05.03.2019, 3978 Zeichen
China plant, den Mehrwertsteuersatz für das verarbeitende Gewerbe um drei Prozent zu senken, als Teil der Maßnahmen zur Unterstützung der sich abschwächenden Wirtschaft. Dies könnte nach Schätzungen von Morgan Stanley einen Schub von bis zu 0,6% im BIP bringen. Europa zeigte sich heute zunächst unverändert, technisch sind die meisten Märkte ja aktuell überkauft.
Wir sind indes auf der Last Mile für das nächste Börse Social Magazine, es wird eine Nummer, die nicht nur an die österreichischen Abonnenten geht, sondern auch auf der Invest-Messe in Stuttgart unter das deutsche Anlegervolk gemischt wird. Dafür haben wir u.a. Investment Cases zu 14 österreichischen Firmen aufbereitet. Da uns das Ergebnis taugt, werden wir es nachher (Stuttgart-unabhängig) als PDF rauslösen und stets zum "Dazu-Einstieg" neuer Cases und zum Aktualisieren bestehender Cases einladen. Es wird dazu eine Landing Page im Web mit korrespondierenden aktuellen Unternehmenspräsentationen geben. Präsentationen wird man auch am 18.3. bei http://www.boerse-social.com/roadshow sehen.
Und weil China heute Mehrwertsteuerideen hat: Im übernächsten Magazine wiederum wird es um Jubiläen gehen, u.a. unseren 20er online. Anbei einer der letzten Artikel, den ich vor dem Launch des Online-Projekts für WirtschaftsBlatt Print geschrieben hatte. 1999 war es und die Herren Ruttenstorfer und Klima (beide waren mal OMV-Topmanager) hegten unschöne Steuerpläne, die Aktiensteuer (WP-KESt) ist zwar erst später gekommen, unschön bleibt sie trotzdem.
Also, Vintage 1999 (man bemerke nebenbei, wie teuer früher eine Aktienorder war):
"Spätestens wenn ein Finanzprofi wie Wolfgang Ruttenstorfer, dem Wien eine umfangreiche Kapitalmarktreform (mit) zu verdanken hat, den geplanten Tausch "Aktiensteuer statt Börseumsatzsteuer (BUSt)" als Vorteil für Kleinanleger interpretiert, merken wir, daß wir uns schon mitten im Wahlkampf befinden.
Denn die Aussage des Finanzstaatssekretärs ist nichts anderes als ein Basartrick, unwürdig für einen Kapitalmarktspezialisten seines Ranges. Schließlich muß man davon ausgehen, daß Ruttenstorfer genau weiß, daß der Kleinanleger von einer Abschaffung der BUSt (die außerdem schon seit Mitte der 80er überflüssig ist) gar nicht profitieren wird.
Denn Banken berechnen die BUSt den Kleinanlegern ja nicht extra, sondern im Rahmen eines Gesamt-Spesenpakets, das von Posten wie Transaktionskosten dominiert wird. Die BUSt ist dabei der mit Abstand unwesentlichste Faktor. Mit anderen Worten: Derzeit kostet eine Aktienorder bei den Großbanken (Diskonter ausgenommen) mindestens 500 Schilling, und sie wird auch weiter mindestens 500 Schilling kosten.
Allerdings ist das sogar eine optimistische Sichtweise. Denn die Banken werden sich - mit oder ohne BUSt - schwer tun, diese 500 Schilling halten zu können. Schließlich kommt auf die ohnehin deckungsbeitragsschwachen Wertpapierbereiche eine neue Kostenbelastung zu. Und damit sind wir wieder bei der Aktiensteuer. Der Ruttenstorfer-Wunsch, daß Banken ihre EDV "aktiensteuerfähig" machen, kostet eine Stange Geld. Geld, das die Regierung wohl kaum bereitstellen wird. Der größte Brocken wird an den Banken hängenbleiben, wobei diese versuchen werden, einen Teil der Kosten auf den Kunden abzuwälzen. Das wäre letztendlich nur fair. Im Endeffekt könnte auch das ein Preis der Aktiensteuer sein.
Wie man es auch dreht und wendet - die Aktiensteuer muß im Sinne des Finanzplatzes verhindert werden. Nicht zuletzt deshalb, weil die Argumente, sie zu begründen, immer fadenscheiniger werden. Auch Kanzler Klima täuscht sich, wenn er glaubt, daß er mit einer "Steuer gegen die Spekulation" bei seinen Kernwählern punkten kann. Vielleicht will er die ja heuer auch gar nicht ansprechen. Denn mit dem BUSt-Basartrick hilft er nur den Großanlegern. Geschädigt wird hingegen der Privataktionär, für den die BUSt ohnedies nie ein Thema gewesen ist."
(Der Input von Christian Drastil für den http://www.boerse-social.com/gabb vom 05.03.)
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