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04.01.2019

Zugemailt von / gefunden bei: Erste Group Research (BSN-Hinweis: Lauftext im Original des Aussenders, Titel (immer) und Bebilderung (oft) durch boerse-social.com aus dem Fotoarchiv von photaq.com)

Aus dem Wochenausblick von Erste Group Research: Mit der Veröffentlichung des ISM-Index für Dezember zeigten sich die Auswirkungen der Finanzmarktturbulenzen. Dieser wichtigste Indikator für die US-Industrie fiel stark, allerdings ausgehend von historisch sehr hohen Niveaus. Die Frage ist, wie stark die Konjunkturverlangsamung in den USA 2019, aber auch global sein wird. Dass sich das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr gegenüber dem Vorjahr verlangsamen würde, sollte niemanden überraschen. 2017 und für die USA 2018 waren konjunkturell herausragende Jahre, deren Wachstumstempo nicht haltbar war. Die offene Frage ist aber, wie stark der Wachstumsabschwung ausfallen wird. An den Märkten hatte sich hier gegen Ende des letzten Jahres eine Meinung gebildet, die nicht konsistent mit der Datenlage war. Für diese Aussage ziehen wir nicht unsere Einschätzung heran, sondern jene der zwei wichtigsten Notenbanken. Im Dezember hatte der EZB-Präsident die Einschätzung mit anhaltender Zuversicht, aber mit wachsender Vorsicht beschrieben. Knapp eine Woche vor Weihnachten hatte dann die US-Fed, die Zinsen angehoben und verbunden mit einer positiven Einschätzung der Konjunktur weitere Zinsanhebungen für 2019 in Aussicht gestellt, was den Märkten den Nerv zog.

Aus unserer Sicht gibt der deutliche Verfall des ISM Index der Einschätzung der Märkte nicht Recht, sondern ist eine selbsterfüllende Prophezeiung. Der starke Rückgang des Index ist eine Folge der Verunsicherung, die durch den Abverkauf an den Märkten ausgelöst wurde. Bis November waren die US-Konjunkturdaten solide gewesen, auch wenn sich das Wachstumstempo ausgehend von hohem Niveau verlangsamte.

Wir sehen keinen Grund, warum es in den USA zu einem massiven andauernden Wirtschaftsabschwung kommen sollte. Es gibt keine Fehlentwicklungen in diesem Ausmaß, die nach einer Korrektur verlangen würden. Die Wirtschaft sollte hingegen weiterhin von den Steuersenkungen des letzten Jahres Unterstützung erhalten und zusätzlich werden die öffentlichen Ausgaben in diesem Fiskaljahr (Okt.-Sept.) stärker steigen als im vorhergehenden.

Die Arbeitsmarktdaten für Dezember zeigten einen sehr starken Arbeitsmarkt und haben uns in dieser Meinung bestärkt. Die zusätzlich geschaffenen Stellen betrugen 312.000, was weit über den Erwartungen lag und den zweithöchsten Wert des Jahres 2018 darstellt. Weiters wurden die entsprechenden Werte der beiden Vormonate um insgesamt 58.000 nach oben revidiert. Die Arbeitslosenrate stieg leicht von 3,7 auf 3,9% an. Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen im Jahresvergleich um 3,2% an und so setzte die Wachstumsrate den steigenden Trend der letzten Monate fort. Die Partizipationsrate erreichte den höchsten Wert seit September 2017 und weist auf einen enger werdenden Arbeitsmarkt hin.

Gleichzeitig kann man nicht leugnen, dass durch die Ereignisse der letzten Wochen die Stimmung in der Realwirtschaft einen Dämpfer erlitten hat. Somit sollte eine vorübergehende Eintrübung weiterer makroökonomischer Indikatoren während der kommenden Wochen keine Überraschung sein. Über die kommenden Wochen hinaus erwarten wir aber die Rückkehr zu einer soliden US-Konjunktur.

Die Sorgen der Märkte über einen Konjunkturabschwung in China wurden durch die jüngste Reduzierung der Umsatzprognose von Apple neuerlich angefacht. Maßgeblich dafür sei ein deutlich geringerer Absatz von iPhones in China, der wiederum zu einem Gutteil auf eine Abschwächung der Konjunktur dort zurückzuführen sei. Tatsächlich weist eine Reihe von Indikatoren in China auf eine Verlangsamung der Konjunktur hin. Während dies für Unternehmen wie Apple sicherlich relevant ist, sollten die Auswirkungen auf die US-Wirtschaft insgesamt gering sein. Die US-Exporte nach China machen ca. 0,6% des US-BIPs aus.

Für unseren Ausblick bedeutet dies, dass wir jetzt von keiner US- Zinserhöhung im März ausgehen, da sich die Stimmungslage bis dahin wohl nicht ausreichend stark verbessert haben wird, allerdings bleiben wir bei 3 Zinsanhebungen für 2019. Aus dem gleichen Grund reduzieren wir die Renditeprognosen für 10j deutsche Bundesanleihen und US-Treasuries. Die Entscheidung zu diesen Revisionen ist uns allerdings nicht leicht gefallen, da eine Aufhellung der Stimmung, etwa durch eine Einigung im Handelskonflikt zwischen den USA und China oder eine Erholung an den Aktienmärkten, auch durchaus rasch eintreten könnte. Dies würde eine US- Zinsanhebung im März zurück ins Spiel bringen und die Renditen schneller steigen lassen.

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