14.09.2018, 3410 Zeichen
Evotec spielt nun im Konzert der Großen mit. Es bleibt abzuwarten, ob das Hamburger Biotechnologieunternehmen wirklich dafür bereit ist.
Im Frühjahr 2018 hatte die Deutsche Börse umfangreiche Änderungen der Regeln für die Zusammensetzung der wichtigsten deutschen Aktienindizes beschlossen. Die so genannte industriebasierte Trennung wurde aufgehoben. Das bedeutet, dass von nun an auch Technologiewerte, die bisher nur im TecDAX oder bei entsprechender Größe auch im Leitindex DAX vertreten sein konnten, zukünftig auch in den SDAX oder MDAX aufgenommen werden können. Gleichzeitig steigt die Zahl der Titel im MDAX von 50 auf 60, während zukünftig im Kleinwerteindex SDAX 70, statt 50 Werte vertreten sein werden. Als die Deutsche Börse am 5. September die Zusammensetzung der neuen Indizes bekannt gab, dürfte die Freude bei Evotec besonders große gewesen sein.
Mit der Aufnahme in den MDAX beginnt für den Biotechnologiewert eine neue Zeitrechnung. Die Aufnahme in einen höheren Index, in diesem Fall den zweitwichtigsten deutschen Index hinter dem DAX, bringt den Indexaufsteigern in der Regel ein größeres Investoreninteresse. Zudem werden die Titel von börsengehandelten Indexfonds, die den entsprechenden Index nachbilden, gekauft. Natürlich will Evotec seinen Platz in der zweiten deutschen Börsenliga verteidigen. Besonders gut gelingen dürfte dies, wenn das Unternehmen die Serie positiver Nachrichten in Bezug auf neue Kooperationen oder Forschungserfolge fortsetzen könnte.
Beispielsweise gab Evotec am 6. September 2018 den Beginn einer dritten strategischen Wirkstoffforschungs- und -entwicklungspartnerschaft mit Celgene im Bereich des gezielten Proteinabbaus bekannt. Am 27. August hieß es wiederum, dass die CENTOGENE AG und Evotec gemeinsam Substanzen für die Behandlung seltener genetischer Erkrankungen entwickeln werden. Diese und andere Meldungen ließen den Kurs der Evotec-Aktie über den Sommer stark ansteigen. Auch die jüngsten Geschäftsergebnisse kamen am Markt gut an. Dabei schaffte es Evotec im ersten Halbjahr 2018 auch dank Übernahmen stark zu wachsen. Die Integration der übernommenen Unternehmen und höhere Forschungsausgaben sorgen aber auch für höhere Risiken.
Im Zuge der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen für das Geschäftsjahr 2018 am 9. August hieß es von Managementseite, dass die prognostizierten Aufwendungen für Forschung & Entwicklung von 20 bis 30 Mio. Euro auf 35 auf 45 Mio. Euro ansteigen. Zudem gilt es zu bedenken, dass die Serie an positiven Meldungen irgendwann reißen oder die Nachrichtenlage für deutlich weniger Euphorie unter Anlegern sorgen könnte. Angesichts des steilen Kursanstiegs besteht auch die Gefahr, dass die positiven Wachstumsaussichten für Evotec und die gesamte Biotechnologiebranche bereits im Evotec-Aktienkurs eingepreist sind. Darüber hinaus kann es vorkommen, dass der Aufstieg eines Titels in einen höheren Index eher hemmend wirkt, statt ihn zu beflügeln.
Spekulative Anleger, die steigende Kurse der Evotec-Aktie erwarten, könnten mit einem WAVE XXL-Call der Deutschen Bank (WKN DS6CEU) auf ein solches Szenario setzen. Der Hebel dieses Open-End-Papiers liegt derzeit bei 3,59, die Barriere bei 17,65 Euro. Wer aber als spekulativer Anleger eher short-orientiert ist, könnte mit einem WAVE XXL-Put der Deutschen Bank (WKN DS63DT, aktueller Hebel 3,61; Barriere bei 25,15 Euro) auf fallende Kurse der Evotec-Aktie setzen.
Stand: 13.09.2018
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