27.03.2018, 6591 Zeichen
Gold wird im aktuellen, von Unsicherheit geprägten Umfeld seiner Rolle als sicherer Hafen gerecht. Binnen einer Woche hat das Edelmetall fast 50 US-Dollar an Wert zugelegt.
Rohöl: Das steckt hinter den steigenden Preisen
Die Ölpreise sind zu Wochenbeginn von hohem Niveau aus leicht gefallen. Brent-Öl kostete zwischenzeitlich wieder deutlich weniger als 70 Dollar/Barrel. In der Nacht auf Montag hatte die Notierung temporär den höchsten Stand seit Ende Januar bei 71,05 Dollar erreicht.
Beobachter machen für den Preisboom einen Mix aus Angebots- und Nachfrage-Faktoren, Währungsverhältnisse und eine Prise Geopolitik verantwortlich. Der überraschende weitere Rückgang der Lagerhaltung in den USA setzte die Ölpreisrally Mitte letzter Woche in Gang. Die US-Notenbank trug ihrerseits per relativ dovishem Statement dazu bei, dass der Dollar keinem Aufwärtsdruck ausgesetzt wurde, und stellte sich damit höheren Öl-Notierungen nicht in den Weg. Abseits dieser taktischen Entwicklungen hängen weiterhin die drohenden Iran-Sanktionen wie ein Damoklesschwert über dem Markt.
Freilich negierte der Markt die nach wie vor anziehende US-Ölproduktion. Und der Trend hält an. Laut Zahlen von Baker Hughes stieg die Zahl der aktiven Ölbohrungen in den USA in der Woche zum 17 . März um weitere vier auf 804 und damit auf den höchsten Stand seit drei Jahren.
Aus Sicht der HSH Nordbank gibt derzeit zahlreiche Gründe, optimistisch hinsichtlich der Preisentwicklung bei Rohöl zu sein. „Langfristig auf Sicht von zwölf Monaten sprechen vor allem das Vorhaben der OPEC, den Normalisierungsprozess der Öllagerbestände anhand des 7-Jahresdurchschnitts, statt wie bisher dem 5-Jahresdurchschnitt, zu bewerten, für höhere Preise“, schrieb Rohstoffanalyst Jan Edelmann in einem Marktkommentar. Auch die Fundamentaldaten sollten sich deutlich aufhellen, insbesondere aufgrund einer höheren Öl-Nachfrage. Gleichzeitig bleibe die Angebotsseite hinter den Erwartungen zurück. Dabei falle vor allem der Rückgang der Fördermenge in Venezuela ins Auge.
Gold ist wieder als sicherer Hafen gefragt
Gold wird im aktuellen, von Unsicherheit geprägten Umfeld seiner Rolle als sicherer Hafen gerecht. An diesem Montag notierte die Feinunze bei 1.355 US-Dollar. Binnen einer Woche hat das Edelmetall damit fast 50 US-Dollar an Wert zugelegt.
Der mögliche Handelsstreit zwischen den USA und China lässt die Nachfrage nach Edelmetallen und damit die Preise steigen. Denn im Zuge dessen stehen die Aktienmärkte unter Druck, gehen die Anleiherenditen zurück und zeigt sich der US-Dollar windelweich. Laut den Analysten der Commerzbank sind dies allesamt Faktoren, die dem Gold zugute kommen.
Seit vergangenen Freitag müssen Firmen aus China und anderen Ländern auf Stahl- und Aluminiumeinfuhren in die USA neue Zölle zahlen. Die USA forderten von Peking, Zölle auf amerikanische Autos zu senken und US-Firmen breiteren Zugang zu chinesischen Finanzsektor zu ermöglichen. Außerdem solle die Volksrepublik mehr Halbleiter aus den USA importieren, berichtete das "Wall Street Journal". China forderte die USA demgegenüber auf, seine „wirtschaftliche Einschüchterung“ zu beenden. Im Gegenzug plant Peking Zölle auf einzelne US-Produkte.
Die spekulativen Finanzanleger haben sich zuletzt bei Gold noch zurückgezogen. Laut CFTC-Statistik wurden in der Woche zum 20. März die Netto-Long-Positionen auf 111.800 Kontrakte abgebaut. „Allerdings haben sich die Goldpreise nach der Fed-Sitzung letzte Woche deutlich erholt, was in der aktuellen Statistik noch nicht erfasst ist“, so die Rohstoffexperten der Commerzbank. Daher dürfte sich die Positionierung der spekulativen Finanzinvestoren mittlerweile wieder geändert haben.
Kupfermarkt verharrt in einem milden Angebotsdefizit
Die Sorgen der Marktteilnehmer über einen Handelskrieg, der sich negativ auf die Weltwirtschaft auswirken könnte, lastete zu Wochenbeginn auch auf den Industriemetallpreisen. Kupfer hat sich kurzzeitig der Marke von 6.500 US-Dollar je Tonne genähert.
Dabei stellt sich die fundamentale Lage kaum verändert dar. So lagen Angebot und Nachfrage nach raffiniertem Kupfer laut der International Copper Study Group (ICSG) im vergangenen Jahr auf einem ähnlichen Niveau wie 2016. Für das Gesamtjahr 2017 sieht die ICSG ein Angebotsdefizit von 163.000 Tonnen, welches damit in etwa dem Niveau des Vorjahres von 150.000 Tonnen entspricht.
Laut einer ICSG-Prognosesstudie von März soll die Produktion von raffiniertem Kupfer in den kommenden drei Jahren um durchschnittlich 2 Prozent pro Jahr steigen. Chinas Kapazitätsaufbau soll laut ICSG künftig aber langsamer vonstattengehen als bisher. Derweil bleibt die Nachfrage nach dem roten Metall weiter hoch. Nach Angaben des chinesischen Research-Instituts Antaike soll der Bedarf an raffiniertem Kupfer des weltgrößten Nachfragers China in diesem Jahr um über drei Prozent auf rund 11 Mio. Tonnen steigen. 2017 lag das Wachstum bei 4,2 Prozent. An der grundsätzlichen Marktsituation auf dem Kupfermarkt sollte sich demnach bis auf Weiteres wenig ändern.
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