigene Gehalt normalerweise am Konto eintrifft. In der Regel ist das der Monatserste. Nun wird ein Dauerauftrag eingerichtet. Dieser überweist ein paar Tage nach dem Gehaltseingang (wo man sich absolut sicher sein kann, dass schon wieder Geld am Konto sein wird) genau jenen Betrag auf ein Sparkonto, den man sich eigentlich vorgenommen hat, am Ende des Monats wegzulegen. Und das war es auch schon wieder.
Ich weiß, das klingt dermaßen trivial, dass es eigentlich gar nicht funktionieren kann. Die gelebte Praxis beweist jedoch das Gegenteil. Denn zum Monatsanfang werden die allermeisten laufenden Kosten vom Konto abgezogen. Das ist natürlich kein Zufall, sondern im Gegenteil sehr schlau von Versicherungen, Mobilfunkern und Fitness Studios. Sie wissen: Am Monatsanfang ist noch Geld da. Am Ende nicht.
Eine von vielen
In der großen Flut an Abbuchungen zum Monatsanfang wird der festgelegte Sparbetrag ganz einfach untergehen. Ausnahme: man setzt die Summe zu hoch an. Diesem Effekt kann man jedoch ganz einfach entgehen, indem man den Dauerauftrag stufenweise nach oben anpasst. Also den Sparbetrag Monat für Monat in kleinen Schritten erhöht, bis man dort angekommen ist, wo man hinwollte.
Den Rest der Arbeit übernehmen dann die alten Glaubenssätze. Diese sorgen verlässlich dafür, dass am Monatsletzten die Null steht. Das ist jetzt kein großes Problem mehr. Denn der schlaue Sparer und Anleger hat sich selbst ja bereits zum Monatsanfang bezahlt.
Happy End. Oder etwa doch nicht?
Aber…
Dieser Beitrag ist an dieser Stelle noch nicht ganz zu Ende. Funktioniert der Trick also gar nicht? Doch – und wie! Dennoch ist die eigentliche Moral der Geschichte noch nicht zu Ende erzählt. Aufmerksame Leser werden bemerkt haben, dass man mit diesem Trick das eigentliche Grundproblem noch nicht gelöst hat. Und zwar die eigenen limitierenden Glaubenssätze.
Über diese könnte man sehr ausführlich schreiben (was ich vermutlich auch bald machen werde). Ich fasse mich an dieser Stell aber kurz:
Schulden sind nicht grundsätzlich etwas Schlechtes. Insbesondere wenn man mit diesen Vermögenswerte finanziert und das Abbezahlen der Schulden anderen überlässt (siehe hierzu Rich Dad, Poor Dad von Robert Kyosaki).
Auch Reichtum ist nichts Negatives. Zwar kann Geld natürlich korrumpieren. Doch es werden auch wunderbare Dinge damit möglich. Das hängt immer ganz davon ab, wem die finanziellen Mittel zur Verfügung stehen.
Die Geschichte lehrt uns einiges
Nun sind wir wirklich am Ende dieses Beitrags angekommen. Für alle, die bis hierhin gelesen haben, gibt’s noch ein kleines Schmankerl:
Denn wer auch jetzt noch davon überzeugt ist, dass Huub Stevens mit seinem Satz “die Null muss stehen” Recht hat – weil er damit ja den UEFA-Cup gewonnen hat, dem sei gesagt: Nur wenige Tage nach dem Sensationserfolg von Schalke 04 im UEFA-Cup hat der Lokalrivale Borussia Dortmund die sportlich noch viel wertvollere Champions League gewonnen.
Und zwar ganz ohne “Die Null muss stehen”…
Der Beitrag Gefährlicher Glaubenssatz: Die Null muss stehen! erschien zuerst auf Michael Plos - Finanzbildung, Sparen und Investieren.
Im Original hier erschienen: Gefährlicher Glaubenssatz: Die Null muss stehen!
kapitalmarkt-stimme.at daily voice 4/365: Vermögenssteuern - eine Einordnung von Finanzminister Gunter Mayr
Bildnachweis
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