02.08.2019, 8990 Zeichen
Enttäuschende Aussagen der US-Notenbank Fed haben Europas Börsen am Donnerstag wenig anhaben können. Ihnen halfen auch positiv aufgenommene Industrie-Stimmungsdaten aus Südeuropa. Ansonsten stand eine Flut von Unternehmenszahlen im Fokus der Anleger. Der EuroStoxx 50 schaffte es nach einem verhaltenen Start schnell ins Plus. Einen zwischenzeitlichen Schwächeanfall schüttelte er wieder ab, als sich auch die am Mittwoch von den Fed-Aussagen gebeutelte Wall Street sichtbar erholte. Zum Handelsende behauptete der Leitindex der Eurozone einen Kursgewinn von 0,67 Prozent auf 3490,03 Punkte. Der französische Cac 40 schaffte letztlich ein Plus von 0,70 Prozent auf 5557,41 Punkte. Dagegen tanzte der britische FTSE 100 mit einem Kursabschlag von 0,03 Prozent auf 7584,87 Zähler aus der Reihe, nachdem die Bank of England den Leitzins wie erwartet bei 0,75 Prozent belassen hatte. Angesichts der hohen wirtschaftlichen Risiken durch den Brexit spielen die britischen Währungshüter weiter auf Zeit. Zudem litt das Londoner Börsenbarometer unter der Schwäche der hoch gewichteten Öl- und Rohstoffaktien.
Die US-Währungshüter hatten am Mittwochabend wie erwartet erstmals seit der Finanzkrise vor über zehn Jahren den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt gesenkt. Zudem schloss der Fed-Vorsitzende Jerome Powell weitere Schritte in diese Richtung zwar nicht aus, erteilte aber Erwartungen an eine Serie weiterer Senkungen eine Absage. Dagegen begünstigten Daten zur Stimmung in Europas Industriebetrieben die Risikobereitschaft der Anleger.
Im europäischen Branchenvergleich schlugen sich Finanzdienstleister am Donnerstag am besten: Der Subindex im marktbreiten Stoxx Europe 600 gewann über zwei Prozent. Ihm gab das fast vierprozentige Kursplus von Euronext Auftrieb, nachdem der Börsenbetreiber mit dem Quartalsgewinn je Aktie selbst die optimistischste Analystenschätzung übertroffen hatte. Zudem zogen die Titel von Konkurrent London Stock Exchange (LSE) nach der nicht mehr überraschenden Ankündigung, den Finanzdatenanbieter Refinitiv zu übernehmen, um gut sechseinhalb Prozent an.
Einzige Verlierer waren hingegen die Indizes der Rohstoff- und Ölunternehmen mit Kursabschlägen von über drei beziehungsweise knapp anderthalb Prozent. Hier belasteten neben deutlich gesunkenen Preisen für Öl sowie einige Stahlprodukte auch enttäuschende Geschäftsberichte. So hatte der Gewinneinbruch im zweiten Quartal die Titel des Öl- und Gaskonzerns Shell um gut fünf Prozent absacken lassen, was sie zu einem der größten Verlierer in London machte. Für die Aktien des Bergbaukonzerns Rio Tinto ging es nach Halbjahresresultaten um fast dreieinhalb Prozent nach unten. Die Anteilsscheine des weltgrößten Stahlherstellers ArcelorMittal verloren angesichts überraschend roter Zahlen knapp anderthalb Prozent.
Positiv wurden die jüngsten Geschäftszahlen mehrerer Banken aufgenommen: Die Aktien der französischen Societe Generale legten dank eines überraschend hohen Quartalsgewinns um fast sechs Prozent zu, was sie zum Spitzenreiter im EuroStoxx machte. Auch die britischen Wettbewerber Barclays und Standard Chartered überzeugten, wie die Kursgewinne von mehr als ein beziehungsweise fast dreieinhalb Prozent belegten. Negativer Ausreißer war indes die niederländische Bank ING mit einem Minus von 2,3 Prozent.
Die Wiener Börse hat am Donnerstag tiefer geschlossen. Der ATX fiel 23,74 Punkte oder 0,80 Prozent auf 2.961,20 Punkte. In Wien wurde der jüngste Abwärtsschub damit fortgesetzt. Der ATX musste bereits seinen 4. Verlusttag in fünf Sitzungen verbuchen. Auf Unternehmensebene rückten am heimischen Markt vorgelegte Geschäftsergebnisse den Verbund , AMAG und Valneva ins Blickfeld der Akteure und alle drei Aktien reagierten positiv.
Die Verbund-Aktie verbuchte nach Zahlenpräsentation ein Plus von 2,5 Prozent und markierte damit den Spitzenplatz auf der Kursliste. Dank deutlich höherer Absatzpreise und einer spürbar gesteigerten Stromerzeugung aus Wasser- und Windkraft hat der Energie-Konzern sein Halbjahresergebnis um fast die Hälfte auf 338 Millionen Euro gesteigert.
AMAG-Titel gewannen knapp dahinter 2,4 Prozent. Der Aluminiumhersteller steigerte heuer im ersten Halbjahr den Umsatz leicht um 2,8 Prozent auf 554,6 Millionen Euro. Der Gewinn nach Steuern fiel aber deutlich um 42,7 Prozent auf 18,9 Millionen Euro. Valneva-Aktien steigerten sich bei dünnen Handelsumsätzen um 0,3 Prozent. Das österreichisch-französische Impfstoffunternehmen Valneva (vormals Intercell) verzeichnete im 1. Halbjahr 2019 einen Nettoverlust von 2,4 Millionen Euro. Der Umsatz gab von 59,0 auf 54,5 Millionen Euro nach. Zum Wochenschluss geht die laufende Berichtssaison heute Freitag mit Zahlen von Andritz und AT&S weiter. Die AT&S-Aktie zeigte sich im Vorfeld mit minus 2,1 Prozent. Andritz schlossen mit einem Kursverlust von 1,6 Prozent. Für den Anlagenbauer prognostizieren Experten im 2. Quartal 2019 einen klaren Gewinnrückgang verbunden mit einem leichten Umsatzplus
Die Ankündigung von US-Strafzöllen auf weitere chinesische Produkte hat am Donnerstag die Erholung an der Wall Street jäh gestoppt. Der Dow Jones Industrial drehte ins Minus und verlor am Ende 1,05 Prozent auf 26.583,42 Punkte, womit er nur wenig über seinem Tagestief blieb. Der marktbreite S&P 500 schloss 0,90 Prozent tiefer bei 2953,56 Punkten und der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 sank um 0,61 Prozent auf 7801,15 Zähler. Die Anleger hatten die Vortagsenttäuschung über die US-Geldpolitik gerade verdaut. Doch dann teilte Präsident Donald Trump mit, trotz laufender Handelsgespräche weitere chinesische Produkte im Wert von rund 300 Milliarden Dollar ab September mit einem neuen Strafzoll von zehn Prozent zu belegen. Damit werden künftig fast alle Importe aus China - im Wert von rund 550 Milliarden Dollar - mit Strafabgaben versehen. Bereits zur Wochenmitte hatte die Wall Street deutliche Verluste erlitten, nachdem die US-Notenbank Fed nach der erwartungsgemäßen Leitzinssenkung Erwartungen an eine Serie weiterer Senkungen eine Absage erteilt hatte.
Vorbörslich sind die Börsen heute Freitag Früh in Europa aufgrund der Verluste an den US Börsen gestern deutlich schwächer indiziert. Belastet von den neuen Strafzöllen der USA gegen chinesische Güter tendierten die Märkte in Asien heute ebenfalls tiefer. Heute präsentieren Andritz und AT&S die Geschäftsergebnisse (siehe unten). Makroökonomisch steht heute in den USA der Arbeitsmarktbericht sowie die weitere Entwicklung im Handelsstreit zwischen den USA und China im Fokus der Märkte.
UNTERNEHMENSNACHRICHTEN
Andritz
Der heimische Maschinenproduzent Andritz veröffentlichte heute seine Ergebnisse für das 2. Quartal 2019, die unter den Erwartungen lagen. Der Umsatz lag mit €1.489,2 Mio. um 6,9% über dem Vorjahreswert. Der Umsatzanstieg ist vor allem auf die Geschäftsbereiche Pulp & Paper (+28,5% YoY) aufgrund eines starkes Servicegeschäfts sowie Separation (+3,6% YoY) zurückzuführen. Das im Vorjahr akquirierte und ab Oktober 2018 konsolidierte US-Unternehmen Xerium Technologies, Inc. trug rund €113 Mio. zum Umsatz bei. Gegenläufige Bewegungen musste man hingegen in den Segmenten Metals (-6,1%) und Hydro (-10,0%) verzeichnen. Der Auftragseingang stieg um 17,9% auf €1.736,5 Mio. an, wobei dieser Anstieg nur auf das Segment Pulp & Paper zurückzuführen ist (+54,6%). Alle anderen Divisionen mussten einen Rückgang des Auftragseingangs verzeichnen. Der Auftragsbestand erhöhte sich um 9,0% auf €7.724,2 Mio.. Das EBITDA erhöhte sich im Jahresvergleich um 15,5% auf €136,2 Mio., während das EBIT 14,1% unter dem Vorjahresvergleichswert lag. Hauptgrund dafür ist der deutliche Ergebnisrückgang im Geschäftsbereich Metals, dem eine gute Geschäftsentwicklung in den drei anderen Geschäftsbereichen gegenüberstand. Das Konzernergebnis ist um 22,4% auf €43,9 Mio. gesunken. Für das Geschäftsjahr 2019 bestätigte Andritz den zu im ersten Quartal veröffentlichten Ausblick. Man erwartet einen deutlichen Umsatzanstieg und eine gegenüber 2018 unveränderte operative EBITA-Marge vor Sondereffekten von 6,9%.
Q2/19: Umsatz: €1.573 Mio. (1.612e), EBITDA: €136,2 Mio. (151,3e), EBIT: €76,0 Mio. (101,6e), Periodenergebnis: €43,9 Mio. (49,0e)
AT&S
Im ersten Quartal 2019/20 entwickelte sich das Geschäft von AT&S insgesamt stabil: Der Umsatz ist mit 222,7 Mio. EUR stabil auf Vorjahresniveau. Dabei gingen die Umsätze aus den Bereichen Mobile Endgeräte und Industrial zurück. Die Rückgänge konnten durch Absatzsteigerungen in den Bereichen IC-Substrate sowie Medical & Healthcare weitgehend kompensiert werden. In dem für den Konzern strategisch wichtigen Bereich der IC-Substrate ist die Nachfrage erfreulich gut. Dies bestätigt die Entscheidung des Vorstands in den weiteren
Ausbau des Bereichs über substanzielle Investitionen. Management bestätigt Jahresprognose für Umsatz und EBITDA-Marge. Mittelfristprognose deutlich erhöht.
Q1-19/20: Umsatz: €222,7 Mio. (Vj. 222,1), EBITDA: €34,9 Mio. (Vj. 52,0), EBIT: €-0,6 Mio. (Vj. 18,3), Periodenergebnis: €-6,2 Mio. (Vj. 13,5)
SportWoche-Podcast: Egon Theiner bzw. was lief bei den Olympischen Winterspielen in Livigno, Alter? (Come on, Eileen Gu )
Amag
Uhrzeit: 16:45:45
Veränderung zu letztem SK: -0.83%
Letzter SK: 30.00 ( -1.32%)
Andritz
Uhrzeit: 16:45:45
Veränderung zu letztem SK: -1.56%
Letzter SK: 73.55 ( -0.27%)
ATX
Uhrzeit:
Veränderung zu letztem SK: -0.01%
Letzter SK: 5701.70 ( -1.07%)
CAC 40 Letzter SK: 5701.70 ( -0.47%)
Dow Inc.
Uhrzeit: 16:48:32
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Letzter SK: 25.90 ( 2.78%)
Dow Jones Letzter SK: 25.90 ( -1.05%)
Nasdaq Letzter SK: 25.90 ( 0.00%)
Rio Tinto
Uhrzeit: 16:48:31
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Letzter SK: 83.65 ( 0.14%)
Royal Dutch Shell
Uhrzeit: 22:00:01
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Letzter SK: 0.00 ( 0.00%)
S&P 500 Letzter SK: 0.00 ( -0.43%)
Societe Generale
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Valneva
Uhrzeit: 16:48:31
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Verbund
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Bildnachweis
1.
Aktien auf dem Radar:Bawag, FACC, Amag, Austriacard Holdings AG, Polytec Group, Kapsch TrafficCom, Rosgix, Mayr-Melnhof, Strabag, AT&S, Gurktaler AG Stamm, Hutter & Schrantz Stahlbau, Marinomed Biotech, SBO, Wiener Privatbank, RHI Magnesita, BKS Bank Stamm, Oberbank AG Stamm, CA Immo, EuroTeleSites AG, EVN, Flughafen Wien, CPI Europe AG, OMV, Bajaj Mobility AG, Österreichische Post, Telekom Austria, UBM, Verbund, Lenzing, American Express.
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