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Bonus-Zertifikate: Was bringen außerordentlich tiefe Barrieren? (Michael Plos)

26.10.2017, 5211 Zeichen

Aus dem „risikolosen Zins“ ist in den letzten Jahren immer mehr das „zinslose Risiko“ geworden. Eine frustrierende Situation für eine Heerschar von Anlegern. Da ich das Wort Zins nicht besonders mag, verwende ich ab jetzt Ertrag. Als Anleger kann man die Höhe der Erträge steuern. Generell gilt: Je höher der Ertrag, desto höher das Risiko.

Risiko ist etwas relatives. Für jeden Anleger bedeutet es etwas anderes. Besonders scheuen Anleger das Marktrisiko. Denn Aktien sind ja generell „riskant“. Diese Risikoaversion hat die Finanzbranche natürlich längst erkannt und reagiert. Zunächst mit Garantie-Strukturen, die in den letzten Jahren aber immer mehr an Volumen bzw. Bedeutung verloren haben. Der Grund hierfür liegt in der Niedrigzinsphase (attraktive Garantie-Produkte lassen sich schlicht nicht mehr konstruieren). Zuletzt – Anleger erkennen langsam, dass zumindest ein Mindestmaß an Risiko nötig ist – setzte die Branche vermehrt auf Sicherheitspuffer.

Wir schauen uns jetzt an, was möglich ist, wenn man Puffer jenseits der 50 Prozent (bei Emission) wählt. Die ersten Minus 50 Prozent bei einem Basiswert schadlos zu überstehen, hört sich nicht nur für Emittenten von strukturierten Produkten so an, als könnte man das Risiko deutlich senken. Die Ergebnisse sind höchst interessant.

 

Als Basis für sämtliche Zahlen dient ein druckfrisches Paper der Raiffeisen Centrobank. Analysiert wurden sämtliche seit September 2010 emittierten Bonus-Zertifikate mit Puffern größer/gleich 50 Prozent bei Emission, die seit mindestens 180 Tagen am Sekundärmarkt notieren. Das macht Sinn, da sonst absurde Renditen (durch die Hochrechnung auf ein Gesamtjahr) die Ergebnisse verfälscht hätten.

Von den insgesamt 57 emittierten Zertifikaten erfüllen 50 das oben genannte Kriterium. Das ist eine Menge, mit der man etwas anfangen kann. Als Basiswerte dienen übrigens immer „renommierte Aktienindizes“ (O-Ton RCB) bzw. der Rohstoff Gold.

 

Vermutetes Ergebnis

 

Was wird bei dieser Studie nun rauskommen? Naja, seit Herbst 2010 haben sich die internationalen Aktienbörsen bekanntermaßen prächtig entwickelt. Meine erste Vermutung daher: Anleger haben zwar positive Renditen erreicht, hinken den Vergleichsindizes aber deutlich hinterher (das liegt an der Konstruktion von Bonus-Zertifikaten). Dass das nicht ganz stimmt, zeigt die Tatsache, dass in mehr als der Hälfte der Fälle das Bonus-Zertifikat besser abgeschnitten hat als der zugrunde liegende Basiswert (bzw. ist das aktuell so – einige Zertifikate laufen ja noch).

Die schlechteste Performance eines einzelnen Bonus-Zertifikats lag bei +3,64% pro Jahr (Zins Bonus&Sicherheit – ISIN AT0000A0PQF3). Hier holte der Basiswert 4,42% p.a.

Die schwächste Performance eines Basiswerts lag bei -3,5% (ISIN AT0000A0LWM6 – Österreich Bonus&Sicherheit). Hier konnte das Bonus-Zertifikat mit einer Performance von 6,65% p.a. seine Stärken voll ausspielen.

Aufgefallen ist mir auch das Zertifikat mit der ISIN AT0000A1QA46, das Europa/Gold Bonus&Sicherheit. Als Basiswerte dienen hier der Euro Stoxx 50 sowie der Goldpreis. Das Zertifikat weist eine annualisierte Performance von 16,15% auf, was auf mich außerordentlich hoch wirkt. Und ein Blick in die Details klärt auf. Die Laufzeit endet am 1. Februar 2021. Für Anleger ist maximal ein Plus von 23 Prozent über die volle Laufzeit möglich. Das heißt, dass die Luft schön langsam dünn wird. Zumindest wenn sie nach oben dabei sein wollen. Die Absicherung nach unten (bei Emission 51% Puffer, mittlerweile natürlich höher) ist aber ein starkes Argument. Denn sollten die Basiswerte schwächeln, würden Anleger – so die Barriere hält – weiterhin die vollen 23 Prozent (bezogen auf den Emissionskurs) erhalten.

 

Tatsächliches Ergebnis

 

So, nun aber zum tatsächlichen Ergebnis. Über alle 50 Produkte (bei keinem wurde die Barriere gerissen bzw. bei noch keinem) erfolgte eine durchschnittliche p.a. Performance von satten 6,61 Prozent. Die Basiswerte legten im Schnitt um 7,17 Prozent zu. Das sind 0,56 Prozentpunkte Unterschied. Wenn man so will, hat die Anleger ein Puffer von mindestens 50 Prozent also Performance von 0,56 Prozent pro Jahr gekostet.

 

Fazit

 

Ich verfolge die Produktserie der RCB schon lange. Und mein Eindruck, dass das zwangsläufig gut gelaufen sein muss, weil ja auch die Märkte gut gelaufen sind, hat sich bestätigt. Was man aber natürlich schon dazu sagen muss, ist, dass die RCB ja nicht wissen konnte, dass sich die Märkte so positiv entwickeln.

Wenn man so will, wäre das Idealszenario nämlich eines gewesen, in denen die Basiswerte sich seitwärts bzw. leicht negativ entwickeln. Dann wären die Stärken, die Bonus-Zertifikaten zugrunde liegen, noch deutlich stärker zum Vorschein gekommen.

Hier zeigt sich aber, dass man als Anleger, der das Preisrisiko der Basiswerte scheut, durchaus zugreifen kann. Und zwar in drei Szenarien: Wenn man davon ausgeht, dass die Basiswerte leicht fallen, seitwärts tendieren oder zulegen könnten.

Natürlich ändert das NICHTS daran, dass Bonus-Zertifikate auch ihre Tücken haben. Kommt der große Crash, dann trägt man den als Anleger im worst case mit. Und es bleibt natürlich das Emittentenrisiko. Außerdem ist das Geld bis zu fünf Jahre gebunden.

 

Im Original erschienen auf selbstentscheider.com


(26.10.2017)

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    Risiko ist etwas relatives. Für jeden Anleger bedeutet es etwas anderes. Besonders scheuen Anleger das Marktrisiko. Denn Aktien sind ja generell „riskant“. Diese Risikoaversion hat die Finanzbranche natürlich längst erkannt und reagiert. Zunächst mit Garantie-Strukturen, die in den letzten Jahren aber immer mehr an Volumen bzw. Bedeutung verloren haben. Der Grund hierfür liegt in der Niedrigzinsphase (attraktive Garantie-Produkte lassen sich schlicht nicht mehr konstruieren). Zuletzt – Anleger erkennen langsam, dass zumindest ein Mindestmaß an Risiko nötig ist – setzte die Branche vermehrt auf Sicherheitspuffer.

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