01.08.2019, 2098 Zeichen
Die Experten von Raiffeisen Research sehen in der Zinssenkung der US-Notenbank eine Verdeutlichung des Trilemmas. "Die gestrige Zinsentscheidung hat das Trilemma der Fed verdeutlicht, sich zwischenpolitischen Druck, übermäßigen Markterwartungen und realwirtschaftlicher Datenlage zu positionieren. Wir sehen die gestrige Zinssitzung daher als einen Kompromissversuch an. Das Szenario eines beginnenden Zinssenkungszyklus wird dadurch aber nichtgrundsätzlich in Frage stellt. Der ausdrückliche Bezug auf ein „mid cycle adjustment“ impliziert dabei einen moderaten Pfad ohne Rückkehr zur Nullgrenze. Zur genauen Abschätzung gilt es aber mehr denn je die Datenlage zu verfolgen. Die forward guidance der Notenbank scheint noch nicht vollständig festgezurrt. Dieses Szenario deckt sich mit unserer Erwartung von vier Zinsschritten à -25 BP bis Q2 2020. In diesem Jahr gehen wir noch von einer weiteren Zinssenkung von 25 BP aus.
An den Börsen werden sich die Anleger in den nächsten Wochen doch wieder vermehrt den Gewinnaussichten der Unternehmen zuwenden. Die US-Gewinnschätzungen von +3 % für 2019 und rund +6 % für 2020 werden ohne massiven geldpolitischen Rückenwind doch für Positionsanpassungen sorgen", meinen sie in einem Kurzkommentar.
Die Analysten der Erste Group erwarten nach dem gestrigen Zinsschritt keine weitere Zinssenkung. Der Ausblick hänge aber von politischen Entwicklungen und wie sie durch das FOMC beurteilt werden ab und sei damit unsicher. Sinn macht nach Ansicht der Erste Group -Experten aber sicher, dass die Märkte ihre hoch gesteckten Erwartungen für Zinssenkungen einmal korrigieren.
Hintergrund: Die US-Notenbank Fed hat gestern ihre erste Zinssenkung seit der Finanzkrise 2009 beschlossen. Die obere Leitzinsspanne wurde wie erwartet um 25 BP auf 2,25 % gesenkt. Gleichzeitig wird die Reduktion des von der Fed gehaltenen Anleiheportfolios (Quantitative Tightening) zwei Monate früher als angekündigt beendet, um widersprüchliche geldpolitische Impulse zu vermeiden. Bei der Lenkung derZinserwartungen (forward guidance) blieb die Fed gestern aber recht zurückhaltend.
Börsepeople im Podcast S24/13: Richard Dittrich
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