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A.o.HV C-Quadrat 1: Anstrengende 7 Stunden und 35 Minuten (Günter Luntsch)

A.o.HV C-Quadrat 1: Anstrengender Freitag. Ich überlegte lange, ob ich überhaupt zu dieser Außerordentlichen HV am Freitag, dem 17.8.18, fahren soll. Zahlt sich eine Anreise wegen einer HV mit nur einem Tagesordnungspunkt aus, die in 15 Minuten abgehakt sein würde, weil eh keine 10 Leute kommen, noch dazu mitten im August, wo fast alle im Urlaub sind? Es zahlte sich aus. Aus den erwarteten 15 Minuten wurden incl. Pausen, die zur Beantwortung der Fragen benötigt wurden, immerhin 7 Stunden und 35 Minuten. Auch materiell zahlte es sich aus: Jeder von uns bekam eine schwere Tasche voller Papier, wo alles Wissenswerte über den Gesellschafterausschluss drin stehen sollte. Bis halt auf die spannendsten Stellen, da gab es "Auslassungen", weil die uns nicht zu interessieren haben. Und gerade das schürte erst recht die Neugier einiger anwesender Aktionäre. Ich bitte, von der Anforderung der Unterlagen Abstand zu nehmen, für die Lieferung müsste wohl eine Spedition beauftragt werden, so schwer ist das Paket. Geschätzt zwei Drittel der im Publikum Sitzenden waren wohl Anwälte und Wirtschaftsprüfer, die Aktionäre und ihre Vertreter stellten eine kleine Minderheit dar. Dem britischen Großaktionär mit 4,296.241 Aktien standen zwei Vertreter von 11 Kölner Gesellschaften mit insgesamt 24.450 Aktien gegenüber, die fünf Österreicher brachten lediglich 222 Aktien auf die Waage. Die restlichen 42.287 Aktien des Streubesitzes waren bei der Abstimmung nicht vertreten. Es gibt insgesamt 4,363.200 Aktien. Die C-Quadrat Investment AG dürfte in Österreich eindeutig ein Minderheitenprogramm sein, ich hoffe dennoch auf den einen oder anderen Leser. Wenn ich schon den ganzen Freitag auf der HV verbrachte, während andere Interessierte vielleicht am Strand lagen. Sie mögen bitte wenigstens im Nachhinein die Geschichte vom Freitag lesen, ich versuche, meine Mitschrift von 20 A4-Seiten so zu kürzen, dass sie konsumierbar ist.

Wir wurden informiert, dass der Grund für den Gesellschafterausschluss und für die damit verbundene Beendigung der Börsenotiz sei, dass wegen der geringen Liquidität keine sinnvolle Preisbildung an der Börse zustande käme, die Spanne zwischen Bid und Ask sei zu hoch, und dass der Streubesitz weniger als die für die weitere Börsenotiz notwendigen 2% des Grundkapitals betrage. Der Streubesitz beträgt aktuell 1,53%. Auf ein Pflichtangebot werde verzichtet, den Streubesitzaktionären erwachse daraus kein Nachteil. Für die Bewertung nach dem Übernahmegesetz seien kein besonderes Verfahren und keine anzuwendenden Kriterien vorgesehen. Es gäbe immer ein Spannungsfeld zwischen den Aktionären, die ausgeschlossen werden, und dem Hauptgesellschafter, "der nicht überzahlen will bzw. darf". Die Bewertung durch KPMG und die Überprüfung durch eine vom Gericht bestimmte Kanzlei habe einen Wert von 59,56 Euro pro Aktie ergeben. Der gewichtete Börsekurs als Mindestschwelle komme nicht zur Anwendung, weil der Handel zu gering und somit nicht aussagefähig sei, da aber ohnehin 60 Euro geboten werden, bliebe das ohne Folge. Der Haupteigentümer habe für seine Aktien keinen höheren Preis als 57,51 Euro bezahlt. Der Abfindungspreis sei 2 Monate nach Eintragung des Gesellschafterausschlusses im Firmenbuch zu zahlen, man habe aber vor, diese Frist nicht auszuschöpfen, sondern unmittelbar darauf zu zahlen. Auch das mögliche Synergiepotential sei in der Bewertung positiv berücksichtigt worden. Die Barabfindung liege über dem von der KPMG ermittelten Wert.

Der Vertreter der KPMG informierte uns über die berücksichtigten Marktrisikoprämien der unterschiedlichen Länder (England, Deutschland, Österreich, Armenien). Der an der Deutsche Bank beteiligte C-QUADRAT Special Situations Dedicated Fund berge ein hohes Klagsrisiko. Die voraussichtlichen Anwaltskosten, sehe ich, wurden bei der Bewertung berücksichtigt. (Anmerkung: Dieser Satz steht nicht in meiner Mitschrift, ich möchte ihn daher dem Vertreter der Kanzlei nicht in den Mund legen) Performance Fees könnten im wesentlichen nicht geplant werden, sie seien sehr volatil. Da sie aber sehr wesentlich für die C-Quadrat seien, seien sie bei der Bewertung berücksichtigt worden. Anfang 2018 seien Deutsche-Bank-Aktien abgeschichtet worden, die laufenden Aufwendungen von 500.000 Euro pro Jahr seien bisher nicht gesunken, nur die Management Fee sei entsprechend der Abschichtung gekürzt worden. Man habe mit deutlich höheren Performance Fees gerechnet, das Management gehe nicht davon aus, dass dieser Rückstand aufgeholt werden kann. Er erklärte, dass die ARTS Management durch die Abspaltung 0,7 Mio. Euro Kosteneinsparungen pro Jahr bringen solle, auch die 51% an Advenis seien, gekürzt um den Kaufpreis, als Sonderwert berücksichtigt worden. Ein daraus errechneter Marktwert von 236,5 Mio. Euro entspreche 54,20 Euro pro Aktie, aufgezinst bis heute somit 57,90 Euro.

Es folgen, sofern Interesse besteht, in Kürze noch die Ausführungen des durch das Handelsgericht bestellten Prüfers, die Erklärung des Aufsichtsratsvorsitzenden und der Hauptteil der HV: die Generaldebatte.

(20.08.2018)


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